Immer einen Schritt voraus
Der Kreis schliesst sich: Franz Jermann initiierte vor 40 Jahren in Dittingen die Fernwärme und profitiert nun vom Erweiterungsprojekt der Burger.

Dittingen
«Das Heizen mit Holz gehört zu meinen Jugenderinnerungen. Mein Vater war Fuhrmann und brachte den Bürgerinnen und Bürgern das Holz nach Hause, das sie zum Heizen und Kochen benötigten. Mit dem Wandel der Zeit stellten dann aber auch in Dittingen viele Hausbesitzer von Holz auf Öl um. Damals waren die Bürger- und die Einwohnergemeinde noch eins und wurden erst später getrennt. Die Gründung der Burgerkorporation Dittingen kam 1995 nach dem Kantonswechsel», erzählt Franz Jermann, alt Gemeindepräsident und früherer Präsident des Burgerrats. Er ist der Initiant der Dittinger Fernwärme mit Holzschnitzel, die bei ihrer Gründung vor 40 Jahren quer in der Landschaft stand und heute als zukunftsweisend gilt, insbesondere aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit. «Als Präsident der Burgerkommission hatte ich damals vorgeschlagen, für das Gemeindehaus sowie das Schulhaus mit dem damaligen Hallenbad ein Fernwärmesystem einzuführen, das mit Holzschnitzel aus dem eigenen Wald betrieben wird und an das sich die Kirchenliegenschaften anschliessen können», erinnert sich Franz Jermann. In seiner Tätigkeit als Verkaufsberater sei er viel herumgekommen, dabei sei er im Luzernischen auf ein gut funktionierendes Fernwärmesystem aufmerksam geworden. Die Fernwärme sei in urbanen Gebieten lukrativer, sie könne aber auch in ländlichen Gemeinden zukunftsweisend sein, insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung des eigenen Waldes, konstatiert Franz Jermann. Seine Argumentation überzeugte die Dittingerinnen und Dittinger in den 80er-Jahren. «Der Investitionskredit in sechsstelliger Höhe wurde von der Gemeindeversammlung fast einstimmig verabschiedet», erinnert sich Jermann.
Seither hat sich Dittingen sichtbar verändert, geblieben sind der Sinn für Nachhaltigkeit und die Bereitschaft, für ein Gemeinschaftswerk in Vorleistung zu gehen. In den letzten drei Jahren sprach die Burgerkorporation Dittingen für die Erneuerung und Erweiterung der Fernwärme Kredite in Millionenhöhe. «Das fliesst aber wieder zurück, es gibt keine Quersubventionierung. Die Amortisationskosten gehen zulasten der Wärmebezüger. Sie bezahlen dies über den Wärmepreis und die Grundgebühr. Auf ihre Rechnung gehen auch alle Installationskosten ab der Hauptleitung», sagt der heutige Präsident der Burgerkorporation Dittingen, Ueli Jermann. Nebst dem Komfort, dass man sich um nichts mehr kümmern müsse, lohne sich der Anschluss an die Fernwärme auch finanziell. «Er fällt in der Gesamtbilanz über die Jahre gerechnet oft günstiger aus als eine Wärmepumpe oder Pellet-Heizung.» Das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint in Dittingen zu stimmen, wobei die Gesetzesrevision und das finanzielle Anreizsystem des Kantons Baselland das Fernwärmesystem begünstigen. Jedenfalls hat sich die Anzahl der Fernwärmebeziehenden in den letzten Jahren verdoppelt und die Nachfrage steigt weiter, resümiert Ueli Jermann. Aktuell umfasse die Fernwärme 140 Wohneinheiten und komme im Moment jährlich auf eine Produktion von gegen 1,9 Millionen Kilowattstunden. Erreicht werde dies mit rund 2400 Kubikmetern Holzschnitzel. Damit leiste Dittingen einen wesentlichen Beitrag an eine sinnvolle Nutzung des Holzes, das jährlich im Wald geschlagen werde. «Verbrennt wird nur das Holz, das sich nicht für die Weiterverarbeitung eignet, wobei Dittingens Eigenbedarf nach wie vor geringer ist als die anfallende Holzmenge», betont Ueli Jermann. «Ein Teil unseres Schnitzelholzes geht in den Kanal für die grossen Fernwärmesysteme der Agglomeration Basel.» Gemessen an der Gesamtmenge Holz, die in einem Jahr im Dittinger Forst geschlagen werden dürfe, mache das Schnitzelholz rund einen Drittel aus. Jermann erinnert daran, dass die vom Kanton genehmigten Hiebsätze so ausgelegt sind, dass sich die Waldfläche über die Jahre hinweg nicht verringert. Die Waldeigentümerinnen und -eigentümer sind gesetzlich verpflichtet, zwischen der Nutzung des Holzes und der Wiederaufforstung einen Ausgleich zu schaffen.
Ein neuer Heizkessel musste her
Für Ueli Jermann ist klar: «Ohne die Weitsicht vor 40 Jahren und das Engagement von Burgerschaft und Förster stünde man jetzt auch in Dittingen bei der Fernwärme erst am Anfang; ein solcher ist immer schwer — wie die aktuellen Diskussionen in anderen Gemeinden zeigen. Bei uns dreht sich alles um die Frage, in welchem Rahmen die Fernwärme sinnvoll erweitert werden kann.» Zur Ausgangslage zählte, dass der 40-jährige Heizkessel beim Schulhaus ausgewechselt werden musste — «nicht weil er den Geist aufgegeben hatte, sondern weil er nicht mehr kompatibel war mit den heutigen Anforderungen im Bereich der Luftreinhaltung», führt Ueli Jermann aus. «Die Projektgruppe legte der Burgerversammlung einen Vorschlag für eine sukzessive Erweiterung der Fernwärme vor. Während der Ausbau im Dorfkern abgeschlossen werden konnte, ist in den Quartieren der Einbau der Leitungen jeweils dann vorgesehen, wenn ausreichend Anfragen vorhanden sind oder wenn die Gemeinde eine Strassensanierung vornimmt.» Dies sei aktuell im Hollenweg der Fall und damit schloss sich der Kreis: 40 Jahre, nachdem er die Fernwärme in Dittingen lancierte, kann Franz Jermann nun auch das Haus seiner Familie anschliessen. «Als wir von der Erweiterung hörten, zögerten meine Frau und ich keinen Moment. Der Anschluss an die Fernwärme ist für unsere Liegenschaft eine Investition in die Zukunft. Wir entschlossen uns, die noch gut funktionierende Pellet-Heizung auszubauen, und geniessen nun den Komfort der Fernwärme», freut sich Franz Jermann.


