Ärger von der Birsstadt bis ins Laufental
Für den N18-Ausbau lag bereits eine zeitgemässe Korridorstudie vor – der Bundesrat will aber kaum etwas davon realisieren.

Der Ausbau der N18 von Basel nach Delémont liegt auf dem Sterbebett — obwohl erst im vergangenen Jahr unter grossem Aufsehen die ausgiebig durchgeführte Korridorstudie des Bundesamts für Strassen (Astra) präsentiert worden ist. Der Bundesrat hat in seiner Vernehmlassungsvorlage für den nationalen Infrastruktur-Ausbau bis 2045 praktisch alles zur N18 weit, weit nach hinten geschoben.
Konkret wird vor allem die Zentrumsentlastung von Laufen bis irgendwann in den 2050er-Jahren ins Auge gefasst. Der Rest, zum Beispiel der Muggenbergtunnel, Massnahmen beim engen Unglücksabschnitt in Aesch und sogar die Ortsumfahrung Laufen und Zwingen sind auf irgendwann oder je nachdem gar nie angesetzt. Denn alles, was der Bundesrat unter Zeithorizont «Weitere» aufführen liess, kann oder kann auch nicht kommen.
Gerade im Laufner Stedtli wächst der Druck
Gross ist der Frust in den Gemeinden entlang der N18, die streckenweise die Autobahn A18 ist. «Die Gemeinde Aesch bedauert diesen Entscheid sehr und ist enttäuscht, wird sich aber mit allen beteiligten Anspruchsgruppen weiterhin dafür einsetzen, dass sich die Verkehrssituation in der Birsstadt und im Laufental nachhaltig verbessern kann», sagt die Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP). Die kurz- bis mittelfristigen Massnahmen sollen jetzt konsequent angegangen und umgesetzt werden. Zugleich müsse für langfristige Massnahmen «gemeinsam eingestanden» werden. Auch in Laufen ist der Ärger gross. «Wir sind ganz und gar nicht glücklich mit dem Entscheid des Bundesrats», sagt Stadtpräsident Pascal Bolliger (FDP). «Insbesondere auch mit Blick auf die demografische Entwicklung: Unser Strassennetz stammt grösstmehrheitlich aus den 1970er- und 1980er-Jahren.» Das sei nicht nur nicht zeitgemäss, sondern auch kaum zukunftstauglich. «Damals hatte die Schweiz noch rund fünf Millionen Einwohnende und pro Haushalt höchstens ein Auto, heute sind wir beim Doppelten.» Das könne man nun gut oder schlecht finden, gehandelt werden müsse trotzdem. «Und zwar beim motorisierten Individualverkehr genau so wie beim öffentlichen Verkehr.» Genau das war mit der N18-Korridorstudie des Astra geplant.
Für Laufen ist die Situation ohnehin zunehmend schwierig: Der Transitverkehr zwischen Basel und dem Jura rollt hier mitten durch den Ortskern. Dasselbe gilt für die Nachbargemeinde Zwingen. Daher ist die Ortsumfahrung, die nach neuem Zeitplan irgendwann kommen kann oder eben auch nicht, eigentlich ein Schlüsselprojekt für die Entwicklung des Laufentals. «Es ist stossend», sagt Bolliger: «Der Arc Jurassien ist schon lange fertig gebaut — daher ist es die logische Konsequenz, diesen Abschnitt endlich sauber und direkt an den Autobahnabschnitt A18 in Aesch anzubinden.»
Das N18-Komitee muss sich erneut durchsetzen
Ebenso vernichtend ist das Urteil des Komitees N18. «In einer kurzen Lagebeurteilung haben unsere Mitgliedsorganisationen ihre Bestürzung über den Entscheid des Bundesrates ausgedrückt», sagt dessen Präsident Martin Dätwyler, zugleich Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB). «Ohne rasche Entlastung muss die Bevölkerung der Region weitere Jahrzehnte mit hohem Stauaufkommen, mangelnder Verkehrssicherheit und geringer Lebensqualität in den Ortszentren auskommen.»
Einschneidend seien die Aussichten somit auch für die Unternehmen zwischen dem Angenstein und Delémont. «Ohne angemessene Erreichbarkeit wird das wirtschaftliche Wachstum der Region ausgebremst.» Für die exportorientierte Wirtschaft, die Industriebetriebe und die zahlreichen KMU der Region sei eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar.
Unverständnis und grosse Hoffnungen
Alles stösst auf Unverständnis: Dass die Strassenprojekte der N18 zwischen Basel und Delémont mit Ausnahme der Zentrumsentlastung Laufen erst nach 2055 realisiert werden sollen, aber auch, dass der Muggenbergtunnel keine raschere Umsetzung erhält. «Der Muggenbergtunnel ist ein Projekt, das breite Zustimmung geniesst und zu dem es viele Grundlagen gibt, da irritiert es besonders, dass keine raschere Umsetzung geplant wird», sagt Dätwyler. Die Vorlage des Bundesrats sei somit nicht nur eine Absage an eine bessere Verkehrsanbindung der Region, sondern auch eine Absage an wirtschaftliche Entwicklungschancen. Das stehe direkt in Widerspruch zu den Ergebnissen der Korridorstudie N18, die das Astra «nach neuesten Methoden durchgeführt hat», so Dätwyler. Das Komitee kämpfe weiter, es bestehe noch Hoffnung auf eine rasche Verkehrsentlastung.


