Lässt sich der Kanton Mieteinnahmen in Millionenhöhe entgehen?

Das Alters- und Pflegeheim Wollmatt braucht infolge Sanierung seines Gebäudes in Dornach ab 2027 für 20 Monate ein Dach über dem Kopf und möchte das alte Spitalgebäude in Laufen mieten. Der Baselbieter Regierungsrat lässt die Bewohnenden und Mitarbeitenden im Regen stehen.

Vor dem ehemaligen Spitalgebäude: Landrätin Margareta Bringold setzt sich für eine Zwischennutzung ein. Foto: Gaby Walther
Vor dem ehemaligen Spitalgebäude: Landrätin Margareta Bringold setzt sich für eine Zwischennutzung ein. Foto: Gaby Walther

«Warum gibt man der Stiftung keine Antwort?», wollte Landrätin Margareta Bringold in der Fragestunde vom Vorsteher des Baudepartements, Isaac Reber, wissen. Das Alters- und Pflegeheim Wollmatt aus Dornach hatte im Sommer 2025 angefragt, ob es ab 2027 für 20 Monate das alte Spitalgebäude in Laufen mieten kann. Auf Verhandlungen wartet die Stiftung seither vergebens. Sie wurde vom Kanton in der Warteschlaufe abgestellt.

«Solange die strategischen und eigentumsrechtlichen Rahmenbedingungen nicht geklärt sind, kann der Kanton keine verbindlichen Aussagen zu einer befristeten Zwischennutzung des Gebäudes machen. Eine vorgängige Festlegung auf eine Nutzung — auch in Form einer Zwischennutzung — würde den laufenden Klärungsprozess präjudizieren und den strategischen Handlungsspielraum des Kantons einschränken», sagte Reber nun im Landrat.

Der Kanton nutzt das Gebäude seit 2024 als Durchgangszentrum für Flüchtlinge. Juristisch wurde um diese Nutzung gestritten, da für das Areal nach wie vor die Bestimmungen der Sonderzone Spital gelten — und sie ist limitiert. Das «Wochenblatt» fragte beim zuständigen Departement nach, wann das Durchgangszentrum ausziehen wird. «Die Stadt Laufen hat den Betrieb des Erstaufnahme- bzw. Durchgangszentrums im ehemaligen Spitalgebäude bis zum 31. Dezember 2026 bewilligt. Für die Zeit danach bereitet der Regierungsrat zurzeit einen Beschluss vor, über den zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Auskünfte erteilt werden können», lautet die Antwort. Wie es mit dem alten Spital weitergeht, kann auch Laufens Stadtpräsident Pascal Bolliger nicht sagen. «Die Verhandlungen über eine Rückgabe des Landes an die ursprünglichen Eigentümer, an die Stadt Laufen und an die Stadtburger wurden nun wieder aufgenommen. Der Regierungsrat liess sich etwas Zeit.» Bolliger erinnert daran: «Die Vereinbarung, die man im Rahmen der Spitalschliessung ausgehandelt hatte, scheiterte an der Urne.» Das Areal sei heute im Eigentum des Kantons Baselland. Die Schenkung sei ursprünglich aber nur für den Betrieb eines Spitals erfolgt, deswegen müsse das Land an die Stadt Laufen und an die Stadtburger zurückgehen. Im Rahmen der angelaufenen Zonenplanrevision werde sich die Stadt Laufen der Frage der künftigen Nutzung des Areals annehmen — dabei werde selbstverständlich die Bevölkerung miteinbezogen werden, erklärt Bolliger.

«Bis zur definitiven Klärung der Zukunftsfragen — insbesondere auch juristisch — werden noch Jahre vergehen. Deswegen ist es nicht nachvollziehbar, warum der Regierungsrat das Gebäude der Stiftung Wollmatt nicht zusichern kann. Es geht um eine Zwischennutzung im Pflegebereich, die für 20 Monate zeitlich befristet ist. Es handelt sich um eine Institution mit Bewohnerinnen und Bewohnern und Mitarbeitenden aus dem Schwarzbubenland und aus dem Baselbiet, die auf eine regionale Lösung angewiesen ist», gibt Margareta Bringold zu bedenken.

Temporäre Unterbringung eines Pflegeheims mit 68 Betten

«Es liegt auf der Hand, dass es für die temporäre Unterbringung eines Pflegeheims mit 68 Betten kaum Alternativen gibt. Die Zeit drängt, die Stiftung braucht Planungssicherheit. Nachdem der Kanton für die Unterbringung der Flüchtlinge aus der Ukraine innert kurzer Zeit eine Lösung bereitstellen konnte, gehe ich davon aus, dass er dies auch bei anderen Notfällen kann. Zudem ist es nicht hinzunehmen, dass sich der Kanton Baselland die Mieteinnahmen von rund einer Million Franken entgehen lässt», hält Bringold gegenüber dieser Zeitung fest. Deswegen ist sie davon überzeugt, dass sich die Baselbieter Bevölkerung nun für dieses Anliegen einsetzen sollte. Es sei noch offen, in welcher Form, doch mit einem klaren Zeichen soll man der Regierung auf die Sprünge helfen.

«Die beste Variante, für die wir ja auch Miete bezahlen werden»

Bruno Planer, Präsident der Stiftung Wollmatt, erklärt auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Stiftung Wollmatt diverse Möglichkeiten geprüft habe. «Nach der Besichtigung des Gebäudes in Laufen zeichnete sich ab, dass dies die beste Variante ist, für die wir ja auch Miete bezahlen würden.» Während sich die Regierung Zeit lasse, stehe für das Heim viel auf dem Spiel. Beim Gebäude in Dornach gehe es um eine Kernsanierung. «Dies lässt sich nicht bei laufendem Betrieb realisieren. Wir sind darauf angewiesen, geeignete Räumlichkeiten zu einem bezahlbaren Preis zu finden», gibt Planer zu bedenken.

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