«Kurzfristig ist ein Umstieg nicht möglich»

Grellingen entschied sich an ihrer Gemeindeversammlung im Dezember gegen einen Wärmeverbund mit Schnitzelheizung. Im Interview erklärt Gemeindepräsident Peter Pflugi, warum die Gemeinde vorerst weiterhin mit Öl heizen wird.

Grellingen heizt weiterhin mit Öl: Gemeindepräsident Peter Pflugi erklärt, nach welchem Konzept die Gemeinde vorgehen will. Foto: zvg
Grellingen heizt weiterhin mit Öl: Gemeindepräsident Peter Pflugi erklärt, nach welchem Konzept die Gemeinde vorgehen will. Foto: zvg

Seit Januar 2026 dürfen im Kanton Baselland grundsätzlich keine neuen Ölheizungen mehr installiert werden. Beim Ersatz einer bestehenden fossilen Anlage muss in der Regel eine Heizlösung mit erneuerbarer Energie eingebaut werden (Wärmepumpe, Holzheizung, Fernwärme). Die Gemeinde Grellingen ist bisher bei ihrem Versuch, von Öl auf Holzschnitzel umzustellen, gescheitert. Gemeindepräsident Peter Pflugi erklärt, warum die Gemeinde vorerst weiterhin mit Öl heizen wird.

Welche Schlussfolgerung zog der Gemeinderat nach dem Nein der Gemeindeversammlung zum Wärmeverbund mit Schnitzelheizung?

Die Analyse zeigt, dass die Gemeinde auf zwei Ebenen aktiv werden muss. Einerseits auf der strategischen und konzeptionellen Ebene für eine mittel- bis langfristige und nachhaltige Lösung der Wärmeversorgung für die Mehrzweckhalle, die Primarschule und den Werkhof. Andererseits auf der vertraglichen Ebene mit den beteiligten Parteien, namentlich mit den Investoren der nahen Überbauungen sowie mit dem angedachten Betreiber des Wärmeverbunds.

Tritt die Befürchtung ein, dass auf Grellingen Schadensersatzforderungen zukommen?

Die Gemeindeversammlung ist am 2. Dezember 2025 durchgeführt und 30 Tage später, also Anfang Januar 2026, rechtskräftig geworden. Die Gespräche mit allen beteiligten Parteien konnten deshalb erst im Januar aufgenommen werden. Der Gemeinderat hat an der Gemeindeversammlung darauf hingewiesen, dass die Situation komplex ist. Die verschiedenen Aspekte werden nun mit allen beteiligten Parteien systematisch besprochen. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen keine Schadensersatzforderungen gegenüber der Gemeinde.

Wie lange wird die Gemeinde noch mit Öl heizen?

Obwohl im Jahr 2026 viele Alternativen zu Ölheizungen auf dem Markt verfügbar sind, ist zu erwähnen, dass die Heizanlage der Gemeinde erst fünf Jahre alt ist. Der damalige Entscheid für Öl berücksichtigte, dass die Vorlauftemperatur im Primarschulhaus hoch sein muss. Zudem war vorgesehen, die Ölheizung nicht als Dauerlösung, sondern als Übergangs- und Back-up-Lösung im Rahmen des geplanten Wärmeverbunds einzusetzen. Das war der Vorschlag für eine nachhaltige Wärmeversorgung. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es unumgänglich, zuerst strategische und konzeptionelle Grundlagen zu erarbeiten, bevor überstürzt eine neue Heizung installiert wird. Zusätzlich ist die Gemeinde finanziell — wie viele Haushalte auch — nicht in der Lage, allein aufgrund einer Gesetzesänderung kurzfristig nachhaltige Heizungen zu installieren. Die Gemeinde als öffentliches Organ hat jedoch eine Vorbildfunktion, der sie in den kommenden Jahren schrittweise gerecht werden will. Gesetzesrelevante Anpassungen (im kleinen Rahmen) werden rasch umgesetzt werden.

Worum geht es bei diesen Anpassungen?

Dies betrifft die Warmwasseraufbereitung, sie darf nicht mehr über die Ölheizung erfolgen. Es braucht zusätzlich eine Wärmepumpe für den Warmwasserboiler. Den dafür benötigten Strom können wir aus der bestehenden Photovoltaikanlage beziehen.

An der Gemeindeversammlung wurde moniert, die Ölheizung laufe — so wie sie aktuell konzipiert ist — betriebstechnisch nicht optimal. Wie bekommt man dies in den Griff?

Die bestehende Ölheizung wurde ursprünglich so ausgelegt, dass sie als Back-up-Lösung für den Wärmeverbund dient. Für den heutigen Einsatz für die Mehrzweckhalle und die Primarschule ist der Ölkessel überdimensioniert. Es werden nur 15 Prozent verwendet. In der Tat traten Probleme auf, die aber behoben werden konnten. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden Vorkehrungen zur Eindämmung der Überdimensionierung getroffen. Der Gemeinderat legt Wert darauf, keine kurzfristigen Einzelmassnahmen zu beschliessen, sondern die Ergebnisse der konzeptionellen Arbeiten abzuwarten und darauf abgestützt zu handeln.

Wie hat sich der Gemeinderat zur Erarbeitung einer neuen Lösung organisiert?

Der Gemeinderat verfolgt einen strategischen und konzeptionellen Ansatz und stellt sicher, dass technische, rechtliche und finanzielle Aspekte koordiniert beurteilt werden. Zu diesem Zweck wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus der Exekutive und der Verwaltung eingesetzt, welche die relevanten Fragestellungen bündelt und die Entscheidungsgrundlagen für den Gemeinderat erarbeitet.

Der alte Gemeinderat ist bei seinem Versuch, von Öl auf Schnitzel umzusteigen, gescheitert. Was hat der neue Gemeinderat daraus gelernt?

Der Gemeinderat und die Verwaltung haben mit dem Abgang der Verwalterin Anfang 2025 entschieden, eine sogenannte Flow-Kultur einzuführen. In diesem Prozess werden neben der Organisationskultur auch Kompetenzen und Risiken überprüft und in die neue Organisation integriert. In der neuen Organisationsform ist die Verwaltung ein strategischer Sparringspartner des Gemeinderats. Ziel dieser Neuorganisation ist es, strategische Projekte frühzeitig, breit abgestützt und interdisziplinär zu diskutieren. In diesem Zusammenhang hat per 1. November 2025 ein erfahrener Baukoordinator seine Tätigkeit bei der Gemeinde aufgenommen, der den Gemeinderat insbesondere in konzeptionellen Fragestellungen unterstützt.

Wird das Thema wieder vor die Gemeindeversammlung kommen?

Die Kompetenzen sind in der Gemeindeordnung geregelt. Ausgaben über 50000 Franken müssen von der Gemeindeversammlung genehmigt werden. Der mögliche Investitionsbedarf kann erst nach Abschluss der konzeptionellen Arbeiten bestimmt werden.

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