Wohltat für Augen und Sinne
«Moments» – So der Titel einer neuen Ausstellung in der Laufner Galerie Chelsea. Protagonistin ist die Solothurner Künstlerin Annatina Graf.

Wohltat für die Augen? Auf den ersten Blick auf jeden Fall, denn Annatina Grafs Werke, vorwiegend Bilder in Acryl auf Baumwolle, kontrastieren sich zu den oft harten, knalligen Erzeugnissen aktueller Künstler. Grafs Pinselstrich ist sanft, transparent, ja bei gewissem Lichteinfall kaum erkennbar. Als Betrachtender wird man angeregt, genau zu schauen – sich zu bewegen sogar. Denn die Bilder der Serie «Moments», auf Silbergrund gemalt, präsentieren bei jeder Betrachtungsposition ein unterschiedlich starkes Bild.
«Moments» wecken Erinnerungen. «Die abgebildeten Motive haben nichts mit uns als Betrachter zu tun», erklärte Eva Inversini anlässlich der Vernissage vom vergangenen Sonntag. Und die Kunsthistorikerin und Leiterin Kunsthaus Grenchen, fügte an: «Aber diese Figuren, Gegenstände, Gesichter, wecken Erinnerungen. Fragen zur eigenen Identität werden wach.»
Inversini zog in ihrer Einführung das aktuelle Buch «1913» zur Veranschaulichung bei. Man liest über Persönlichkeiten der damaligen Zeit, die man nur teilweise oder gar nicht kennt, und findet es hoch spannend. Es ist die Nähe, die der Autor (in diesem Fall Florian Illies) mit seinem Schreibstil schafft.
Annatina Graf schafft diese Nähe mit ihrer distanzierten Art zu malen. Fast paradox, aber damit zwingt sie die Besucher, sich mit dem Bild auseinanderzusetzen. Diese Anziehungskraft erzwingt Nähe. Kunst zu schaffen scheint für Annatina Graf eine existenzielle Notwendigkeit. Sie ist bei sich und gibt sich ganz in sie hinein. So jedenfalls der Eindruck, der beim Gang durch die Ausstellung entsteht.
Genau so spannend, wenn auch hier nicht besonders erwähnt, sind die beiden Videoarbeiten, sowie die Bilder «Another World» und die etwas bunteren Gemälde «Tage» von Annatina Graf.


