Spirituelle Tiefe zum Weltfrauentag

Die Rheinstimmen unter der Leitung von Reiner Schneider-Waterberg sangen am Sonntag in Kooperation mit Female-Classics in der Herz-Jesu-Kirche Laufen ausschliesslich Chorwerke von Komponistinnen.

Stimmungsvoll und mystisch: Rheinstimmen mit ukrainischem Mariengebet.
Stimmungsvoll und mystisch: Rheinstimmen mit ukrainischem Mariengebet.

Die Rheinstimmen brachten elf Perlen der A-cappella-Literatur zu Gehör, gegliedert nach der Chronologie der Geburtsdaten der Komponistinnen. Passend zum Weltfrauentag begann das eindrückliche Konzert mit Clara Schumanns kraftvollem Chorwerk «Vorwärts!», in dem es heisst: «Lass das Träumen, lass das Zagen, unermüdet wandre fort!» Jeweils nach jedem Lied spielte Francesco Saverio Pedrini auf der Orgel eine Improvisation, die das Vorhergehende aufgriff. Das spätromantische «Ave verum» von Mel Bonis mit seinen warmen Harmonien und seiner französisch geprägten Klangsprache wirkte meditativ. Die makellosen Stimmen, die klare Aussprache und die gut austarierten, homogen wirkenden Stimmregister machten dieses innig geistliche Werk zu einem Hörgenuss. Es folgte «A Hymn to Christ» von Imogen Holst, schlichter mehrstimmiger Gesang mit archaischem Charakter und kontemplativer Atmosphäre. Die Rheinstimmen verschoben sich in den Chor, um das ausdrucksstarke, emotional intensive, mystische Gebet «Prayer to the Holy Mother of God» der zu früh verstorbenen Ukrainerin Hanna Havrylets zu intonieren. Joanne Metcalf verarbeitete in ihrem «Among Dark Whirlwinds» Motive aus der «Ossian»-Dichtung, wobei sie eine zeitgenössische, farbige Klangsprache mit schwebenden Harmonien nutzte. Man fühlte sich in ein expressiv-mystisches Klangbad getaucht, das einen zugleich sanft trug. Nach dem kurzen Gebet «God Be in My Head» mit seinen durchsichtigen Texturen und leichten Harmonieverschiebungen intonierte die Orgel im Flöten-Register ein Kuckucksmotiv.

Komponistin dirigierte selbst

Die aus Bulgarien stammende Stanislava Stoytcheva dirigierte ihr Stück «A Birthday» selbst. Das Lied hat spielerischen Charakter, rhythmische Lebendigkeit und ist mit seinen sich reibenden Harmonien raffiniert komponiert. Es folgte ein eher dunkles Orgelintermezzo und Caroline Shaws «And the Swallow» («Und die Schwalbe»), ein Werk mit schwebenden Klangflächen, Wiederholungen und einer beinahe zerbrechlichen Atmosphäre; Textgrundlage ist der Psalm 84. Die moderne, kraftvolle Vertonung von «Ubi caritas et amor» von Natasa Kocjančič wurde von den starken Männerstimmen gut unterfüttert. Das lyrische, spirituelle Werk «Nunc dimittis» der 30-jährigen Amy Summers drang in sanften Wellen ans Ohr des Publikums; es nimmt die friedliche Stimmung des Lobgesangs von Simeon (Lk 2,29–32) auf. Einen Höhepunkt bildete «Give Me Your Stars» der erst 28-jährigen Lucy Walker. Dieses zeitgenössische Stück mit seinen leuchtenden Harmonien beginnt mit den Worten: «Frieden strömt in mich hinein wie die Flut in den Teich am Ufer …» Das überwältigend schöne Werk führt einen innerlich auf einen Hügel, von wo man staunend und dankbar in die Tiefe des Weltalls blickt. Der Applaus war wohlverdient, zerriss aber etwas die spirituelle Stille. Man hätte dieser himmlischen «Rheinkehr» mehr Publikum gewünscht.

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