Wildblumen und Schatten statt Asphalt

Die reformierte Kirchgemeinde Laufen will das Areal rund um die Kirche bis hinauf zum Gymnasium ökologisch neu gestalten. Am 8. März entscheidet eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung über die nötigen Eigenmittel.

Versiegelte Flächen und kaum Bepflanzung: Rund um die reformierte Kirche soll  eine kleine parkartige Oase für Mensch und Tier entstehen. Über die nötigen Eigenmittel stimmt die Kirchgemeinde am 8. März ab. Foto: Melanie Brêchet
Versiegelte Flächen und kaum Bepflanzung: Rund um die reformierte Kirche soll eine kleine parkartige Oase für Mensch und Tier entstehen. Über die nötigen Eigenmittel stimmt die Kirchgemeinde am 8. März ab. Foto: Melanie Brêchet

An einem heissen Sommertag ist es rund um die reformierte Kirche in Laufen eher ungemütlich. Der karg gehaltene Umschwung bietet kaum Schattenplätze und Aufenthaltsqualität. Das soll sich ändern. Am Informationsanlass vom letzten Donnerstag stellte Landschaftsarchitekt Peter Steiger der Kirchgemeinde seine Pläne für eine umfassende ökologische Neugestaltung des Kirchenareals, das eine Grösse von knapp 6000 m2 umfasst, vor.

Bereits an der Kirchgemeindeversammlung vom vergangenen November war das Projekt erstmals diskutiert worden. Damals ging man noch davon aus, das Projekt im Mai vorzustellen und im Juni über die notwendigen Eigenmittel abzustimmen. Der Zeitplan sei jedoch vorgezogen worden, weil das Bundesförderprogramm Adapt+ Eingaben nur bis Ende März entgegennimmt, erklärte Kirchenpflegemitglied Christian Senn zu Beginn der Veranstaltung im gut gefüllten reformierten Kirchgemeindehaus. Bereits am 8. März soll darum an einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung über die Freigabe von 100000 Franken Eigenmitteln entschieden werden.

Ausgangspunkt des Projekts ist der stark versiegelte Zustand des Areals. Seit der prägnante Thuja neben der Kirche vor einigen Jahren krankheitshalber entfernt worden sei, habe sich die Situation weiter verschärft, erklärte Landschaftsarchitekt Peter Steiger, der mit dem Projekt betraut wurde. Es fehle an schattigen Plätzen und auch die derzeitige Bepflanzung sei von fremden Arten dominiert. Es gehe jedoch nicht darum, «einfach ein paar Blüemli» zu pflanzen, sondern um Geborgenheit und Wohnlichkeit, und darum, einen parkartigen Ort der Begegnung zu schaffen, der der Kirche würdig sei. Nicht zuletzt könnten so auch Anlässe der Kirche im Freien attraktiver gestaltet werden und der Weg vom Bahnhof zum Gymnasium würde massgeblich aufgewertet. Steiger hat bereits diverse Abklärungen gemacht: Rückmeldungen der Stadt Laufen seien positiv, man habe sich von den SBB versichern lassen, dass die Arbeiten bei der Treppe den Bahnbetrieb nicht tangieren, und auch ein Treffen mit der Ortsbildkommission, die ebenfalls ein Wörtchen mitzureden hat, sei bereits vereinbart.

Das Projekt gliedert sich in zehn Teilbereiche, wobei mindestens 750 m2 Fläche entsiegelt werden sollen. Herzstück ist ein neuer Begegnungsplatz neben der Kirche, dazu kommen Wildstaudenflächen anstelle von Rasen. Insgesamt sollen eine Allee mit 26 neuen Bäumen in Richtung Gymnasium und rund 800 Sträucher und 10000 Wildstauden einheimischer Arten gepflanzt werden.

Kontroverse Punkte

Bei so grossen Projekten bleiben Diskussionen nicht aus. Umstritten waren letzten Donnerstag zwei in der Planung vorgesehene Weiher, die als Lebensraum für allerlei Tiere dienen sollen. Aus Sicherheitsgründen würden sie eingezäunt, erklärte Steiger. Einzelne Wortmeldungen äusserten trotzdem Bedenken wegen der Gefahr für kleine Kinder, eine Mehrheit zeigte sich jedoch angetan von der Idee, Weiher anzulegen. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frage der Parkplätze. Heute bestehen 39 Parkfelder, gemäss aktuellen Vorgaben wären 24 ausreichend. Das neue Konzept sieht 30 Parkplätze vor — darunter zwei Behindertenparkplätze. Technisch wären acht weitere möglich. Steiger empfahl, vorerst bei 30 zu bleiben. Veloparkplätze könnten ebenfalls ergänzt werden. Die meisten Anwesenden unterstützten diese Lösung, auch mit dem Hinweis auf andere Parkmöglichkeiten in Laufen. Weitere Fragen betrafen den barrierefreien Zugang zur Kirche, der weiterhin gewährleistet bleibt, sowie das Belagskonzept mit Schotterrasen für die Parkplätze.

Neuer Verlauf für die Treppe

Ein Knackpunkt dürfte die geplante Umgestaltung der Treppe mit geschwungenem und damit weniger steilem Verlauf sein. Eine Mehrheit sprach sich dafür aus, die Treppe zu lassen, wie sie ist. Eine Votantin wies auf das stimmige Bild hin, das die gerade verlaufende Treppe in Richtung Kircheneingang abgebe. Letztendlich dürfte in dieser Frage auch die Einschätzung der Ortsbildkommission eine wesentliche Rolle spielen. Steiger wies darauf hin, dass auch nur die Umgebung der Treppe neu gestaltet werden könne, ohne deren Verlauf anzutasten.

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 784000 Franken, inklusive Pflege für die ersten zwei Jahre. Ab dem dritten Jahr werden jährliche Pflegekosten von rund 20600 Franken erwartet (abzüglich Eigenleistungen), die heutigen Kosten für die Umgebungspflege betragen rund 15000 Franken. Die Kirchgemeinde sei gemäss Kirchenpflege in der Lage, 100000 Franken an Eigenmitteln einzubringen. Rund 684000 Franken sollen über Fördermittel finanziert werden. Das Programm Adapt+ unterstützt Massnahmen wie Entsiegelung und Beschattung mit bis zu 40 Prozent, setzt jedoch Eigenmittel voraus und erlaubt keinen vorzeitigen Baustart. Ähnlich sieht es bei weiteren, angefragten Stiftungen aus, deren Zusage teilweise schon vorliegt. Ob die Kirchgemeinde die 100000 Franken überhaupt aufbringen kann, wurde am Schluss der Veranstaltung noch heiss diskutiert. Ein Finanzplan soll diese Frage bis zur kommenden Kirchgemeindeversammlung klären.

Kommt die Zustimmung am 8. März zustande und gelingt die Mittelbeschaffung, könnte der Baustart bereits im Spätsommer oder Herbst erfolgen. Eine Schlussabstimmung am Informationsanlass zeigte, dass eine klare Mehrheit der Anwesenden grundsätzlich hinter dem Projekt steht und darin eine Chance sieht, mit vergleichsweise wenig Eigenmitteln einen nachhaltigen Mehrwert für die Kirche und die Einwohnerinnen und Einwohner von Laufen zu schaffen.

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