Trübsinn, fahr zur Hölle!

Musik, Cabaret und feministische Aussagen: Les Reines Prochaines stellten auf der Bühne ihre neuesten Experimente vor.

Statt eines Zepters: Knochenmusik. Foto: Gini Minonzio
Statt eines Zepters: Knochenmusik. Foto: Gini Minonzio

Etwas ratlos liess sie einen schon zurück, die Frauenband Les Reines Prochaines. Bei ihrem Auftritt im Laufner Alts Schlachthuus fragte sich am Samstag mancher, ob das nun Dadaismus oder Dilettantismus sei. Da überreichten sich die Künstlerinnen zum Beispiel einen grossen Gummiknochen und zählten dazu zusammenhangslose Begriffe auf. Anschliessend gingen die vier Baslerinnen durch den voll besetzten Saal und schlugen zu Glockenschlägen die verdutzten Zuhörer mit den Knochen zu Rittern. Etwa zu Rittern des heiligen Gummiknochenordens? In solchen Momenten fing das Hirn an, nach einem Sinn zu suchen. Fand ihn aber nicht. Vielleicht war das der Sinn, dass es keinen Sinn gab?

Nicht zu viel denken

Am besten genoss man wohl den Abend, wenn man sich nicht zu viele Gedanken machte und sich einfach dem Moment hingab. «Trübsinn, fahr zur Hölle!», lautete denn auch eine Liedzeile, die der Knochennummer vorausgegangen war. «Il faut pas trop penser, il faut danser!», sang auch Michèle Fuchs in einem französischen Chanson. Man solle also nicht zu viel denken, man solle besser tanzen.

Ganz starke Momente an diesem Abend gab es, wenn Michèle Fuchs, Muda Mathis und Sus Zwick mit ihren Blasinstrumenten einen Orkan aufbauten und sich Fränzi Madörin gegen den Wind in ihre Gitarre lehnte. Diese Kraft schlug direkt ins Herz und verbreitete sich von dort aus durch den ganzen Körper.

Und geradezu überwältigend sind die vier Frauen an und für sich. Sie füllen mit ihren Leibern und ihrem Wesen den ganzen Raum aus. Niemand zieht den Bauch ein. Vier Frauen, die ihren Bauch nicht einziehen und ihren Busen nicht hochdrücken. Gibt es eine radikalere Aussage?

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