Tanz um die Handorgelbank

Das Ensemble «Cie ChamploO» aus Biel trat im Alts Schlacht- huus mit einem Gastspiel auf. Eine Aufführung mit Tanz, Witz und Charme aus der Romandie. Das Kulturforum Laufen möchte die Zusammenarbeit mit dem Jura ausbauen.

In der Arena des Kulturzentrum Alts Schlachthuus: Tänzerin, Tänzer und Musiker. Foto: Martin Staub

Es klopft an der Türe — mehrmals —, während Michael Fürstenberger ankündigt, dass kulturelle Austausche zwischen dem Théatre du Jura in Delémont und dem Kulturforum Laufen fortan ­vermehrt gepflegt werden sollen. Den Anfang machte das dreiköpfige Ensemble «Cie ChamploO» aus Biel mit dem ausserordentlich unterhaltsamen Tanzstück «Je viens de partir».

Wenn nach dem penetranten Klopfen schon niemand öffnet, übernimmt das Dion Sumi selbst und führt Tänzerin Branca Scheidegger und Tänzer Rafael Smadja auf dem Transportkarren in die Arena. Die Aufführung mit einem Tänzer, einer Tänzerin und einem Musiker findet nicht auf der Bühne, sondern im Parterre der Zuschauenden statt. Hautnah zu den rund 50 Zuschauenden – manchmal sogar mit gewolltem Körperkontakt. Der Beatboxkünstler, der fortan seiner Stimme Erstaunliches abverlangt, muss seine mittransportierte «Loopstation» im Koffer installieren und wirft seine beiden Tänzer etwas unsanft ab. Eine turbulente Show beginnt, die nicht nur von Bewegung, sondern auch von Gestik, Mimik und Schauspielkunst lebt. Die Körpersprache spielt dabei die Hauptrolle. Die abstrusen Worte, mit denen der Beatbox-Akrobat Hip-Hop-­Sequenzen ergänzt, braucht keiner zu verstehen, klingen aber lautmalerisch lustig, spannend und überzeugend. Schliesslich kommt noch ein wesentlicher Teil zur turbulenten Choreografie dazu: Die Bank, mit der die beiden ­Akteure zu spielen beginnen. Damit gibt es einiges mehr zu bewerkstelligen, als nur draufzusitzen, wie die Zuschauerinnen und Zuschauer bald feststellen. Die Bank ist nämlich dehnbar, drehbar und auf alle Seiten veränderbar — erinnernd an eine Handorgel. Aus Karton, «und ­erhältlich übers Internet aus Fernost», wie die drei Akteure am Schluss der einstündigen Vorstellung informieren.

Zuerst aber wird getanzt, und wie: mal ruhig, fast statisch, dann wieder fulminant, bewegt, sogar akrobatisch. Tänzerin Branca und Tänzer Rafael respektieren auch die Grenzen der am Boden markierten Arena kaum. Zuschauerinnen und Zuschauer werden einbezogen. Nicht mal die Türe zum Hof bleibt verschont. Und das alles auf akustisches Kommando von Musiker Dion, der sich ab und an aber durchaus auch den Tanzenden in den Weg stellt.

Der Spuk ist bereits nach einer Stunde vorbei. Aber mit so einer Intensität, mit so einem körperlichen Einsatz von allen Dreien, dass das Publikum stehend applaudiert und nur begeistert ist. «Cie ChamploO» zeigte mit ihrer selbst choreografierten Inszenierung «Je viens de partir» (Ich bin abgereist) einen bunten Strauss von Begegnungen aus dem ganz normalen Alltag. Ohne Worte, aber mit totalem clownesken, tänzerischen und «beatboxerischen» Körpereinsatz.

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