Mystisch-ekstatisches Klangerlebnis

Am Montagabend konnte man in der Herz-Jesu-Kirche Laufen das eindrückliche innovative Musikprojekt «Sole blu» erleben. Aufgeführt wurde es von den drei Ensembles Jütz, Take Three und Rheinstimmen.

Klangvoll: Reiner Schneider-Waterberg hatte die Gesamtleitung. Foto: Thomas Brunnschweiler
Klangvoll: Reiner Schneider-Waterberg hatte die Gesamtleitung. Foto: Thomas Brunnschweiler

Laufen

Die Entstehung von «Sole blu» wurde in der letzten Ausgabe besprochen. Basierend auf der Kunstinstallation «Cantus Firmus» in der Solothurner Franziskanerkirche, die den Sonnengesang von Franz von Assisi zum Ausgangspunkt hat, komponierten Sally Jo Rüedi, Tobias Rüedi, Daniel Woodtli, Isa Kurz und Philipp Moll ein zehnteiliges spirituelles Crossover-Werk, geleitet von Reiner Schneider-Waterberg. Es ist eine «Fusion» von Gregorianik, neo-alpiner Folklore, Jazz, klassischer Musik, Gospel und meditativen Klangflächen. Die stilistische Offenheit und der Eindruck, das Ganze sei — trotz fünf Komponierenden — aus einem Guss, machen den Reiz des Werks aus. Die Instrumentierung mit Flügelhorn, Trompete, Orgel, Marimba, Hackbrett, Akkordeon, Kontrabass und Perkussionsinstrumenten ist ungewöhnlich und schafft ein Spektrum zwischen archaischen und modernen Klangwelten. Zugleich ergibt sich ein Surround-Sound, wobei der Kirchenraum Teil des Werks wird. Der Sonnengesang soll nicht illustriert, sondern als spirituelle Grundhaltung erfahrbar gemacht werden.

«Ostern» beginnt leise in der Orgel, erfährt dann eine dynamische Steigerung und endet in einer instrumentalen Improvisation. Bei jedem Stück intoniert der Chor in gregorianischer Manier den altitalienischen Text jedes Gebets. In «Sole» berühren sich die Mönchsstimmen mit arabisch-orientalischen Tonfolgen, was an Franziskus’ Reise nach Ägypten im Jahr 1219 erinnert. Nach stampfenden Trommelschlägen kommt es hier zu einem glanzvollen Finale. Poetisch, von Sopranstimmen getragen, erklingt «Luna e le stelle», bei dem man einen ewig klingenden Planetenton zu hören glaubt. Im dynamischen «Wind» werden die Stimmen zum Schlagwerk. Der Sturm erinnert an Passagen der «Carmina Burana» von Orff. In einem komplexen Klanggewebe spiegelt sich die Welt in «Aqua». In «Bruder Feuer» mit seinem perkussiven Auftakt treffen glühende Klangfelder auf Augenblicke der Stille. Einen klaren Kontrast zu «Bruder Feuer» bildet «Erde», wo sich Marimba-, Hackbrett- und Chorklänge ergänzen. «Frieden», wo sich der Chor im Kreis gruppiert, basiert auf der Ästhetik eines Gospel-Songs und enthält dialogische Friedensrufe in verschiedenen Sprachen. «Tod» und «Pfingsten» stellen den Höhepunkt des Werks dar. Die Unausweichlichkeit des Todes spiegelte sich in Anklängen an das «Dies irae» eines Requiems. Und «Pfingsten» kulminierte in einem rauschartigen, scheinbaren Chaos von verschiedenen Sprachen und einer jubilierenden Trompete. Danach war es einige Sekunden vollkommen still, bevor sich grosser Applaus erhob.

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