Wie sichAlltägliches in Kunst verwandelt

Mit aussergewöhnlichen Trouvaillen kreiert die Künstlerin Gabrielle Voisard verblüffende Installationen und gestaltet vier Räume der Galerie Chelsea zu aufregenden Inszenierungen.

 Mitten in ihren Kunstwerken: Gabrielle Voisard. Foto: Jürg Jeanloz
Mitten in ihren Kunstwerken: Gabrielle Voisard. Foto: Jürg Jeanloz

Was zeichnet die jurassische Künstlerin und Zeichnungslehrerin Gabrielle Voisard aus? «Es gelingt ihr, alltägliche Gegenstände so in den Raum zu setzen, dass sie einen neuen Wert bekommen und in einem anderen Licht gesehen werden», lautet die Antwort von Eveline Schüep, die an der sonntäglichen Vernissage in der Chelsea Galerie die Laudatio hält. Seien es einige alte Plastik-Behälter, eine Schul-Schiefertafel oder ein lederner Boxsack, die Künstlerin bringt es fertig, Flohmarktartikel oder Dinge kurz vor dem Wegwerfen in kreative Installationen umzuwandeln. «Sie hängt einen rosafarbigen Mantel so auf, dass wir plötzlich den Menschen darin wiedererkennen», erklärt Schüep. Von Weitem weist die Kunstverständige auf eine schwere schwarze Kette hin, die an zwei Nägeln aufgehängt ist. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die Glieder dieser Kette aus fein gehäkelten Schlaufen, die die Künstlerin selbst hergestellt hat. Voisard arbeite auch mit einem Atelier, das auf ihren Wunsch alte Dinge wie Koffer, Schwimmring, Brustpanzer, Schuh und vieles mehr aus Keramik giesse.

Schüep wendet sich drei Fotografien zu, die braune Boxhandschuhe aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen. «Was sehen Sie in diesen Bildern», fragt sie die Gäste an der Vernissage. Richtig, die Formen eines menschlichen Herzens, gibt sie sich gleich selbst die Antwort. «Hören Sie die Herzschläge des Boxers?» Solche Kippmomente seien von der Künstlerin gewollt und auch erwünscht. Wichtig sei der Künstlerin auch die Aufstellung der Objekte sowie Farbe und Form. So hat sie im kleinsten Ausstellungsraum, den sie Insel nennt, einen weissen Schwimmring und ein kleines Holzschiff auf den Boden gelegt, ein T-Shirt über eine Handtuchstange gelegt und ein selbst gestickter Laken mit dem Kinder Hüpfspiel «Himmel und Hölle» an die Wand gehängt. Erinnerungen an die Kindheit werden wach, die Objekte werden zum Leben erweckt, Poesie und Emotionen steigen in uns auf. Galeristin Jeanette Schmid bringt es auf den Punkt: «Die Künstlerin ist eine leidenschaftliche Sammlerin, die alltägliches Material in einem neuen Kontext erscheinen lässt».

Weitere Artikel zu «Laufental», die sie interessieren könnten

Patrick Staub: «Die Weiden sind abgegrast, die Tiere müssen bereits aus dem Wintervorrat gefüttert werden.» Fotos: Bea Asper
Laufental15.07.2026

Zitterpartie in der Landwirtschaft

Der Mais prägt das Bild im Laufental und ist in der Landwirtschaft wichtiger Energielieferant. Sollte der Mais die Trockenheit nicht überleben, könnte dies…
In den Fussstapfen des Urgrossvaters: Iris Amacher setzt als Vergolderin eine Familientradition fort. Fotos: ROMANA VON TANA
Laufental15.07.2026

Der goldene Rahmen von Laufen

Mit der wachsenden Bekanntheit der Detektei häufen sich sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung. Eine davon führt Jonas Lenz in ein Laufner Rahmenatelier.…
Kümmert sich um den Planetenweg: Bruno Stähli beim Planeten Erde mit Mond. Fotos: Martin Staub
Laufental15.07.2026

Beliebter Planetenweg wird aufgefrischt

Der Planetenweg in Laufen erfreut sich grosser Beliebtheit. Dies beweisen die zahlreichen rund 200-seitigen Gästebücher, welche alle voll sind von Lob und…