«Mitbestimmung kommt in greifbare Nähe»

Noch nie sass ein Laufentaler in der Baselbieter Regierung. Remo Oser will das ändern. Der Mitte-Kandidat sieht darin eine historische Chance. Gewählt werden will er aber nicht allein wegen seiner Herkunft.

Remo Oser im Laufner Stedtli: Der Mitte-Politiker könnte als erster Laufentaler in die Baselbieter Regierung einziehen. Foto: Kenneth Nars
Remo Oser im Laufner Stedtli: Der Mitte-Politiker könnte als erster Laufentaler in die Baselbieter Regierung einziehen. Foto: Kenneth Nars

Mit einem derart deutlichen Resultat hatte Remo Oser selbst nicht gerechnet. 90 Stimmen erhielt der frühere Röschenzer Gemeindepräsident am Parteitag der Mitte vom 21. Oktober. Parteipräsident Simon Oberbeck kam auf 48, Piero Grumelli auf 13 Stimmen. Damit war die Ausmarchung bereits nach dem ersten Wahlgang entschieden. «Dass es schon im ersten Wahlgang so deutlich klappt, hätte ich nicht gedacht», sagt Oser.

Dass seine Chancen intakt seien, habe er jedoch zuvor gespürt. Nicht nur im Laufental hätten ihn Parteikollegen, Freunde und politische Weggefährten zur Kandidatur motiviert. Aus dem Tal reisten schliesslich rund 30 Unterstützerinnen und Unterstützer in zwei Kleinbussen an den Parteitag. Den Ausschlag hätten diese allein aber nicht geben können, sagt Oser: Schliesslich hätten ihn am Ende deutlich mehr Personen gewählt.

Er wäre der erste Laufentaler Regierungsrat

Für das Laufental ist seine Kandidatur dennoch von besonderer Bedeutung. Seit dem Wechsel von Bern zu Basel-Landschaft 1994 hat es noch niemand aus dem Bezirk in die Baselbieter Regierung geschafft. Und auch zuvor, noch im Kanton Bern, ist dies niemandem gelungen. Oser könnte der Erste werden. Der erste Laufentaler, der für die Regierung kandidiert, sei er hingegen nicht, erklärt Oser. Bereits 2015 trat der Laufner Matthias Imhof für die damalige BDP zu den Regierungsratswahlen an. Er blieb ohne Erfolg.

Für Oser hat die Aussicht auf einen Sitz in der Regierung auch eine persönliche Komponente. Er engagierte sich in jungen Jahren in der Laufentalpolitik und war 1994 Präsident der Jungen CVP Baselland. Beim Kantonswechsel sei es den Laufentalern insbesondere um die politische Mitbestimmung gegangen. «Das kommt jetzt in greifbare Nähe», sagt er mit Blick auf einen möglichen Sitz in der Regierung. In den vergangenen Jahren hat sich Oser vor allem als Gemeindevertreter und in Laufentaler Themen einen Namen gemacht. Beim Ringen um die Zukunft des Spitalstandorts Laufen setzte er sich wiederholt für die Interessen der Region ein. Auch heute pocht er auf deren Mitsprache. Dabei gehe es ihm in erster Linie um die zugesicherte Gesundheitsversorgung und eine sinnvolle Nutzung des Areals. Remo Oser wehrt sich jedoch dagegen, auf seine Herkunft reduziert zu werden. «Ich möchte nicht gewählt werden, weil ich Laufentaler bin. Das kommt einfach noch dazu.» Er sei überzeugt, die nötigen Qualifikationen für das Regierungsamt mitzubringen. Oser sass fünfzehn Jahre im Röschenzer Gemeinderat, sieben davon als Gemeindepräsident. Er wirkte ausserdem in zahlreichen regionalen und kantonalen Kommissionen mit.

Beruflich fühlt sich Oser in der Finanz- und IT-Welt zu Hause. Als Qualitäts- und Risikomanager beim Bund war er unter anderem für ein 70-Millionen-Franken-Programm verantwortlich, das alle Departemente und 44000 Arbeitsplätze umfasste. Zuvor arbeitete er bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung an der Einführung der Radio- und Fernsehabgabe für Unternehmen. Politisch will Oser vor allem beim Verhältnis zwischen Kanton und Gemeinden ansetzen. Er kritisiert, dass rund 80 Prozent der Ausgaben der Gemeinden durch kantonale Vorgaben bestimmt würden. Sein Grundsatz laute: «Wer befiehlt, zahlt.» Als Beispiel nennt er die Primarlehrerlöhne: Weil der Kanton deren Höhe vorgibt, soll er sie künftig auch direkt finanzieren. Auch bei Verwaltung und IT sieht er Möglichkeiten, Abläufe zwischen Kanton und den 86 Gemeinden zu vereinfachen. So könne man ohne Leistungsabbau Kosten sparen. Im Regierungsrat würde sich Oser darum am ehesten die Finanz- und Kirchendirektion zutrauen, die heute vom abtretenden Anton Lauber geführt wird. Aber auch die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion könne er sich durchaus vorstellen.

«Das ist der Ritterschlag zum Mitte-Kandidaten»

Bei der SVP-Spitze stösst Osers Nomination auf Ablehnung. Parteipräsident Peter Riebli erklärte den Kandidaten aus dem Laufental für politisch zu weit links und stellte eine Unterstützung infrage. Oser nimmt es gelassen: «Das ist der Ritterschlag zum Mitte-Kandidaten.» Er schaue «geradeaus und nicht nach rechts und links». Und: Die Zusammenarbeit mit der SVP habe er auf kommunaler Ebene durchaus konstruktiv erlebt.

Auch bei der FDP dürfte die Unterstützung des Mitte-Kandidaten noch zu reden geben. Oser verweist diesbezüglich auf die bisherige gute Zusammenarbeit mit freisinnigen Politikern. Trotz der Vorbehalte im bürgerlichen Lager sieht er seine Kandidatur nicht als Belastung für die Sitzverteidigung seiner Partei: «Mit mir hat die Mitte die Chance, den Sitz zu halten.» Ob ihn die FDP unterstützt, werde deren Parteitag entscheiden. Eine zweite Kandidatur der Mitte, die sich die Parteileitung offenhalten will, hält Oser für unrealistisch. Die Partei habe keinen Anspruch auf zwei Regierungssitze. Auf den bevorstehenden Wahlkampf freue er sich jedenfalls. Dabei wolle er auch mit Unkonventionellem überraschen. Ob ihm das den Einzug in die Regierung bringt, entscheidet sich am 11. April 2027.

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