Wälder sind preiswürdig
Gerhard Walser hat in seinem Forstrevier Platz für Juravipern, Schmetterlinge und Orchideen geschaffen. Dafür hat er nun den Naturschutzpreis von Pro Natura erhalten.

Wer an Schmetterlinge denkt, stellt sich meistens auch eine sonnige Wiese vor. Dabei leben etliche Sommervögel im Wald. Der Förster Gerhard Walser sorgt in seinem Gebiet dafür, dass seltene Schmetterlinge wie der Waldteufel oder der Feurige Perlmutterfalter Nahrung, und Plätze für die Eiablage finden. Das bedeutet viel Arbeit, denn diese Schmetterlinge brauchen zwingend Wälder, wo die Sonne bis zum Boden scheinen kann. Walser sorgt aber nicht nur für Schmetterlinge, sondern auch für die Juraviper, die Schlingnatter, die Mauereidechse, die Geburtshelferkröte. Und für viele weitere Vögel, Insekten, Bäume und Kräuter. Nicht erst seit gestern, sondern seit er 1992 in den Revieren in Liesberg und Roggenburg arbeitet. 2004 sind auch Kleinlützel und Bärschwil dazugekommen. Insgesamt gehören 2400 Hektaren zu seinem Revier.
Vom Wasser bis zur Felswand
Für seinen langjährigen Einsatz hat Walser letzte Woche den Naturschutzpreis von Pro Natura Baselland bekommen. «Der Preis hat in erster Linie einen ideellen Wert», erklärte die Präsidentin von Pro Natura Baselland, Mirjam Würth. Er bestehe aus einer öffentlichen Preisverleihung, einer Urkunde und einem gepflanzten Baum. 80 Personen erschienen zur Preisverleihung in Laufen. Unter ihnen auch etliche Preisträgerinnen wie Pia Steg und Ruth Meury, welche den Preis 1995 für den Naturschutz im Laufental erhalten haben.
Der Solothurner Kreisförster Martin Roth lobte Walser für seine pragmatische Art. Zudem sei er ein ganz grosser Kenner, was Artenschutz und Ökologie anbelange. «Gerhard Walser zeigt mir immer wieder Raritäten in seinem Revier», sagte Roth begeistert. Er konnte verschiedene Waldbesitzer dazu bringen, am Biodiversitätsprogramm des Kantons Solothurn mitzumachen. So konnte der Kanton sechs Flächen mit Altholzinseln (total 15 Hektaren) und zwei Flächen mit alten Eichen (total 4 Hektaren) für die nächsten 50 Jahre pachten, so Roth. Während Walser im Kanton Solothurn wertvolle Altbestände erhalten darf, so kann er im Kanton Baselland so richtig zur Motorsäge greifen. Hier darf er für den Naturschutz lichte Wälder anlegen, welche auch regelmässige Pflege brauchen. «Es ist genau diese Vielfalt in meinem Revier, welche mir so grosse Freude macht», erklärte Walser. Er kann deshalb auch keinen Lieblingsort nennen. «Einmal habe ich Lust auf den dunklen Tannenwald, dann wieder auf eine warme Lichtung oder auf unsere Nassgebiete», so Walser.
Vom Wald ins Spital
Anwesend an der Preisverleihung war auch Walsers Familie. Sein Bruder Paul erzählte von der Kindheit in Brislach, die sie als selbst ernannte «Vogelbande» zum grossen Teil im Wald verbrachten. Ausser wenn Gerhard Walser wieder einmal mit einem Loch im Kopf oder einem Knochenbruch im Spital lag.
Auch Gerhard Walser erzählte von seiner Kindheit, von seiner Verbundenheit mit der Natur. Eine Verbundenheit, die wild-romantisch war, voller Forscherdrang, aber auch pragmatisch. So zum Beispiel als er versuchte, aus Mäusefellen einen Mantel zu machen.


