Massnahmen zur Sicherheit

Die Vorschriften betreffend Brandschutz wurden nach der verheerenden Katastrophe in Crans-Montana schweizweit zwar nicht verschärft, doch die Verantwortlichen sind sensibilisiert und schauen genauer hin — auch an der Fasnacht.

Diskutieren über die Brandschutzmassnahmen: Andrea Guarrera, die ihre Boutique während der Fasnacht in eine Bar umwandelt, und Sascha Kaiser, Brandschutzbeauftragter. Foto: Gaby Walther
Diskutieren über die Brandschutzmassnahmen: Andrea Guarrera, die ihre Boutique während der Fasnacht in eine Bar umwandelt, und Sascha Kaiser, Brandschutzbeauftragter. Foto: Gaby Walther

Mit der Chesslete heute Morgen startet in vielen Gemeinden die Fasnacht — in Laufen am Sonntag mit dem Morgenstreich. Fasnacht heisst Enge, Stimmung und volle Lokale. Nach dem schweren Brandereignis im Wallis hat sich vielerorts die Sensibilität für Sicherheit erhöht. Einer, der sich mit Brandschutz auskennt, ist Sascha Kaiser. Der gelernte Zimmermann arbeitet seit Jahren bei der Berufsfeuerwehr Roche in Basel, ist Mitglied der Stützpunktfeuerwehr Laufental und seit einem Jahr führt er im Nebenerwerb die Firma «Kaiser Brandschutzberatung». Er analysiert Risiken, erstellt Brandschutzkonzepte mit Flucht- und Rettungswegen, berät und führt Kontrollen durch. Im Auftrag der Stadt Laufen übernimmt er die Beratung und Kontrolle der sechs Gelegenheitswirtschaften und Partyzelte, die während der Fasnacht in Laufen betrieben werden. Die offiziellen Gastbetriebe unterliegen den Brandschutzvorgaben der Gebäudeversicherung BGV. Kaiser betont, dass die Vorschriften nicht verschärft worden seien. Neu sei, dass sie jetzt konsequent umgesetzt und kontrolliert würden. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf klassischen Punkten wie Fluchtwegen und Feuerlöschern, sondern auch auf den Materialien. «Früher hat man wenig auf die Dekoration geschaut», sagt er. Jetzt werde konsequent kontrolliert, ob diese schwer entflammbar ist. Bodenabdeckungen seien ebenfalls ein Thema: Nicht jeder Filz oder «0815-Floor» erfülle die Anforderungen. Leider seien die passenden Produkte oft deutlich teurer.

Falsche Türöffnung

Auch Andrea Guarrera liest die Vorschriften genau durch. Seit neun Jahren verwandelt sie während der drei Fasnachtstage ihre Boutique InLine im Stedtli in die Hippie Bar. Kritisch betrachtet sie die Vorschrift betreffend Tür. Wie bei fast allen alten, nicht umgebauten Gebäuden — die meisten im Stedtli — öffnet sich die Eingangstür ins Rauminnere. Die Richtlinie schreibt jedoch vor, dass, sobald sich mehr als 20 Personen in einem Raum befinden, sich die Tür in Fluchtrichtung öffnen muss. Als pragmatische Lösung rät Kaiser, die Tür offen zu lassen und zu blockieren, sobald mehr Personen im Raum sind, und gegen die Kälte einen nichtentzündbaren Vorhang aufzuhängen. Die Betreiberin ist auch verantwortlich, dass die maximale Personenanzahl eingehalten wird — in ihrem Beispiel werden 50 Personen genannt.

«Im Personenschutz gibt es keinen Bestandsschutz», erklärt Kaiser. Die verbreitete Haltung «Das war schon immer so» zähle nicht, wenn es um Sicherheit von Menschen gehe. Betreiber, Nutzer und Eigentümer hätten die Pflicht, ihre Gebäude und Anlagen periodisch zu überprüfen und an aktuelle Anforderungen anzupassen — selbst wenn seit Jahrzehnten keine baulichen Änderungen vorgenommen wurden.

Kaisers Rolle ist klar begrenzt: Er ist nicht Polizist und nicht Bewilligungsbehörde. Er arbeitet mit Checklisten, dokumentiert den Zustand inklusive Fotos der sechs Betriebe und lässt sich die Kenntnisnahme unterschreiben. «Ab dem Zeitpunkt sind die Betriebe verantwortlich», sagt er. Wenn nach der Abnahme wieder etwas aufgehängt wird, das nicht erlaubt ist — oder Schilder entfernt werden, weil sie stören — ist das nicht mehr sein Mandat, sondern das Risiko des Betriebs.

Keine Panik, aber Aufmerksamkeit

Für Fasnachtsgäste hat Sascha Kaiser einen schlichten Rat: keine Panik, aber Aufmerksamkeit. Wer einen Raum betritt, kann kurz wahrnehmen, wo die Fluchtwege sind. Und: Verständnis zeigen, wenn ein Lokal nicht mehr Leute hineinlässt. Das sei kein Schikanieren, sondern Teil der Sicherheitslogik. Hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. Aber man könne das Maximum tun, um Risiken zu reduzieren.

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