Strom vom Deponiehügel: Die erste grosse Solaranlage in der Baselbieter Natur

Die IWB nahm in Liesberg auf der ehemaligen Deponie «Hinterm Chestel» bei der Kelsag eine Photovoltaikanlage für rund 1000 Haushalte in Betrieb.

Eine imposante Anlage: Drohnenaufnahme der PV-Anlage «Hinterm Chestel» auf der ehemaligen Kehrichtdeponie der Kelsag in Liesberg. Foto: Christian Aeberhard

Eine imposante Anlage: Drohnenaufnahme der PV-Anlage «Hinterm Chestel» auf der ehemaligen Kehrichtdeponie der Kelsag in Liesberg. Foto: Christian Aeberhard

Wertvoller Lebensraum: Unter den Anlagen wurden Weiher angelegt, die der Tierwelt Lebensräume bieten. Foto: Tobias Gfeller

Wertvoller Lebensraum: Unter den Anlagen wurden Weiher angelegt, die der Tierwelt Lebensräume bieten. Foto: Tobias Gfeller

Liesberg

Einst eine Tongrube, dann eine Kehrichtdeponie und jetzt ein Ort der erneuerbaren Stromproduktion. Wo während Jahrzehnten Abfall abgeladen wurde, realisierten die Industriellen Werke Basel (IWB) innerhalb von nur einem halben Jahr eine der grössten Photovoltaikanlagen in der Region Nordwestschweiz. 7608 Strommodule mit einer Gesamtfläche von über 15000 Quadratmetern sollen jährlich knapp vier Gigawattstunden Strom produzieren. Das entspreche einem Verbrauch von tausend durchschnittlichen Haushalten, erklärten die Verantwortlichen letzte Woche anlässlich der feierlichen Inbetriebnahme der Anlage.

Die Parzelle der Deponie gehört der Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland AG (Kelsag). Diese hat die ehemalige Deponie der IWB im Baurecht abgegeben. Die Betriebsbewilligung durch den Kanton Baselland gilt vorerst für 30 Jahre. Verläuft die Evaluation nach dieser Zeit positiv, kann die Bewilligung um weitere 20 Jahre verlängert werden.

Eine Lastdrohne kam zum Einsatz

Die Strommodule am Hügel sind so ausgerichtet, dass die Anlage sowohl vormittags, nachmittags als auch abends Solarstrom produzieren kann. Die grösste Herausforderung bestand in der Topografie und dem Untergrund des Deponiehügels, sagte Christian Carpaij, Geschäftsführer der IWB-Tochterfirma Planeco, die im Auftrag der IWB die Anlage realisiert hat. «Das Material wurde mit Lastwagen so nah wie möglich an den vorgesehenen Standort gefahren. Die restlichen Meter musste das Material getragen oder mit der Lastdrohne geflogen werden.» Insgesamt wurden 325 Tonnen Material verbaut, so Carpaij. Die Solarmodule schmiegen sich dem unregelmässigen Boden entlang. Da der Untergrund der ehemaligen Deponie nicht überall gleich ist, mussten unterschiedliche Formen und Materialien verwendet werden, um die Module zu befestigen. Zu Beginn der konkreten Planungen leisteten Umweltverbände Widerstand gegen das Grossprojekt. Nach der Schliessung der Deponie holte sich die Natur den Raum zurück. In unmittelbarer Umgebung befinden sich mehrere geschützte Naturflächen. IWB, Kelsag und die Umweltverbände gingen zur Realisierung des Projekts aufeinander zu und fanden Kompromisse zugunsten der Natur.

Bereits vor der Realisierung der Photovoltaikanlage legte die Kelsag mehrere Weiher auf dem Deponiekörper an. Mit sechs zusätzlichen Weihern zuoberst auf dem Hügel im Schatten der bewusst hochgestellten Solarmodule, Steinhaufen in unterschiedlichen Grössen und Formen, einem Korridor ohne Solarmodule und einer gezielten Bepflanzung wurde der Biodiversität Rechnung getragen. Die Einzelmassnahmen sollen als Trittsteine ein Gesamtnetzwerk bilden und mit den umliegenden Naturflächen interagieren. Die ersten Amphibien haben die neuen Weiher bereits in Beschlag genommen.

Naturschutzmassnahmen als Vorbild?

Da nachts regelmässig Gämsen auf dem Deponiehügel grasen, wurden die Kabel der Anlage verstärkt geschützt, damit keine Tiere gefährdet werden, sollten diese die Kabel anknabbern wollen. Die Aufwertungsmassnahmen für die Natur werden eng beobachtet, betonte Dietmar Küther, Nachhaltigkeitsmanager der IWB, auf einem Rundgang. Bei einem positiven Monitoring könnten die realisierten Massnahmen zum Vorbild für andere Photovoltaikprojekte dienen, meinte Küther. Für die Kelsag sei immer schon klar gewesen, dass sie den belasteten Untergrund der Deponie nicht einfach sich selbst überlassen wolle, bekräftigte Geschäftsführer Edmund Frey Kuron in seiner Ansprache. «Heute weihen wir nicht nur eine Photovoltaikanlage ein, wir setzen ein Zeichen für den Nutzen einer Deponie.» Damit möchte die Kelsag gemäss Edmund Frey Kuron auch ein Signal an andere Deponieverantwortliche senden. IWB-CEO Claus Schmidt sprach gar von einem «Symbol des Wandels». Der Standort für die Photovoltaikanlage sei ideal. Von einer Stromproduktion dort, wo der Strom gebraucht wird, könne es nicht zu viel geben. «Wir brauchen solche Anlagen, um energietechnisch unabhängiger zu werden», sagte der Baselbieter Kantonsplaner Thomas Walter in seinem Grusswort der Regierung. «Wir sind in einer Phase, in der wir den Mut haben müssen, solche Projekte auszuprobieren.»

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