Musikalische Leckerbissen zum Abschied

Das Konzert des Orchesters Laufental-Thierstein war geprägt von zwei Schwerpunkten: demAuftritt von Sologeigerin Johanna Tüscher unddem Abschied derDirigentin Anneka Lohn.

Solistin und Dirigentin: Johanna Tüscher spielte sich souverän und auswendig durch die drei Sätze des Tschaikowsky-Violinkonzertes, während Dirigentin Anneka Lohn hier in Laufen zu ihrem zweitletzten Konzert mit dem Orchester Laufental-Thier-stei
Solistin und Dirigentin: Johanna Tüscher spielte sich souverän und auswendig durch die drei Sätze des Tschaikowsky-Violinkonzertes, während Dirigentin Anneka Lohn hier in Laufen zu ihrem zweitletzten Konzert mit dem Orchester Laufental-Thier-stein den Taktstock hob. Foto: Martin Staub

Schon die Anzahl – über 50 – Musikerinnen und Musiker, die sich in der Katharinenkirche in Laufen am letzten Samstagabend installierten, erstaunte. «Anneka Lohn hat in den acht Jahren ihrer Wirkungszeit aus einem Kammerorchester ein Sinfonie-orchester gemacht», brachte es Präsidentin Ruth Schnyder bei der Verabschiedung am Ende der zweistündigen Aufführung auf den Punkt. Die Trennung von der musikalischen Leiterin, die 2008 das Orchester übernahm und seit Sommer 2014 in Bochum lebt, fällt weder Mitgliedern noch der Dirigentin leicht, wie aus den Abschiedsworten von Ruth Schnyder und von Anneka Lohn herauszuhören war.

Zuvor aber stand die Musik im Zentrum. Und die Solistin Johanna Tüscher. Was das Publikum in der voll besetzten Katharinenkirche zu hören bekam, überraschte und überzeugte. Die erst 16-jährige Violinschülerin von Emilie Haudenschild in der Talentförderklasse der Musik Akademie Basel spielte das Violinkonzert D-Dur op. 35 von Peter I. Tschaikowsky in jeder Hinsicht brillant, und zwar in den schnellen, virtuosen Passagen im ersten und dritten Satz wie auch im Canzonetta andante im zweiten Satz. Ganz im Sinne des Komponisten, der laut Dirigentin Anneka Lohn mit diesem Stück, welches er 1878 in Clarens am Genfersee schrieb, «seine Fröhlichkeit zurückgewann». Johanna Tüschers Talent wurde schon früh erkannt und gefördert. Den ersten Geigenunterricht genoss die in Seewen wohnhafte, schon mehrfach ausgezeichnete Musikerin bereits mit vier Jahren bei ihrer Mutter. Den in jeder Hinsicht verdienten Applaus, begleitet mit mehreren Blumensträussen, genoss die junge Musikerin, die auch Klavier-, Cello- undViola-Unterricht nimmt.

Anneka Lohn und ihr Orchester machten sich indes bereit für Johannes Brahms letzte, 1884/85 komponierte Sinfonie Nr. 4 in e-Moll op. 98. «Es ist schwer zu sagen, was Brahms in dieser Sinfonie ausdrückt. Zu hoffen ist, dass die kompromisslose Fülle der musikalischen Sprache ihre Eindrücke hinterlässt», schrieb die musikalische Leiterin ins Programmblatt und wies das Publikum schmunzelnd auf die etwas fremden Harmonien in diversen Passagen hin, die «so, wie Sie sie hören, tönen müssen». Brahms gilt – und zu diesem Image trug nicht zuletzt der Erfinder der Zwölftonmusik, Arnold Schönberg, bei – als Wegbereiter der Moderne. Das Orchester – auf sämtlichen Registern stark besetzt – meisterte die vier Sätze (Alle-gro non troppo, Andante moderato, Allegro giocoso und Allegro energico e passionato) zur Freude der Zuhörerinnen und Zuhörer hervorragend. Dieabwechslungsreiche Gegenüberstellung von Streichern und Bläsern und die Varianten von Charakteren gestalteten dieses Werk zu einem kurzweiligen Hörgenuss. Und die etwas ungewohnten Harmonien in einigen Passagen zeigten beim Publikum offensichtlich weder Risiken noch Nebenwirkungen, wie der lang anhaltende Beifall zum Abschluss bewies. Das Konzert wurde tags darauf in Dornach wiederholt.

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