Musikverein Brislach im Wechselbad
Der Brislacher Musikverein scheint ein Faible für Reisen zu haben, präsentierten doch die beiden Moderatoren Joël Bieli und Manuel Hügli einen Rucksack für verschiedene Reisedestinationen.

Darin fanden sich laut trommelnd auch drei «eingeflogene» Schlagzeuger, zu denen sich in militärmässigem Marschschritt 23 namentlich verkündete Brass-Band-Mitglieder gesellten. Immerhin wusste man nun in den am Freitagabend etwas dünn besetzten Tischreihen, wer genau oben auf der Bühne sein Bestes gab. Mit «A Salute from Lucerne», einer anspruchsvollen Festkomposition von Christoph Walter, bekannt von der Swiss Army Concert Band, kitzelte Dirigent Sergei Yemelyanenkov schwierige Soli und heikle Passagen aus der Brass Band heraus.
«Wir haben in den letzten vier Jahren unter Sergei viel dazugelernt», bedauerten einige Musikanten am Konzertende seinen Weggang. Und dies, obwohl der Dirigent sie im «Slawischen Tanz» und vor allem in den langen «Cambridge-shire Impressions» mächtig gefordert hatte. Bei Sousas Marsch «Liberty Bell» kam im Saal erstmals so richtig Stimmung auf, weil der Musikverein alles gab und erstes Klatschen mit Bravo-Rufen auslöste.
Keine Hemmungen mehr
Nach der Pause legten die Musikantinnen und Musikanten, wohl dank ihrer Hüte und Sonnenbrillen, die letzten Hemmungen ab. «Gimme some Lovin’», und die Titelmelodie aus dem Film «Forrest Gump» rissen das Publikum mit. Mani Matters «Hemmige» verleitete zum Mitsingen oder ein begeistertes Ehrenmitglied gar zum kunstvollen Mitpfeifen. Während die beiden Moderatoren in ihrer Rolle als «Principal Solists» glänzten, posaunten die Posaunisten das Thema «will si Hemmige hei» stimmungsvoll in die Halle hinaus. Bei «Ring, Ring» von Abba klatschte alles mit, weil es die Moderatoren so angeregt hatten. Mit dem gefühlvollen und passenden «Time to say Goodbye» verabschiedete sich der Musikverein, gab aber mit «Band Power» und «Cotton Fields» die frenetisch heraus geklatschten Zugaben zum Besten. «Und noch einer verabschiedet sich nach seinem letzten Konzert, unser Linesman und Captain Sergei Yemelyanenkov», bedauerte Vorstandsmitglied Fredi Kamber und bedankte sich mit viel Lob: «Er hat es vier lange Jahre mit uns ausgehalten.»
Viel Gold für Ernst Bucher
Bereits seit 1953 musiziert Ernst Bucher aktiv beim MV Brislach mit, anfänglich kurz mit dem Es-Horn, dann mit seiner geliebten Posaune. «Er spielte aber auch Theater, bildete Jungbläser aus und dirigierte bei Bedarf auch mal den Verein», würdigte am Samstagabend Veteranenobmann Peter Börlin vom Musikverband beider Basel das ganz seltene Jubiläum Buchers. Das erste überhaupt in Brislach. Die 60 Jahre Aktivzeit oder umgerechnet 10 000 Probestunden belohnte Börlin mit der Goldmedaille und der goldenen Anstecknadel des CISM-Veteranen sowie einem Diplom. Trotz der sichtlich bewegenden Überraschung dirigierte Bucher den «Langnauer Marsch» und meinte in seinem Dank an alle trocken: «Es ist eigentlich noch nicht lange her seit 1953.»


