Laufner Ersatzwahl sorgt für Zündstoff
Die parteilosen Kandidierenden polarisieren die Wählerschaft. Nebst absurden Flyern kam es sogar zu hässlichen Szenen und Rassismus.
Laufen
Nach dem Rücktritt von Stadtrat Christian Hamann kommt es am 27. September zur Ersatzwahl an den Laufner Urnen. Es kandidieren der 59-jährige Unternehmensberater Reto Schmidlin und die 45-jährige Sozialarbeiterin Fathia Rahmani-Sinani.
Wahlkampf verdeutlicht politische Fronten
Beide treten parteilos an und sind politisch unbeschriebene Blätter. Für eine Ersatzwahl, welche die Exekutiv-Besetzung für den Rest der laufenden Amtsperiode besiegelt, wird der Wahlkampf aber ungewohnt kontrovers geführt und geht auch inhaltlich weit über den Bereich Sicherheit und Justiz hinaus, den Hamann Ende Oktober abgeben wird.
Schmidlin, der jeden Franken drehen will und sich selbst als bürgerlich bezeichnet, kann auf ein bürgerliches Rückgrat zählen. Er will Laufen als Wohn- und Gewerbeort attraktiver machen. «Jedoch immer unter dem Aspekt, dass man es auch finanzieren kann und nicht immer neue Steuern braucht», wie er gegenüber dieser Zeitung festhielt.
Rahmani-Sinani, die sich als «Brückenbauerin zwischen Kulturen und Generationen» sowie als Stimme der Frauen versteht, sicherte sich die Unterstützung vieler Linken. So ist sie der Überzeugung, dass sich zum Beispiel im Sozialbereich finanzielle Sorgen langfristig vielmehr durch initiale Investitionen in bessere Förderung und Integration meistern lassen.
Absurder Wahlflyer wirbt mit falscher Altstadt
Vor zwei Wochen landete ein Flyer in den Laufner Briefkästen, der für die Wahl Reto Schmidlins wirbt, aber von der künstlichen Intelligenz (KI) gestaltet wurde. Zu sehen ist Schmidlin in typischer KI-Plastizität vor einer computergenerierten Altstadt. Sie soll das Laufner Stedtli imitieren, zeigt aber einen fiktiven Kirchturm, den das neuronale Netz der KI erträumte.
Der Flyer stellt Schmidlins «Ustü-Komitee» vor. Dort werden namhafte Laufner Persönlichkeiten aufgeführt; darunter viele ehemalige und aktuelle Mitte- und FDP-Mitglieder. Genannt werden auch die Laufner Landräte Martin Dätwyler (FDP) und Marc Scherrer (Mitte) als Einzelunterstützer. Ihre Parteien fassten keine offiziellen Parolen.
Zur Kandidatur motiviert wurde Schmidlin vordergründig durch Urs Steiner, amtierender Verwaltungsratspräsident der Industriellen Werke Basel (IWB), ehemaliger FDP-Landrat und Laufner Gemeindepräsident. Die Kritik am Flyer zeige die Oberflächlichkeit der Diskussion, erwidert dieser. «Uns waren die fünf Botschaften auf dem Flyer wichtig, die Schmidlins glasklare politische Ziele abbilden – nicht das Hintergrundbild, das nicht im Fokus stand.»
Unter den 25 Personen befinden sich auch vier Unterstützerinnen. Zu diesen gehört Burgerpräsidentin Kathrin Hecht. «Nicht das Geschlecht sollte entscheiden, sondern die Kompetenzen», schreibt sie in einem Leserbrief im «Wochenblatt». Auch die SVP Laufental unterstützt die Kandidatur Schmidlins — sogar monetär, wie der Zwingner Gemeindepräsident Ermando Imondi bestätigt. «Wir haben einen finanziellen Beitrag für den Wahlkampf geleistet.»
Die GLP-Landrätin Margareta Bringold entgegnet jedoch: «Laufen braucht eine kompetente Frau im Stadtrat.» Deshalb habe die GLP Laufental die Parteilose Rahmani-Sinani Ende Juli zur Kandidatur bewogen. Ihre Sozialkompetenz und ihre beruflichen Kenntnisse seien wertvoll.
Rassismus und hässliche Szenen im Wahlkampf
Unterstützt werde sie von der Partei aber nur ideell, nicht finanziell, sagt Bringold. Ihr Laufner Parteikollege Dominik Kilchmann organisiert den Wahlkampf und die Podiumsdiskussion zwischen Rahmani-Sinani und Schmidlin Ende August im Schlachthaus.
Nebst sachlichen Fragen sah sich die Kandidatin dort auch mit rassistischen Äusserungen konfrontiert. Ein älterer Herr soll ihr kurz vor dem Podium gesagt haben, dass er jemanden mit ihrem Namen nicht in den Stadtrat wähle, weil sie «muslimische Gräber» in Laufen anlegen würde. Offenbar wurde die Kandidatin, die als Vertreterin der dritten Einwanderergeneration in Laufen gut integriert ist, von Vereinzelten nach dem Podium sogar zum Rückzug ihrer Kandidatur aufgefordert, da sie an den Gemeindeversammlungen sowieso kein Gehör fände.
Trotz der diskriminierenden Vorfälle bleibt Rahmani-Sinani eine breite Unterstützung gewiss: Die SP fasste sogar die offizielle Parole und empfiehlt sie zur Wahl, wie Landrat Rolf Stöcklin von der SP-Sektion Laufen bestätigt. «Finanzell beteiligen wir uns nicht.» Unter dem Slogan «Frauen für Fathia» stellen sich auch rund 58 Laufnerinnen im «Wochenblatt» namentlich hinter die Kandidatin. Darunter auch Rosetta «Mamma Rosa» Esteriore, die Mutter der Laufner Italo-Pop-Ikonen «Esteriore Brothers».


