Mit Büchern in neue Welten eintauchen

Ein neues Literaturformat feierte im Kulturforum Alts Schlachthuus am letzten Freitag Premiere: Der «Schlachthuus-Literaturclub» brachte vier Persönlichkeiten aus der Region zusammen, um über aktuelle Bücher zu diskutieren.

Stellten ihre Bücher vor und machten Lust aufs Lesen: (v. l.) Moderatorin Sandra Häner, Linard Candreia, Brigitte Bos, Remo Ankli und Gaby Walther. Foto: Melanie Brêchet
Stellten ihre Bücher vor und machten Lust aufs Lesen: (v. l.) Moderatorin Sandra Häner, Linard Candreia, Brigitte Bos, Remo Ankli und Gaby Walther. Foto: Melanie Brêchet

«Lesen ist eigentlich ein stilles Geschäft», sagte Moderatorin Sandra Häner zu Beginn des Abends, nichtsdestotrotz wurde an diesem Abend viel über die ausgewählten Bücher gesprochen und diskutiert.

Durch den Abend führte Fachfrau Sandra Häner — sie leitet die Mediathek am Gymnasium Laufental-Thierstein. Auf dem Podium nahmen Linard Candreia, Historiker und ehemaliger Landrat, Brigitte Bos, ehemalige Stadtpräsidentin von Laufen und Leiterin des Logopädischen Dienstes Laufental, Remo Ankli, Historiker, Theologe und ehemaliger Kantons- und Regierungsrat des Kantons Solothurn, und Gaby Walther, Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Literatur und Geschichte und Leiterin der «Wochenblatt»-Redaktion, Platz, vier Gäste also mit sehr unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Gemeinsam ist ihnen die Leidenschaft fürs Lesen. Rund 60 Besucherinnen und Besucher fanden den Weg zur Premiere — für ein neues Format eine beachtliche Zahl. Diskutiert wurden vier aktuelle Bücher, die alle Podiumsgäste vorgängig zu lesen hatten. Brigitte Bos stellte «Von hier aus weiter» von Susanne Pastor vor, eine feinfühlige Erzählung über den Verlust eines Ehepartners. Die Autorin, selbst Sterbebegleiterin, beschreibe sprachlich schön und gut zugänglich, wie eine Frau nach dem Tod ihres Mannes langsam wieder ins Leben finde und unerwarteten Trost erfahre.

Remo Ankli brachte mit «Russische Spezialitäten» von Dmitrij Kapitelman ein Buch ein, das die Zerreissprobe innerhalb einer Familie in Zeiten alter und neuer Kriege zum Thema hat. Der jüdisch-ukrainische Autor erzähle seine Geschichte autobiografisch, humorvoll und mit fantastischen Elementen wie sprechenden Fischen. Auf dem Podium wurde intensiv darüber diskutiert, ob es sich um einen Roman handle oder nicht und welches Konzept dahinterstecke.

Gaby Walther präsentierte «Die Trophäe», ein Roman über Grosswildjagd und koloniale Machtverhältnisse. Die menschlichen Abgründe, die sich in dieser Geschichte auftun, hätten zum Nachdenken angeregt und bei ihr nachgewirkt. Linard Candreia zeigte sich fasziniert von den detaillierten Jagdbeschreibungen, Ankli lobte die präzisen Tierszenen.

Linard Candreia selbst empfahl das autobiografisch geprägte Werk von Wilfried Meichtry «Nach oben sinken», das sich im katholisch-konservativen Wallis der Siebziger- und Achtzigerjahre abspielt.

Zum Abschluss nannten alle Beteiligten persönliche Buchtipps — von «Schellen-Ursli» über Fabio Andinas «16 Monate», «Die Vegetarierin» von Han Kang bis zu Ulrich Bechers wiederentdeckter «Murmeljagd». Mitveranstalter Martin Kofmel zog ein positives Fazit: Die Premiere sei nach monatelanger Vorbereitung gelungen. Ob es eine Fortsetzung gibt, bleibt offen — das Interesse des Publikums dürfte die Entscheidung jedoch erleichtern.

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