Laute Klappe, kleine Tierchen
Wer einen Frosch küssen möchte, der mache sich in den nächsten Wochen nachts in die stillgelegte Liesberger Tongrube Andil auf. Nirgends ist die Auswahl grösser. Doch ohne viel, viel Geduld läuft auch da nichts.

Wer nun nachts ein helles, metallisches «üh üh üh» hört, muss sich nicht mehr über seinen Nachbarn ärgern, der die Schweizerfahne zu locker im Wind flattern lässt. Nein, denn es könnte sein, dass es sich um die Geburtshelferkröte handelt! Diese ist auch unter dem Namen «Glögglifrosch» bekannt, und ein seltenes Tierchen. Am letzten Freitag konnten ein Dutzend Exkursionsteilnehmer ein paar dieser Geburtshelferkröten in der ehemaligen Liesberger Tongrube Andil hören. Der Naturschutzverein Pro Natura hatte diesen Rundgang in der Nacht der Frösche unter der Leitung des Biologen Dieter Thommen organisiert. Auch wenn man die Geburtshelferkröten gut hörte – zu sehen bekam man sie nicht. Da hätte man schon verbotenerweise im steilen Geröllhang herumkraxeln und lange, sehr lange suchen müssen. Und hätte man sie dann endlich gefunden, so wäre man zutiefst enttäuscht. Denn sie sind schmutzig-lehmfarben, vier Zentimeter gross und haben Warzen. Das ist alles.
Überhaupt: Als Laie macht man sich falsche Vorstellungen. Auch wenn die stillgelegte Tongrube Andil ein wertvolles Amphibiengebiet von nationaler Bedeutung ist: Es wird nichts auf dem Serviertablett präsentiert. Es mag ja viele Tierchen haben, aber die haben sich alle sehr, sehr gut versteckt. Am besten macht man vor dem Eindunkeln einen Rundgang, um sich das schöne Gebiet anzusehen. Mit etwas Glück sieht man – wie die Exkursionsteilnehmenden – im oberen Bereich einen dunklen Schatten, der behände den steilen Hang hinaufspringt: eine Gams!
Wenn es dann dunkel ist, suche man sich einen flachen Tümpel aus, zünde die Taschenlampe an und wappne sich mit Geduld. Sehr viel Geduld. Am Freitag wurde dieses Vorgehen belohnt. Zwei Gelbbauchunken liessen sich bei ihrer zärtlichen Umarmung nicht stören. Es ist nicht einfach, diese daumengrossen, schlammfarbigen Tierchen zu sehen. Noch eher kann man sie hören. Sie tönen wie ein rostiges Fahrrad, das eine Acht hat. Alles komplett unspektakulär, ausser den gelben Flecken, die Bauch und Füsschen zieren. In die könnte man sich schon verlieben. Wer also das schnelle Spektakel sucht, der kann sich das Schutzgebiet Andil schenken. Wer sich jedoch Zeit nimmt, kann schöne Stunden erleben.
Dieter Thommen konnte mehrere Gründe aufzählen für die Artenvielfalt im Andil. Zum einen sind es die verschiedenen Lebensräume: Wasser, trockene und magere Hänge, Gebüsch, Magerwiesen. «Zudem pflegt der Kanton dieses Schutzgebiet, indem er Flächen mäht und neue Tümpel anlegt», so Thommen. Das andere Erfolgsgeheimnis sind die unzähligen Gewässer. «Jede Art hat ihre besonderen Bedürfnisse. Besser als ein einziger grosser Teich sind mehrere kleine, die gerne auch ganz flach sein dürfen», erklärt Thommen. Deshalb genüge es auch, im eigenen Garten eine Pfütze anzulegen, die im Hochsommer auch wieder austrocknen könne. Auch so ein vorübergehendes Minigewässer könne ein sehr wertvolles Biotop sein.


