Wenn Musik politisch wird
Das Kulturforum Laufen präsentiert am 4. September verdienstlicherweise «Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2» von Rabih Mroué und Linda Majdalanie: eine spannende, kaleidoskopische Performance.

Laufen
Es geht in diesem Stück um Chopins «Trauermarsch» («Marche Funèbre») aus der Sonate 2. Der düstere, würdevolle und schlichte Trauermarsch wurde nicht nur bei Chopins Beerdigung gespielt, sondern auch bei der Beisetzung von Persönlichkeiten, die sich ideologisch völlig voneinander unterschieden: Churchill, Stalin, Tito, Arafat, Margaret Thatcher, Elisabeth II. und Hassan Nasrallah, dem Hisbollah-Führer. Das Stück, das in der Schweiz von Max Brand inszeniert wird, besitzt keine Handlung im klassischen Sinne. Es ist eher ein Hörspieltheaterabend über Musik, Macht und politische Symbolik. Es gibt immer wieder Stücke, die durch politische Vereinnahmung kontaminiert worden sind. In erster Linie sind hier Richard Wagners Werke zu nennen, aber auch Orffs «Carmina Burana», die von der NS-Propaganda vereinnahmt wurden. Selbst Beethovens 9. Sinfonie wurde von den Nationalsozialisten und von der DDR vereinnahmt und später als Eurohymne eingesetzt. Die «Internationale» lässt sich wiederum sowohl als Revolutionshymne als auch als Lied autoritärer kommunistischer Regime lesen. Das Autorenduo Mroué und Majdalanie untersucht im Stück über Chopins Trauermarsch, wie Musik von Macht und Ideologie instrumentalisiert werden kann und wie Trauerfeiern plötzlich zu politischen Inszenierungen werden. Die Hauptfrage ist die, ob damit die Musik nicht selbst beerdigt wird.
«Chopin ist nicht haram»
Leider war im Vorfeld zu dem vorliegenden Artikel Max Brand nicht erreichbar. Er ist Dramaturg für Theater und Tanz an der Kaserne Basel. Das Stück entstand ursprünglich in Kooperation mit den Wiener Festwochen und dem Volkstheater Wien. Es spielen Augustin Groz und die österreichische Schauspielerin Claudia Kottal, die vielen vom Fernsehen her bekannt sein dürfte (zum Beispiel «Blind ermittelt», «Tatort»).
Konkreter Ausgangspunkt des Stücks der beiden libanesischen Theaterleute ist das Begräbnis Hassan Nasrallahs. Chopin und eine islamistische Terrororganisation: Das ist ein klarer und unauflöslicher Widerspruch. «Chopin ist anscheinend nicht haram» (verboten, unrein), so heisst es im Stück. Neben Kottal und Groz ist Chopins Sonate die dritte Protagonistin des Stücks. Rein stilistisch mischt der Abend historische Episoden aus Chopins Leben, Berichte über berühmte Begräbnisse, Überlegungen zu Tod und Erinnerung sowie Livemusik. Dazu kommen humorvolle Dialoge und Streitgespräche sowie dokumentarisches Material. Der Abend zeigt, dass an sich ideologisch neutrale Musik politisch aufgeladen werden kann.
«Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2», Kulturforum Laufen, Freitag, 4. September, 19 Uhr.


