Revierförster missbraucht Vertrauen der Waldbesitzer
Die Forstbetriebsgemeinschaft Laufental-Thierstein West trennt sich per sofort von ihrem Revierförster und bringt ihn zur Anzeige.

Region
«Dies kam für uns völlig unerwartet. Wäre früher das Gerücht aufgetaucht, unser langjähriger Revierförster würde uns Waldbesitzer prellen, dann hätten wir diesen Verdacht für absurd gehalten», heisst es seitens der Burgerkorporation Liesberg.
Die Betriebskommission der Forstbetriebsgemeinschaft Laufental-Thierstein West informierte letzte Woche die Waldbesitzer darüber, dass bei den Tätigkeiten im Forst Unregelmässigkeiten zum Vorschein gekommen sind. «Die FBG hat sich per sofort von ihrem Revierförster und Betriebsleiter getrennt. Der Grund sind eingestandene, strafbare Verfehlungen im Zusammenhang mit dem Holzverkauf», teilte die Betriebskommission mit. Die Forstbetriebsgemeinschaft Laufental Thierstein West ist ein interkantonaler Zweckverband, besteht aus den Burgerkorporationen Liesberg und Roggenburg sowie der Bürgergemeinde Kleinlützel und der Gemeinde Bärschwil. Das Revier umfasst 2400 Hektaren und ein Team von zehn Mitarbeitenden, wovon sich vier noch in der Ausbildung befinden.
Der Schock sitze tief, die Enttäuschung sei riesig, heisst es aus den Reihen der Waldbesitzer. «Wir hielten unseren Förster für integer — bis vor kurzem hätten wir gesagt, für eine ehrliche Haut», sagt ein Waldbesitzer im Gespräch mit dieser Zeitung. In der Forstwirtschaft spiele das Vertrauen eine zentrale Rolle. Müsste man anfangen, im Wald die Bäume zu zählen, könnten die Waldbesitzer aufhören, ihr Eigentum verwalten zu lassen, lautet die Botschaft aus dem Burgerrat.
Der verdächtige Revierförster ist über die Region hinaus bekannt dafür, sich mit Herzblut für die Natur und für die Menschen einzusetzen. Er investierte viel Zeit in die Nachwuchsförderung und zeigte sich immer freundlich und zuvorkommend. 2015 wurde er mit dem Naturschutzpreis ausgezeichnet. Es heisst aber auch, der betroffene Förster sei sehr zielstrebig und gebe gerne den Ton an. Bei interkommunalen Projekten wollte er mitbestimmen und er hat sich im Forstgeschäft gut vernetzt. Er wirkte in einigen Organisationskomitees mit und sitzt im Verwaltungsrat der Raurica Wald AG, die bei der Holzvermarktung das Sagen hat.
Der Status «Person des öffentlichen Interesses» sei für die Betriebskommission ausschlaggebend gewesen, «offen zu kommunizieren», erklärt Andreas Zuber, Präsident der FBG Laufental-Thierstein West auf Anfrage dieser Zeitung. Mit der Strafanzeige stelle man sicher, dass der Fall durch die zuständige Behörde aufgearbeitet und beurteilt werde. Dabei soll vor allem auch die genaue Deliktsumme eruiert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe die Betriebskommission davon aus, dass der FBG ein Schaden in der Höhe von mehreren zehntausend Franken entstanden sei. Zum laufenden Verfahren gebe er keine Auskünfte, stellt Zuber klar. Grundsätzlich könne er festhalten, dass der Fehler nicht strukturell bedingt sei. «Es lag nicht an fehlenden Kontrollmechanismen». Es gehe um Vertrauensmissbrauch.
Wie der Fall ans Tageslicht kam, kann Zuber zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen: «Wir haben unverzüglich nach Bekanntwerden der Verfehlungen gehandelt und innert Wochenfrist kommuniziert». Die Aufarbeitung erfolge nun im Strafverfahren — nach dessen Abschluss werde die Öffentlichkeit dann wohl auch mehr zu den Hintergründen erfahren.
«Die FBG legt ihren Fokus auf die Sicherstellung des Betriebes, dazu laufen dieser Tage auf verschiedenen Ebenen Gespräche, so dass die Stellvertretung klar geregelt ist», führt Zuber aus. Selbstverständlich sei es der FBG weiterhin möglich, umgestürzte Bäume wegzuräumen. Das Tagesgeschäft gehe weiter. Die Erfüllung der hoheitlichen Aufgaben sei durch die beiden Kreisförster der Kantone Solothurn und Baselland gewährleistet, darunter fällt das Auswahlverfahren für einen Holzschlag und dessen Bewilligung. Zudem gebe es die Option, bei benachbarten Forstrevieren Dienstleistungen zu beziehen. Parallel dazu überlege man sich, wie der Posten des Betriebsleiters bzw. Revierförsters neu besetzt werden soll.
Der betroffene Förster war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


