Zwischen Sturmholz und Meinungsverschiedenheiten
Peter Stampfli, Revier-förster der Forstbetriebsgemeinschaft Chall, blickt zurück — und nach vorn.

Region
Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der Wald sein Arbeitsplatz — und ein Stück Heimat. Seine Laufbahn startete Peter Stampfli 1993 im Fricktal, bevor er den Weg ins Laufental fand und beim Aufbau des Reviers von Burg-Dittingen-Röschenz eine prägende Rolle spielte. Am 1. Oktober 1998 wurde der Forstbetrieb Chall gegründet, den Stampfli als Betriebsleiter von Grund auf mitentwickelte. Der Kanton diktierte die Rahmenbedingungen und erachtete das Waldgebiet von 1200 Hektaren als sinnvoll. «Gesetzlich erlaubt war eine jährliche Nutzung von 7500 Kubikmeter Holz. Dies entspricht der Menge, die im Wald nachwächst», erklärt Stampfli im Gespräch mit dieser Zeitung.
Orkan Lothar sorgte für Überangebot
«Mein Einstieg wurde auf eine harte Probe gestellt. Am 26. Dezember 1999 machte Orkan Lothar meine ganze Planung zunichte. Ich stand vor der Herausforderung, 15000 Kubikmeter Holz zu verkaufen in einem Marktumfeld, in dem ein massives Überangebot herrschte. Mit teils kreativen Ideen zur Konservierung, zum Beispiel Holz in Folien einzupacken, versuchten wir dem Preiszerfall zu entgleiten», erinnert sich Stampfli. Weiter entwickelte er seine persönliche Strategie, mit den Strukturen zurechtzukommen. Das Führungsgremium vom Revier Chall setzt sich aus Vertretern der Waldeigentümerschaft zusammen. «Die Leute kamen und gingen.» Bei Meinungsverschiedenheiten galt es, nicht zwischen die Fronten zu geraten und neutral zu bleiben.
Dauerwald statt Kahlschlag
Einigkeit herrschte über den Grundsatz der Methodik. Die Forstbetriebsgemeinschaft hat keine Forstwarte angestellt, sondern vergibt die Arbeiten an Unternehmungen. «Dabei setzten wir auf Dauerwald anstatt auf Kahlschlag, das heisst, die Bäume wurden einzeln entnommen und die Jungwuchspflege spezifisch und nicht grossflächig betrieben», erklärt Stampfli. Im Wald brauche es Geduld. «Was vor 25 Jahren begann, zeigt jetzt seine Erfolge. Die Vielfalt der Baumarten war von Anfang an zentral, sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Diversität mindert Risiken und öffnet Marktchancen.» Finanzielle Anreize seien beim Naturschutz wichtig, massgebend sei aber der Wille. «Die Waldbesitzer von Dittingen machten sich schon immer für den Naturschutz stark», resümiert Stampfli.
Ganz ohne Eingriffe wie Rückegassen oder punktuelle Kahlschläge gehe es natürlich nicht. Immer wieder ein Thema war der Schutzwald. «Er soll die Strasse und die Bahnlinie vor Steinschlag schützen und wird finanziell unterstützt vom Werkseigentümer.»
Diskussion über die Finanzierung des Waldes
Nach Ansicht von Stampfli muss die Diskussion über die Finanzierung des Waldes weitergehen. Leistungen für die Allgemeinheit — vom Erholungsraum bis zur Wasserqualität — würden oft nicht direkt abgegolten. «Jeder nutzt den Wald, aber die Kosten tragen die Besitzer», gibt Stampfli zu bedenken. Die Politik sei gefordert. Das Dittinger Pionier-Projekt, dass Forst und Schule zusammen 100 neue Bäume pflanzten, könnte man institutionalisieren, ebenso die Idee von Röschenz, Schullektionen regelmässig im Wald abzuhalten. «Im Moment hängen solche Initiativen vom Engagement einzelner Personen ab», gibt Stampfli zu bedenken. Aufklärungsbedarf sei vorhanden, gerade auch beim Erkennen von Gefahr. «Kinder sollen nicht auf aufgeschichteten Holzstämmen spielen. Immer wieder kommt es vor, dass Waldbesucher an ungeeigneten Stellen Feuer entzünden und Gebiete betreten, die für den Naturschutz bestimmt sind». Weiter beobachtet Stampfli, dass im Wald die Nutzungskonflikte zunehmen. «Spaziergänger (mit Hund), Biker, Reiter — sie alle suchen Erholung im Wald, werden Teil einer unschönen Begegnung und verschaffen ihrem Ärger Luft. «Hier schlichtend einzuwirken, gehört nicht unbedingt zu den Aufgaben des Revierförsters», meint Stampfli. Und dafür die Stelle eines Rangers zu schaffen, hält er in seinem Revier «nicht für notwendig». Im Grossen und Ganzen funktioniere das Miteinander, resümiert Stampfli.
Es fehlt an Förstern
Die Frage, wie es mit dem Wald von Burg, Dittingen und Röschenz sowie den personellen Zuständigkeiten weitergehen soll, stehe im Raum. «Ich werde im nächsten Jahr pensioniert. Stellen neu zu besetzen, erweist sich im Forst als schwierig. Zwar gibt es viele Lehrabschlüsse, doch die Statistik zeigt, dass ein Grossteil der Fachkräfte dem Beruf den Rücken kehrt. Ein Förster kann nicht einfach einen Ordner übergeben. Das ortsspezifische Wissen, die Erkenntnisse aus jahrelanger Erfahrung sind im Kopf. Bei einem Personalwechsel braucht es für eine Übergabe eine gemeinsame Zeit», gibt Stampfli zu bedenken.
Reviere des Laufentals stecken mitten im Wandel
Die Reviere des Laufentals stecken mitten im Wandel. Im Revier Chall hatte die Burgerkorporation Röschenz angekündigt, sich neu zu orientieren. «Das kommt einer Änderung des Reviervertrages gleich und erfordert die Zustimmung der Mitglieder, also der Gemeinde Burg und der Burgerkorporation Dittingen», erklärt Ueli Jermann, Präsident der Revierkommission Chall. Seit kurzem führen die Waldbesitzer rund um das Forstrevier Chall Verhandlungen über die Verschiebung der Revier-Grenzen und über mögliche neue Rechtsformen. «Die Wissenschaft zeigt uns, dass in der Schweiz Reviere mit einer Fläche von rund 2000 Hektar, als Zweckverband geführt, am erfolgreichsten sind», hält Jermann fest. Eines sei klar: «Im Wald werden Entscheidungen von heute erst in Jahrzehnten sichtbar. Es braucht Menschen, die für den Wald brennen», meint Stampfli. Gesucht sind Herzblut, Fachwissen und Weitblick.
«Im Wald werden Entscheidungen von heute erst in Jahrzehnten sichtbar. Es braucht Menschen, die für den Wald brennen.»


