Trommelkunst aus Leidenscchaft

Seit Jahrzehnten beobachtet und kartiert Förster Josef Borer die heimischen Spechte. Seine Ausführungen und Bilder faszinierten die Gäste anlässlich eines Vortrags in Blauen.

Auf Nahrungssuche: Mittelspecht.  Fotos: zvg Theo Walser
Auf Nahrungssuche: Mittelspecht. Fotos: zvg Theo Walser

Er ist keine Leisetreter, klopft und hämmert, was das Zeug hält und quäkt in den Baumkronen herum. «Er trommelt bis zu 12 000 Mal im Tag und kriegt kein Kopfweh», frotzelt Spechtfreund Josef Borer. Jetzt beginnt ohnehin die Balzzeit, die Rivalen werden mit grossem Geschrei vertrieben und den Weibchen wird der Hof gemacht. Hat der Specht seine Auserwählte gefunden, bezieht er seine Wohnung in einer geräumigen Höhle eines alten Baumstamms und betreut mit seiner Herzdame ein halbes Dutzend Kinderlein. Nur etwa zehn Tage beträgt die Brutzeit, dafür füttert er sie noch ein bis zwei Monate in ihrem jungen Leben. Pro Tag sucht er Tausende von Ameisen und Insekten, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen.

«Der Schönste unter den Spechten ist der Grünspecht», findet Borer. Er hat eine Flügelspanne von einem halben Meter, auf der Oberseite herrliche Grüntöne und ein rotes Häubchen mit schwarzer Gesichtsmaske. «Für seine Brut benötigt er 1,5 Mio. Ameisen», erzählt Borer. Um sie zu fangen, streckt er die Zunge um das Vierfache des Schnabels heraus und zieht sie erst zurück, wenn an den Widerhäkchen einige Ameisen kleben. Die Zunge kann er auch zwischen die Baumrinden stecken und so die Insektenlarven herausfischen.
Die grosse Liebe des Försters gilt aber dem Mittelspecht. Er trägt ein rotes Häubchen, sein Gefieder ist schwarz-weiss gefleckt und auf der Unterseite finden sich zarte Rottöne. Er liebt lichte Eichenwälder, ist auf Totholz angewiesen und stochert mit seinem feinen Schnäbelchen im weichen Holz herum. Ein heimlicher Geselle, der wenig trommelt, aber viel krächzt. Borer hat nachgewiesen, dass er in unserer Region weit häufiger vorkommt, als angenommen. Schweizweit schätzt man etwa 1000 Brutpaare, weshalb er potenziell gefährdet ist.

In alpinen Lagen bis 2000 m ü. M. lebt der scheue Dreizehenspecht mit schwarz-weissem Gefieder ohne Rottöne. Stark an die Fichte gebunden, ernährt sich der ausgesprochene Hack- und Kletterspecht hauptsächlich vom Borkenkäfer und kann ganze Populationen ausrotten. «Tragen Sie zu unseren wertvollen Spechten Sorge und akzeptieren Sie das für sie notwendige Totholz im Wald», schliesst Josef Borer seinen Vortrag, der vom Natur- und Vogelschutzverein Blauen-Dittingen-Nenzlingen organisiert wurde.

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