Ida-Lins Stimme im Farbenrausch

Im ausverkauften Kulturzentrum Alts Schlachthuus fand am Samstag die Taufe der neuen CD von Ida-Lin Hübscher statt. Sie und ihre Begleiter überzeugten mit Qualität, Vielfalt und famoser Performance.

Kraftvoll-authentische Performance mit Pep: Ida-Lin Hübscher. Fotos: Thomas Brunnschweiler
Kraftvoll-authentische Performance mit Pep: Ida-Lin Hübscher. Fotos: Thomas Brunnschweiler

Laufen

Mit hochgestecktem Haar und im Hosenanzug zeigte sich Ida-Lin in neuem Look. In «Lo mi lo tribä» ging es um Reisen und Postkarten. Auf Grossleinwand waren Naturbilder projiziert. Ida-Lins klare, helle Stimme verband sich mit den Klängen des Flügels, an dem der erstklassige Arrangeur Jonathan Stich auch andere Lieder begleitete. Für die Sängerin ist dieser pianistische Begleiter ein Glücksfall, ist er doch in jedem Genre beschlagen und meistert die virtuosesten Passagen. Den zweiten Song auf Englisch schrieb Ida-Lin mit 14 Jahren. Er spiegelt die Verständnislosigkeit angesichts der Weltlage wider und ist eine innere Flucht in eine bessere Welt. Das «Eisblau» des nächsten Liedes bezieht sich auf die Augenfarbe des Geliebten. Auch während dieses Liedes war die Sängerin in ein Farbenmeer getaucht, das die Wirkung der Worte noch erhöhte. Der romantische Song «Butterfly», Ida-Lins Grossmutter Irene gewidmet, liess bildhaft Schmetterlinge durch den Raum segeln. Mit plastischer Stimme gab die Sängerin «Stay By My Side» von ihrem Debütalbum «Grown» zu Gehör, in dem es um Verlässlichkeit geht.

Es fällt auf, wie wichtig Ida-Lin Hübscher Familie und Freundschaften sind. Das zeigte sich auch im Mundartlied «Domarie». Es ist der Grossmutter Marie zugedacht, die zwar nicht mehr lebt, aber als Stern am Himmel weiterlebt. «Awesome Quiet» ist ein rhythmischer Song, der von Giuseppe Caruso (Gitarre) und Cédric Fuchs (Cajon) begleitet wurde. Anrührend, aber nicht heimattümelnd wirkte das Lied «Was isch Heimat?». Fehlen durfte nicht der Hit «Gilberte de Courgenay», in dem die patriotische Kultfigur besungen wird. Im berühmten «Ne partez pas sans moi» — dem ESC-Siegessong von 1988 — überzeugte Ida-Lin mit dem dunklen Timbre in der tiefen Lage, die sie vielleicht noch mehr einsetzen könnte.

In vielen Sprachen

Wieder mit offenem Haar und im purpurnen Schuppenrock ging es ins zweite Set. Nach einem Song über eine toxische Liebesbeziehung folgte mit Playback-Begleitung «Grown», der Titelsong des ersten Albums. «Tower Hill Station», inspiriert von einem London-Aufenthalt, entpuppte sich als poppiger Song mit 70er-Jahr-Flair. Ein sehr leichtes und atmosphärisches französisches Lied ist «Cerfs-volants», in dem es um das Steigenlassen von Drachen und Erinnerungen an Saigon geht. In «Wo bisch du?» erinnert sich Ida-Lin an eine Verwandte, die bei einem Autounfall ums Leben kam; ein sehr ergreifendes Lied, bei dem die Sängerin selbst am Klavier sass, und René Lutz Posaune spielte.

Das Lied «Näbelmeer» kündet von Einsamkeit und neuer Hoffnung; «Du schaffsches übers Näbelmeer, chasch d Sunnä wieder gseh», heisst es da. Der italienische Feel-Good-Song «Vacanza in Italia», bei dem Jonathan Stich von Stefan Wyss am Saxofon unterstützt wurde, kam locker und heiter daher.

Bei der Interpretation von Nemos «The Code» überzeugten sowohl der Rap als auch die hohen Operntöne.

Nochmals familiär wurde es beim berührenden Titelsong «I kenn di nid», in dem Ida-Lin ihren längst verstorbenen Grossvater besingt. Patrick und Stefan Wyss sowie René Lutz waren als Bläser dabei. Für die kaleidoskopische Performance des Abends gab es Standing Ovations.

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