Genug ist genug: Künftig ohne Rolf
Der Comedian Rolf Schmid reist auf seiner letzten Tournee quer durch die Schweiz und verabschiedete sich mit einem ironischen Blick auf sein Leben von seiner Fangemeinde in der Nordwestschweiz.

Laufen
Genug ist genug. Selbst für einen wie Rolf Schmid, der auf den ganz grossen Bühnen in der Schweiz auftreten durfte, kommt der Moment, in dem es Zeit wird für Neues. Auch wenn seine Abschiedstour-nee «I mag eifach nüma» heisst, war von fehlender Kondition oder Motivation für sein Metier auf der Bühne im Laufner Schulhaus Serafin nichts zu merken, derart fegte er am vergangenen Samstag durch Themen und Stationen in seinem Leben. Dieses begann 1959 in einem kleinen Dorf im Bündnerland, wo er als einziger seines Jahrganges aufwuchs und daher immer Klassenbester war. In dieser bäuerlichen Umgebung fand das Lernen nicht nur in der Schule statt, sondern auch auf der noch nicht geteerten Strasse und auch mal beim Schlachten auf dem Hof von Verwandten. Dass man mit Einzelteilen des Schlachttieres wie dem Auge eines Schweins noch Schabernack treiben kann — geschenkt!
Trotz Talent zur Comedy musste ein richtiger Beruf gelernt werden. Nur sei dieser einigermassen simpel, resümierte Bäcker Schmid: Hefe, Mehl, Salz, Wasser. Warten. Kneten. Warten. Backen. Warten. Die Gabe, sein Publikum abendfüllend zu unterhalten, liess ihm aber schon bald die Freiheit, seine Rolle als Ernährer der Familie zugunsten des professionellen Comedians herunterzufahren. Sein Programm erschöpfte sich aber nicht in der Schilderung der Lebensabschnitte von der Kindheit bis zur Pension oder in der pointierten Charakterisierung seiner Familienmitglieder. Mit wenigen Requisiten setzte er szenische Farbtupfer auf der schwarz gehaltenen Bühne: Ein langstieliger Bodenwischer wurde zu einem Bügel eines Skilifts, die Rückenlehne des Stuhls zum Lenker eines Motorrads und ein raschelndes Blatt Papier klang verblüffend ähnlich wie die Nadel eines Plattenspielers. Dass der Zahn der Zeit auch an Männern nagt, machte er gleich zu Beginn des Abends klar. Im Unterschied zu früher müsse er sich heute den Ablauf des Programms notieren. Die freimütig eingeräumte Schwäche minderte den Lachgenuss aber in keiner Art und Weise: Seine Bühnenpräsenz war umfassend, seine Mimik und sein Wortwitz eine unerschöpfliche Quelle für Rollen wie den hirnamputierten Töfffahrer. Als melancholischer, von seiner Frau verlassener Bauer wunderte er sich, dass sein neuer spanischer Knecht wie eine Maschine arbeite, obwohl er Manuel heisse. Selbst Alltägliches, wie der unangemeldete Besuch auf der Bank oder das Versenden eines sorgsam eingepackten eigenen Buches, wurde zum komödiantischen Erlebnis ausgestaltet.
Wer einen tröstlichen humorvollen Blick auf die Weltlage erwartete oder ein ironisches Sezieren von gesellschaftlichen Verwerfungen, wird die Vorstellung eher ernüchternd erlebt haben. Umso wohltuender dagegen, dass er als Mann den Blick auf körperliche Veränderungen lenkt, welche auch dem starken Geschlecht nicht erspart bleiben. Der Fangemeinde hinterlässt er als Trost ein Buch mit Notizen, Anekdoten und nicht verwirklichten Ideen. Gemessen an der Stimmung und am Applaus würde ihn das Publikum noch viele Jahre beim Älterwerden begleiten.


