Surreales zum Ende einer Galerie

Zwei Frauen präsentieren Objekte, Installationenund Bilder in der GalerieChelsea. Dies ist die letzte von über 130 Präsenta-tionen zeitgenössischer Kunst in 20 Jahren.

Gemeinsamkeiten nicht offensichtlich: Barbara Wiggli (l.) und im Vordergrund ihr Objekt «Passage» sowie Katharina Berthold vor ihrer Wandzeichnung «Eagles of death metal». Foto: Martin Staub
Gemeinsamkeiten nicht offensichtlich: Barbara Wiggli (l.) und im Vordergrund ihr Objekt «Passage» sowie Katharina Berthold vor ihrer Wandzeichnung «Eagles of death metal». Foto: Martin Staub

Unterschiedliches zeigen die beiden Künstlerinnen in der Galerie Chelsea: abstrakt die Objekte von Barbara Wiggli, gegenständlich die Bilder von Katharina Berthold. Was aber heisst schon abstrakt? Was gegenständlich?

Beim genaueren Hinschauen – und hilfreich waren die Erklärungen der Kunsthistorikerin Françoise Theis, welche am Sonntag die Einführung anlässlich der Vernissage bestritt – könnten die beiden Begriffe genauso gut ausgetauscht werden.

Die gegenständlichen Zeichnungen und auch die Objekte von Katharina Berthold wirken abstrakter, je länger man auf ihnen verharrt. Umgekehrt klären sich die Formen von Barbara Wiggli allmählich auf. So wird beispielsweise die Skulptur «Er innern» von Letzterer bald zum Baufix-Kinderbaukasten, obschon das Ganze aus einem einzigen Akazienholzstück herausgearbeitet ist und wie mit Schrauben zusammengefügt aussieht. Katharina Bertholds Formen in den digital verarbeiteten Bildern wirken abstrakt, bis sie in einen Kontext gebracht werden, der aber für jeden Betrachter individuell sein kann. Ein Bezug zu den Surrealisten drängt sich auf. «Das Spiel einer Ordnung mit sich selbst», so der Titel der Ausstellung, könnte passender nicht sein. Die Ordnung spielt mit sich selbst, wird zur Un-, An- oder Überordnung. Mittel dazu sind Worte, Diagramme, Alltägliches, Symbole und Materialien. Barbara Wiggli und Katharina Berthold sind Künstlerinnen, die beide erst dort mit ihrer Kunst ansetzen, wo die eigentliche Funktion eines alltäglichen Gegenstandes oder eines Gebildes aufhört. Wer sich darauf einlässt, gelangt in neue geistige Dimensionen.

Nach der Finissage am 13. Dezember schliesst die Galerie Chelsea endgültig. «Nach 130 Ausstellungen in 20 Jahren verliert Laufen damit einen wichtigen Ort zeitgenössischer Kunst», würdigte Françoise Theis das langjährige Engagement von Galeristin Jeannette Schmid.

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