Tangofieber wirkt hochansteckend

Die deutsche Geigerin und Komponistin Katharina Deissler lebt seit 14 Jahren in Buenos Aires. Sie hat den argentinischen Tango kennen und lieben gelernt. Am vergangenen Samstag wurden sechs Streicherinnen und ein Violinist im Alts Schlacht­huus vom Virus infiziert.

Effekthascherei: Katharina Deissler (2.v.l.) zeigt einer Teilnehmerin, wie sie ihren Kontrabass auf Tangomodus trimmt. Foto: Martin Staub

Vor dem Stuhl steht ein Pult mit Noten. Für eine passionierte Geigerin alles ganz normal also? Mitnichten. Die Kursleiterin nimmt ihre Violine zur Hand und führt an einigen Beispielen den Unterschied zwischen klassischer Literatur und dem argentinischen Tango vor. Frappant. Erst die besonderen Effekte, die aus den Instrumenten nicht nur mit Streichen und Zupfen, sondern auch mit Kratzen, Klopfen, Schlagen und vielen weiteren Bewegungen mehr herausgeholt werden, ­machen diesen südamerikanischen ­Musikstil zu dem, was er verkörpern soll: Temperament, Kraft und Ausdruck einerseits, Dramatik, Herzschmerz und Hingabe andererseits. Und natürlich Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus...

Die zu diesem eintägigen Workshop angemeldeten Streicherinnen gaben sich offensichtlich mit Begeisterung in das Abenteuer «Tango». Obschon einige Hürden zu meistern waren, bevor das vorgelegte Stück nicht nur akustisch tönte, sondern auch rhythmisch «fetzte». Die professionelle Kursleiterin nutzte mit ihrem beschwingten Charme jede Minute des sechsstündigen Kurses, zerlegte das Notenchaos in kurze, sinnvolle Sequenzen, welche die optimal besetzte Gruppe nach Bedarf einüben konnte. Abends um 17 Uhr war der argentinische Tango für Kontrabass, Cello, Bratsche und vier Geigen praktisch «im Kasten», und nicht nur die Spielerinnen und der männliche Teilnehmer waren stolz auf das Erreichte, sondern auch Kursleiterin Katharina Deissler, die sich bereits am Sonntag wieder auf den Rückflug nach Argentinien machte.

Dass die hochqualifizierte Kursleiterin nach Laufen fand, hat einen einfachen Grund: «Ich erlebte die Künstlerin bereits an einem Kurs in Freiburg und es zog mir den Ärmel rein», sagte Evelyne Graf Kotàn, die auch als Schulrätin der Musikschule Laufental-Thierstein agiert. Zusammen mit Schulleiter Lucas Rössner konnte sie nach 2023 die gebürtige Freiburgerin nun wieder für einen Kurs hier im Alts Schlachthuus gewinnen.

Und, wenn alles nach Plan läuft, dürfte das Abenteuer «Tango» noch weitergehen. «Wir wollen versuchen, ab diesem Sommer hier ein Tango-Orchester auf die Beine zu stellen, mit dem wir regelmässig proben und schliesslich zum Jahresende ein Konzert geben können», freut sich Katharina Deissler schon jetzt. «Ich werde im zweiten Halbjahr vermehrt in Spanien und in meiner Heimat weilen, was die Anfahrt etwas kürzer macht.»

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