Sie schenkten dem Laufental das Wir-Gefühl
In 30 Jahrbüchern präsentierte das Herausgeber-Quartett alle nur erdenklichen Facetten der 13 Laufentaler Gemeinden. Jetzt hören Christina Borer-Hueber, Bernhard Bucher, Pierre Gürtler und Gery Vitt auf: «Wenn es am Schönsten ist.»

Wir sitzen an einem historischen Tisch», sorgt Bernhard Bucher zwei Tage nach dem angekündigten Ende des Laufentaler Jahrbuchs bei seinen drei langjährigen Mitstreitern und profunden Kennern des Laufentals für aufkommendes Staunen. «An diesem runden Tisch der damaligen Bezirkskommission drehten sich nach dem ersten Juraplebiszit von 1974 viele Diskussionen um die Zukunft des Laufentals», spannt Bucher den Bogen zu den Intentionen des 1986 gestarteten ersten Laufentaler Jahrbuchs. Nämlich aus einzelnen unterschiedlichen Puzzleteilen ein ganzheitliches Bild des Laufentals oder ein Wir-Gefühl entstehen zu lassen. Anlässlich der Vernissage des 25. Jahrbuchs konnte der Basler Professor und Humangeograph Werner Gallusser diese Bemühungen um ein gestärktes, selbstbewusstes Laufental nicht genug würdigen: «Das Jahrbuch-Team hat um Gottes Lohn dazu beigetragen, im Laufental den Wert der regionalen Identität erkennen zu lernen.» Tatsächlich enthalten die seit 1985 erschienenen 30 Jahrbücher eine unglaubliche Fülle an Informationen, die das am Anfang gesteckte Ziel, dem Laufentaler die Heimat näherzubringen, weit übertreffen. Beim Rückblick auf die Themen verklären sich die Gesichter von Christina Borer-Hueber, Bernhard Bucher, Pierre Gürtler und Gery Vitt sichtlich. «Wir sind stolz darauf, dass wir allmählich jedem Jahrbuch ein Thema im Sinne eines roten Fadens zugeordnet haben», meint Gürtler, der in all den Jahren für ein gefälliges, modernes Layout besorgt war. Für Borer-Hueber, die sich unermüdlich um Chroniken, Berichte, das Sponsoring und die Kommunikation kümmerte, sind das «vom Blut der Laufentaler Verbrechen triefende» Jahrbuch 2009 oder dasjenige von 2003 mit der Geschichte der Laufentaler Brücken Höhepunkte: «Das Brückenbuch mussten wir für die Baselbieter Kantonalbank gar nachdrucken lassen.» Die Erinnerungen an beliebte Seiten sprudeln nun fast über. «Nur schade, dass der Datenschutz die sehr geschätzte Totentafel immer mehr eingeschränkt hat», bedauert Bucher als Verfasser, während Kalendermann Vitt ganz im Sinne einer seiner zitierten Kalenderweisheiten, nämlich «Diplomatie ist die Fähigkeit, so zu tun, als täte man so», es mehr als stossend findet, dass Liestal das einzige Jahrbuch im Kanton gar nie bemerkt zu haben scheint.
Aufhören, wenn es am Schönsten ist
«Wir sind mittlerweile in einem Alter, in dem wir die kräftezehrende Herausgabe des Buchs für drei oder fünf Jahre nicht mehr garantieren können», erklären die Vier unisono. Wenn einer aus dem vierblättrigen Kleeblatt herausfalle, sei das Glück vorbei. «Finden Sie heute einmal ein solches Kleeblatt, das um Gottes Lohn arbeitet», begegnet Borer-Hueber der sich zwangsläufig aufdrängenden Frage nach einer Nachfolge. «Wir sind noch munter, haben Familien und können auf erfüllte dreissig Jahre zurückblicken, ein Moment also, wo es am Schönsten ist, aufzuhören», erklärt das Quartett seine Beweggründe, verhehlt aber seine Wehmut über das Loslassen keineswegs. «Aber dann erfahren wir wieder, dass etwa Schüler unser Werk als Grundlage für eine Arbeit benützen, schon überwiegen Freude und Stolz», kommt ein fast trotzig-kämpferisch wirkender Pierre Gürtler aufkommenden feuchten Augen zuvor.


