Nur das Ganze ist eine unglaubliche Sensation

In Grellingen ist eine bekannte Felsnische derSteinzeit-Menschen schwerbeschädigt worden. Die Überreste wurden gerettet. Die Funde sind für die ganze Schweiz ausserordentlich bedeutend.

Hanglage: Für die Grabung wurde eine Holzplattform eingerichtet.

Hanglage: Für die Grabung wurde eine Holzplattform eingerichtet.

Typisches Silexwerkzeug: Rückenspitze, Rückenmesser, Stichel, Kratzer, Klinge.

Typisches Silexwerkzeug: Rückenspitze, Rückenmesser, Stichel, Kratzer, Klinge.

Prähistorischer Alleskleber: Die Rückenspitze wurde mit Birkenpech an einem hölzernen Pfeilschaft befestigt. Bilder: ZVG

Prähistorischer Alleskleber: Die Rückenspitze wurde mit Birkenpech an einem hölzernen Pfeilschaft befestigt. Bilder: ZVG

Zerstört. Für immer. Die neue Waldstrasse in Grellingen hat einen Teil der Schweizer Geschichte unwiederbringlich zerstört. Im November 2012 hat der renommierte Himmelrieder Steinzeit-Archäologe Jürg Sedlmeier mit grossem Schrecken festgestellt, dass ausgerechnet beim Abri Wachtfels der Hang abgeholzt worden war und eine breite Waldstrasse angelegt wurde. Dabei ist seit 1935 bekannt, dass hier ein bedeutender Schutzfelsen vorliegt, der vor 13200 Jahren den Steinzeitmenschen als vorübergehende Behausung und Lagerplatz diente.

Abri Wachtfels ist in Schutzzone

Auf der Homepage der Gemeinde ist unter der Rubrik «Geschichte» sogar als Erstes das Foto des Abris Wachtfels samt Entdecker, Albert Kohler, zu sehen. Auch auf dem kommunalen Nutzungsplan und auf dem geografischen Informationssystem des Kantons ist für jedermann sichtbar das Gebiet als archäologische Schutzzone ausgewiesen, erklärt der stellvertretende Kantonsarchäologe Andreas Fischer.

Trotzdem haben weder die Gemeinde noch das Amt für Wald vor dem Bau der Waldstrasse einen Blick auf diese Karte geworfen. Das Problem sei auch, dass Waldstrassen nicht öffentlich ausgeschrieben werden, und die Archäologie Baselland deshalb keine Kenntnis davon habe. Inzwischen sei man aber daran, die Gemeinden und die kantonalen Fachstellen über archäologische Schutzzonen und Zufallsfunde zu sensibilisieren, so Fischer.

Sensationelle intakte Schichten

Dank der Intervention von Sedlmeier wurde nun der Hang stabilisiert, damit wegen des neuen Wegs die Fundstelle nicht weiter erodiert. Letztes Jahr haben der Archäologe Jürg Sedlmeier und das Team um den Grabungstechniker Jan von Wartburg eine kleine Sondiergrabung gemacht. Dabei haben sie Sensationelles gefunden, erklärt Fischer. Anders als erwartet hatte der Entdecker Carl Lüdin von 1938 bis 1941 und von 1955 bis 1957 nicht die ganze Lagerstätte ausgegraben. Deshalb konnten die Archäologen letztes Jahr nicht nur Werkzeuge aus dem Strassenschutt und aus dem alten Grabungsabfall bergen. Sie fanden noch völlig intakte Schichten vor! Diese sind für die Forschung besonders wertvoll.

In dieser Grabungsfläche fanden die Forscher 730 Messer, Pfeilspitzen, Kratzer und andere bearbeitete Silexsteine sowie Tierknochen vor. «Diese intakte Kulturschichten ermöglichen uns eine sehr gute Datierung», erklärt Fischer. Zusammen mit den zukünftigen Untersuchungen der Knochen werde man viel über die Landschaftsgeschichte und unsere Vorfahren erfahren.

Für weitere Grabung fehlt das Geld

Eine so intakte Fundstelle mit allen Kulturschichten ist in der Schweiz äusserst selten. In der Vergangenheit wurden zwar schon viele Höhlen untersucht, jedoch mit Methoden, die aus heutiger Sicht als recht unsorgfältig gelten. Trotzdem hat der Kanton momentan nicht das Geld, um hier weiterzuforschen.

«Vielleicht können wir uns künftig einmal dank Drittmitteln dieser Fundstelle widmen. Sie hätte es wirklich verdient», hofft Fischer.

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