Ungleichgesinnten mit Respekt begegnen
Gemeindepräsident Ermando Imondi steht zu Traditionen. Gefeiert wird in Zwingen immer am 31. Juli. Dazu gehört eine 1.-August-Rede. SP-Nationalrätin Samira Marti übernahm diesmal diesen Part. Und die Zwingnerinnen und Zwingner sangen standesgemäss und mit Verve die Landeshymne.

«Dass nicht immer alle die gleiche politische Meinung haben, gehört in unserem Land dazu. Und das ist auch gut so.» Mit diesen Worten eröffnete Ermando Imondi die diesjährige Bundesfeier im Schlossareal Zwingen. Der seit einem Jahr (wieder) amtierende Gemeindepräsident — wie alle wissen, der SVP zugehörig — freute sich in diesem Sinne besonders, die Baselbieter SP-Nationalrätin Samira Marti als Gastrednerin anzukündigen.
Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub
«Und ich freute mich über die Einladung aus dem Laufental, welches ich vor allem als Ausflüglerin mit meiner Familie schätzen und lieben gelernt habe», startete Marti ihre Ansprache zur Bundesfeier mit einem «Werbespot». Schwerpunkte waren in der Folge aktuelle Themen, die alle angehen, egal aus welcher politischen Perspektive man diese betrachtet. Unter anderem das Klima. «Als ich vor 15 Monaten Mutter einer Tochter wurde, begann ich mich mit gesteigerter Deutlichkeit zu fragen, in welcher Welt, in welcher Schweiz sollen junge Menschen aufwachsen?», sagte sie und platzierte hier noch den Hinweis, dass aus ihrer Sicht ein Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen bei weitem nicht ausreiche.
«Ich finde gut, dass wir für neue Entscheide etwas länger brauchen»
Ein wichtiges Anliegen war der in Ziefen aufgewachsenen und in Binningen wohnhaften Politikerin der respektvolle Umgang zwischen Menschen, «auch über Partei- und Meinungsgrenzen hinaus», wie die 32-Jährige betonte. Samira Marti widerlegte die von selbst ernannten Experten und Politologen im In- und Ausland oft gehörte Behauptung, die Schweiz sei reformunfähig. «Ich schätze unsere Demokratie aufs Höchste, widerlege diese Behauptung vehement und finde gut, dass wir für neue Entscheide etwas länger brauchen», so Marti. Dafür seien diese in der Regel nachhaltiger, was von Beschlüssen in anderen Ländern offensichtlich vor allem in letzter Zeit nicht immer gelte.
Und die 1.-August-Rednerin freute sich gegen Ende ihres Referates, mit einer konkreten Zahl der Schweizer Bevölkerung ein Kränzchen zu winden: «80 Prozent der Entscheidungsträgerinnen und -träger gehen zumindest einmal in vier Jahren für eine eidgenössische Abstimmung an die Urne.» Das sei zwar unbedingt ausbaufähig, aber zumindest respektabel, fand Samira Marti. «Dazu gilt es, Sorge zu tragen», sagte sie.
Mit einem Geschenkkorb entliess Gemeindepräsident Imondi die Gastrednerin, bedankte sich beim FC Zwingen für die bestens organisierte Festwirtschaft und bei der Brass Band Konkordia Zwingen für den gefälligen Auftritt unter der Direktion von Thomas Scherrer. Der Aufforderung, die Landeshymne «Trittst im Morgenrot daher» mit Begleitung der Brass Band stehend zu zelebrieren, folgten die Zwingnerinnen und Zwingner mit Begeisterung. Mit Spass, Barbetrieb und Tanzmusik klang die diesjährige Bundesfeier in Zwingen aus.


