Sie lassen keine Lücke offen

Patti Basler und Philippe Kuhn überraschten im Alts Schlachthuus mit aussergewöhnlich vielseitigem und musikalischem Kabarett.

Ungewohnte Rollen: Philippe Kuhn als SVP-Politiker, Patti Basler als naive Angestellte mit tiefem Ausschnitt. Foto: Melanie Brêchet

Wer Patti Basler aus dem Fernsehen, zum Beispiel aus der Arena, als ernste, bitterböse Satirikerin kennt, wurde am letzten Samstag überrascht. Die Fricktalerin hat noch viele weitere Facetten zu bieten und überzeugte das Publikum während des über zweistündigen Programmes nicht nur mit Sprachwitz und schonungsloser Analyse, sondern auch mit schauspielerischem und gesanglichem Können, wobei auch ihr Bühnenpartner Philippe Kuhn mit scharfen Pointen und musikalisch am Piano brillierte. Lücken, wie das aktuelle Programm der beiden heisst, blieben keine offen. Tabus kennen sie nicht. Das Programm war noch abwechslungsreicher als jenes, das die beiden vor zwei Jahren, ebenfalls im Kulturzentrum Alts Schlachthuus, gezeigt hatten. Wer es wagte, sich in die erste Reihe zu setzen, war selbst schuld. Doch nicht nur Rosario, Martin, Gerda und Diana wurden während des ganzen Abends immer wieder veräppelt, Patti Basler griff auch in Reihen weiter hinten und wählte sich zur Freude des Publikums ein paar Opfer aus. Ebenso bekam der abwesende Laufner Stadtrat als reines Männergremium, genannt Wurstsalat, Wurstcase, im Aargau «Rüeblitorte», kurz sein Fett weg. Beeindruckend, wie Patti Basler spontan auf die jeweilige Situation einging und immer schlagfertig einen Spruch bereithielt.

Wie zu erwarten, thematisierte die Kabarettistin den Feminismus. Doch dabei blieb es längst nicht. Gesellschaftskritisch unter die Lupe genommen wurde der Katholizismus mit Maria, der die erste göttliche Vergewaltigung widerfuhr — in dubio pro Deo, sowie Jesus, der den ersten Krippenplatz belegte und mit nur zwölf Followern zum bekanntesten Influencer aller Zeiten wurde. Die Boomer im Saal — in der Mehrzahl, wie Basler feststellte — schienen ihr die Blasphemie zu verzeihen, traf sie doch mit ihren gewagten Aussagen den Nagel auf den Kopf. Energiestrategien bespielten Basler und Kuhn mit dem Musical Solarlightexpress, Atomic Cats und mit The Phantom of Electra. Nebst Bundesrätin Karin Keller-Sutter als Atomkraftwerk mit Kühlturm kam auch Albert Rösti und der Nationalrat Andreas Glarner unter die Räder. Wobei die SVP eine eigene Nummer erhielt. Philippe Kuhn spielte sich als Präsident des SVP-Parteiabends auf, während Patti Basler in die Rolle der naiven Angestellten schlüpfte. Mit roten Lippen, tiefem Décolleté und verlegenem Lächeln war die Satirikerin kaum wiederzuerkennen. Als sie dann als Steckenpferd Hobby Horsing angab und wie eine Verrückte über die Bühne ritt, hatte sie alle Lacher auf ihrer Seite.

Konzentration war angesagt, um den vielen Wortspielereien und den zahlreichen Themen, die Basler Schlag auf Schlag vortrug, folgen zu können. Da tat es sehr gut, dank der musikalischen Einlagen von Kuhn, durchatmen zu können. Dieser hat die verschiedenen Genres fest im Griff, spielte Jazz, Schlager und Rock.

Patti Basler und Philippe Kuhn, die ihr drittes gemeinsames Programm aufführten, ergänzen sich hervorragend. Mit pointierten Wortspielen und bissigen Kommentaren hielt Basler dem Publikum den Spiegel vor, während Kuhn die Bühne mit musikalischer Coolness und trockenem Humor ergänzte. Gemeinsam schafften sie eine Balance aus Provokation und Unterhaltung und ernteten dafür grossen Applaus.

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