Teurer Nachtbetrieb des Praxis-Notfalls

Der Praxis-Notfall im Gesundheitszentrum Laufen ist für viele die erste Anlaufstelle. Doch gerade nachts sind die medizinischen Möglichkeiten eingeschränkt. Wann ist der Praxis-Notfall richtig, wann sollte man direkt ins Spital oder den Rettungsdienst rufen?

Eingang ab 17 Uhr: Der Kanton subventioniert die Rand- und Nachtöffnungszeiten im Gesundheitszentrum in Laufen mit gemeinwirtschaftlichen Leistungen von rund 850000 Franken pro Jahr. Foto: Gaby Walther
Eingang ab 17 Uhr: Der Kanton subventioniert die Rand- und Nachtöffnungszeiten im Gesundheitszentrum in Laufen mit gemeinwirtschaftlichen Leistungen von rund 850000 Franken pro Jahr. Foto: Gaby Walther

Es ist Nacht. Eine ungeschickte Bewegung, ein Sturz, grosse Schmerzen — die Notfallpraxis im Gesundheitszentrum in Laufen wird aufgesucht — eine Fehlentscheidung. Denn: Nachts wird nicht mehr geröntgt und der Patient muss den Notfall in einem Spital aufsuchen, wo er schliesslich stationär behandelt wird und ein paar Tage bleiben muss. Es stellt sich die Frage: Wann macht es Sinn, den Praxis-Notfall in Laufen aufzusuchen, wann ist es sinnvoller, auf den Notfall im Spital Dornach, Bruderholz oder Liestal zu gehen?

«Der Praxis-Notfall in Laufen ist für leichte bis mittelschwere Notfälle gedacht, die man gut ambulant vollständig abklären und behandeln kann. Dazu gehören akute Infekte, Lungenentzündungen, Magen-Darm-Infekte, Blasenentzündungen oder Verletzungen, die zwar behandelt werden müssen, aber keine unmittelbare Lebensgefahr darstellen», erklärt Florian Nagar-Hak, ärztlicher Leiter des Gesundheitszentrums Laufen. Viele Fälle, die hier landen, wären eigentlich Fälle für die Hausärztin oder den Hausarzt — nur fehlt dort oft die Zeit und die passende Infrastruktur. Gerade bei Verletzungen könne der Praxis-Notfall mehr bieten als eine durchschnittliche Hausarztpraxis: Wunden reinigen und nähen, Abszesse öffnen, Schienen und Bandagen in verschiedensten Grössen anpassen, Röntgenbilder erstellen und diese in direktem Austausch mit Fachärzten im Bruderholz-Spital besprechen. «Das sprengt im hausärztlichen Betrieb oft den Rahmen», sagt der Arzt.

Möglichkeiten sind begrenzt

Doch auch die Möglichkeiten im Praxis-Notfall sind — insbesondere in der Nacht — begrenzt. Das normale Röntgen ist bis 22 Uhr möglich, die Computertomografie (CT), die bei schweren Verletzungen entscheidend sein kann, nur bis 18 Uhr. Wer danach mit einem klar CT-pflichtigen Befund kommt, muss weiter ins Spital. «Und genau da beginnen die Missverständnisse», erklärt Nagar. Viele Menschen wüssten nicht, wann sie den Praxis-Notfall, wann sie direkt das Spital aufsuchen und wann sie besser die Nummer 144 wählen sollten.

Triage beim Rettungsdienst

Der Rettungsdienst arbeitet mit klaren Triagekriterien. Schwerkranke, etwa mit Anzeichen von Schlaganfall oder Herzinfarkt, bringt die Sanität direkt in eine Notfallstation mit Vollangebot — nicht nach Laufen. Wer hingegen selbst in den Praxis-Notfall kommt, wird dort nochmals eingeschätzt. Ist absehbar, dass eine ambulante Behandlung nicht reicht, beginnt das Verlegungsprozedere: entweder als Notfallverlegung mit Blaulicht (Dringlichkeitsstufe 1), als dringliche Verlegung mit begrenzter Wartezeit (Stufe 2) oder elektiv, was zwei bis drei Stunden dauern kann. «Oft geht es schneller, wenn Angehörige die Patientin oder den Patienten, falls keine lebensbedrohliche Situation vorliegt, direkt ins Spital fahren», sagt Nagar.

Entlastung für Spitäler und Hausarztpraxen

Für Nagar ist das Gesundheitszentrum ein wichtiger Bestandteil der regionalen Grundversorgung. Der Praxis-Notfall entlastet einerseits die stark ausgelasteten Notfallstationen in den Spitälern, andererseits die Hausärztinnen und Hausärzte in der Region, von denen viele keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Auf dem Praxis-Notfall seien sowohl an Werktagen wie auch am Wochenende tagsüber eine Oberärztin oder ein Facharzt sowie Pflegepersonal anwesend.

Hohe Kosten

«Rund 95 Prozent der Patientinnen und Patienten können wir angemessen abklären und behandeln», sagt Nagar. Anspruchsvoller sei die Situation nachts zwischen 22 und 6 Uhr. In dieser Zeit ist der Praxis-Notfall deutlich weniger frequentiert. Trotzdem müssen eine Pflegefachperson und eine Assistenzärztin oder ein Assistenzarzt anwesend sein. Rund ein Viertel der Gesamtkosten des Notfallangebots entstehen in dieser Zeit.

Der Kanton subventioniert die Rand- und Nachtöffnungszeiten im GZL mit gemeinwirtschaftlichen Leistungen von rund 850000 Franken pro Jahr. Rechnet man das auf die wenigen nächtlichen Behandlungen herunter, ergeben sich sehr hohe Kosten pro Fall. Einerseits schätzen Bevölkerung und die regionale Politik die symbolische Sicherheit eines «Notfalls 24/7 vor Ort». Andererseits ist das medizinische Angebot nachts deutlich eingeschränkt. «Dies führt immer wieder zu enttäuschten Erwartungen», stellt Florian Nagar fest.

Eine Evaluation durch den Kanton soll in diesem Jahr erfolgen

Nachgefragt beim Kanton Basel-Landschaft nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen des nächtlichen Angebots des Praxis-Notfalls in Laufen — insbesondere angesichts der tiefen Patientenzahlen während der Nacht — verweist die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion auf frühere politische Beschlüsse. Bereits in der Landratsvorlage 2020/478 sei festgehalten worden, dass das Angebot evaluiert und anschliessend über eine Weiterführung sowie über eine allfällige finanzielle Unterstützung durch den Kanton entschieden werde. Aufgrund der Verlängerung des Angebots bis 2025, die mit der Landratsvorlage 2022/5 und einem angenommenen Änderungsantrag beschlossen wurde, soll diese Evaluation nun im Verlauf des Jahres 2026 erfolgen.

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