Streit ums Studerhaus: Eine Bewährungsprobe für Brislach

Mit seinem Vorschlag, das Studerhaus abzureissen, stiess der Brislacher Gemeinderat an der Gemeindeversammlung auf geballten Widerstand und musste einiges über sich ergehen lassen.

Sorgt in Brislach für hitzige Diskussionen: das Studerhaus im Dorfkern.  Foto: Melanie Brêchet
Sorgt in Brislach für hitzige Diskussionen: das Studerhaus im Dorfkern. Foto: Melanie Brêchet

Brislach

Ist der Gemeinderat von Brislach auf dem Holzweg? An der Gemeindeversammlung von letzter Woche musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, den Volkswillen zu missachten. Die grosse Mehrheit der 140 erschienenen Stimmberechtigten schickte den gemeinderätlichen Vorschlag zum Studerhaus bachab und versuchte mit allen Mitteln, einen Gegenvorschlag zur Abstimmung zu bringen. Dies vereitelte der Gemeinderat mit Verweis aufs Gesetz. In der Mehrzweckhalle wurde es emotional. Der Gemeinderat politisiere am Volk vorbei, er wolle seinen Willen durchsetzen, er verweigere die Diskussion, lauteten die Vorwürfe aus dem Plenum.

Bereits seit Jahren scheiden sich am Studerhaus die Geister. Es gehört zu den charakteristischen Bauernhäusern, die das traditionelle Ortsbild von Brislach prägten, und ist im Besitz der Gemeinde. Mit der IG Dorfplatz-Studerhaus bekam es Fürsprecher, die auf der Suche nach einer neuen Nutzung der alten Gemäuer sind. Der Gemeinderat stellte sich auf den Standpunkt, das Studerhaus solle jetzt abgerissen und das Areal als Parkplatz und Begegnungszone zwischengenutzt werden. Damit lasse man der künftigen Generation alle Optionen offen. Derzeit habe die Gemeinde keinen Bedarf an zusätzlichen Räumlichkeiten. Die IG Dorfplatz-Studerhaus hielt dem entgegen, dass sich die Gemeindeversammlung bereits im Dezember 2024 für eine Nutzung des Studerhauses ausgesprochen und zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe eingesetzt habe. Diese präsentierte dem Gemeinderat verschiedene Varianten und moniert nun, der Gemeinderat habe keinen Konsens gesucht. Zu den Fragen, ob der Rückbau respektive bauliche Eingriffe in das bestehende Gebäude vom Kanton gutgeheissen werden, gab es an der Gemeindeversammlung eine Kontroverse. Gemeindepräsident Hannes Niklaus sagte, der Kanton gebe grünes Licht für den Rückbau, sofern ein Ersatzprojekt vorliege. «Mit der Umgestaltung Dorfplatz ist dies der Fall, das Projekt sieht den Abriss des Gebäudes, die Schaffung einer Begegnungszone und die Erstellung von Parkplätzen vor», erklärte er. Für die Sondervorlage beantragte der Gemeinderat einen Kredit von 400000 Franken.

Die IG Dorfplatz-Studerhaus setzte sich für den Erhalt der Bausubstanz ein. Dies werde von der kantonalen Ortsbildpflege auch empfohlen, betonte IG-Sprecher André Moritz. Seiner Meinung nach gebe es Bedarf für altersgerechte Wohnungen und einen Dorfladen. Dabei habe die Arbeitsgruppe eine finanzielle Lösung angedacht, die keine Steuererhöhung notwendig machen würde, zum Beispiel indem das Areal einem Investor im Baurecht zur Verfügung gestellt würde. Verschiedene Votanten forderten den Gemeinderat auf, diesen Vorschlag im Rahmen eines Planungskredites von 180000 Franken zur Abstimmung zu bringen. Dies wäre gesetzlich nicht zulässig, meinte Niklaus. Der Aufforderung, die Pläne ausführlich erläutern zu dürfen, kam er nach. Auf der Leinwand erschien eine Vision, wie sich das Dorfzentrum präsentieren könnte, wenn sich die Gemeinde auf die von der Arbeitsgruppe erarbeitete Variante, «Teilrückbau mit Erweiterung unter Berücksichtigung der wertvollen Bauteile», einlassen würde. Damit käme die Gemeinde ihrer Vorbildfunktion nach, hiess es aus der Versammlung mit Verweis darauf, dass der Gemeinderat in der Vergangenheit bei den privaten Bauvorhaben im Dorfkern die Ortsbildpflege jeweils hervorgehoben habe.

Der für die Bildung zuständige Gemeinderat, Pascal Jeger-Käser, appellierte an die Vernunft. Gemäss Leitbild sollte Brislach nur geringfügig wachsen, weise aber eine Bautätigkeit auf, die sogar über dem Kantonsschnitt liege. In diesem Sinn könne es doch nicht sein, dass die Gemeinde zusätzliche Wohnungen auf den Markt bringe.

Die Versammlung beendete die Diskussion mit ihrem Entscheid, die Vorlage zur Überarbeitung zurückzuweisen. Der Gemeinderat soll eine Arbeitsgruppe einsetzen. Da die Fronten verhärtet seien, wäre ein aussenstehender Mediator wünschenswert, gab eine Votantin dem Gemeinderat mit auf den Weg. Weiter gab es aus dem Plenum die Ankündigung, man werde mittels Unterschriftensammlung eine ausserordentliche Gemeindeversammlung erwirken; und ein anderer Votant forderte den Gemeinderat auf, das Areal der IG Dorfplatz-Studerhaus im Baurecht zur Verfügung zu stellen — «dann hören diese Streitigkeiten endlich auf», meinte er.

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