Wie sich Landschaft wandelt

In der 11. Reihe der SamstagsUni referierte Karl Martin Tanner im Alten Schlachthaus über den Landschaftswandel im Baselbiet. Seine Bildvergleiche und Tabellen stimmten nachdenklich und provozierten.

Der Referent Karl Martin Tanner und sein Publikum: Rege Diskussion über den Landschaftswandel im Baselbiet.   Foto: Thomas Brunnschweiler
Der Referent Karl Martin Tanner und sein Publikum: Rege Diskussion über den Landschaftswandel im Baselbiet. Foto: Thomas Brunnschweiler

Peter Luder, Verantwortlicher für die SamstagsUni, wies darauf hin, dass das langfristige Ziel des Zyklus «Landschaft im Wandel» der Wakker-Preis für Laufen sei. Karl Martin Tanner, promovierter Biologe und Dozent an der Pädagogischen Hochschule FHNW, führte dem zahlreich erschienen Publikum den Landschaftswandel der letzten hundert Jahre anhand von fotografischen «Augen-Blicken» vor Augen. Er wies nach, dass Kleinstrukturen wie Geländekanten, Dolinen oder Lesesteinhaufen nicht bloss schmückendes Beiwerk sind, sondern Garant für die Artenvielfalt. Der Verlust der Kleinstrukturen, das Wasserregime und die Vergrösserung der Parzellen bedeuten einen Verlust für die Biodiversität, desgleichen die Versiegelung der Flächen und die Düngung zur Einschränkung der Pflanzenvielfalt. Tanner zeigte, wie stark der Verlust von Hochstammobstbäumen den Eindruck der Landschaft verändert hat. Gerade an diesem Beispiel erkannte man den Mehrwert des Bildvergleichs. Ebenfalls eindrücklich zeigte der Fotovergleich den Verlust der Bünten, kleine Äcker um den Siedlungsraum zur Deckung des Eigenbedarfs. Insgesamt wurde klar, dass die Landschaft an Weite verliert. Die Verdichtung des Waldes, der heute höhere Bäume aufweist als noch vor 50 Jahren, bringt einerseits einen grösseren Holzvorrat pro Hektare mit sich, aber auch einen Verlust an markanten Aussichten, wie das Beispiel der Ruine Pfeffingen belegte.


Plädoyer für mehr demokratische Mitsprache
Massive Eingriffe sind auch Strassen, vor allem die Autobahn. Sie bringen Veränderungen in der Fläche, etwa Ringstrassen in Dörfern, die so ihren Charakter verändern. Früher waren Strassen in Siedlungen Teil des Wohnraums, heute sind sie nur noch für den Verkehr gedacht. Der Vortrag bewies, dass langsame Veränderungen weniger wahrgenommen werden als plötzliche und dass «Augen-Blicke» des Vergleichs heilsam sein können. Der Bildvergleich ermöglicht wesentliche Einsichten, nicht zuletzt die, dass die «Landschaft» vom Mensch gemacht wird und nicht «vom Himmel fällt». Es sei letztlich die Frage, wie viel uns an der Biodiversität und an der Ästhetik der Landschaft gelegen sei und was sie uns auch ökonomisch wert seien. Derzeit wird von nur 4,3 Prozent der Bevölkerung – den Landwirten – definiert, wie viel Vielfalt vorkommen soll. Der Planungsprozess sollte hier laut Tanner breiter abgestützt werden. Tanner verwies dabei auf den laufenden Planungsprozess in Blauen. Er plädierte für Massnahmen, die «nicht viel kosten, aber effizient sind»: Buntbrachen, ausgedolte Bäche oder Erhalt von Kleinstrukturen. In der regen Diskussion schlich sich das Missverständnis ein, Tanner wolle mit «nostalgischen Bildern» das Rad der Zeit zurückdrehen. Der Referent betonte, dass es ihm nicht darum gehe, sondern um die Sensibilisierung für ein Problem, dass alle gleichermassen betrifft.

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