Kunst im Duft der Kräuter
Das Leben ist nicht nur süss wie Bonbons, sondern oft auch schwierig und kompliziert. Kunst, die sich kritisch mit der Gegenwart auseinandersetzt, ist das Konzept der Sammlung Ricola.

Ein Clubtisch aus den 1970er-Jahren, darauf eine Serviette und darunter versteckt ein Gedichtband – es ist nicht immer einfach, Kunst zu verstehen. Genau solche Kunst, die nicht den Anspruch hat, schön zu sein, sondern schwierig ist, kritisch hinterfragt, das Zeitgeschehen mit eigenen Mitteln darzustellen versucht, sind in den Betriebsräumen der Ricola ausgestellt. Am letzten Freitag hatten 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Volkshochschule beider Basel Gelegenheit, in einer Führung einen Teil der Sammlung Ricola zu betrachten.
Firmengründer Emil Richterich begann bereits in den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts, regionale Kunst zu erwerben. Im Jahr 1975 bauten dessen Enkel eine Firmensammlung mit aktueller Schweizer Kunst, die spätere Sammlung Ricola, auf. «Aus Vergnügen und Konsum allein entsteht kein Sinn. Aus Arbeit alleine auch nicht», schreibt Lukas Richterich, Vizepräsident der Ricola Holding AG. Und so ist die Sammlung nicht für Besucher, sondern hauptsächlich für die Mitarbeitenden der Ricola gedacht. Diese haben die Gelegenheit in internen Führungen, die Gedanken hinter dieser Kunst der Gegenwart kennen zu lernen und sich damit auseinanderzusetzen.
Die Sammlung Ricola umfasst rund 600 Werke bekannter und weniger bekannter Künstler aus den Jahren 1950 bis zur Gegenwart. Ein Teil davon ist in den drei Gebäuden an der Baslerstrasse in Laufen ausgestellt. Das meiste sind Frühwerke der betreffenden Künstler. So blinkt in einem Sitzungszimmer eine Wunderlampe aus dem Jahre 1993 von Pipilotti Rist, andernorts steht ein Objekt von Jean Tinguely. Es ist spannend, durch die Büroräumlichkeiten zu gehen und zwischen dem Alltäglichen von Computern und Papierkram moderne Kunst zu entdeckt. Sie regt an zum Staunen und Sichwundern. Da sind ein Pelzmantel und ein goldener Hut aufgehängt, Leinwände mit grafischen Mustern oder in knalligem Grün gesellen sich zu Fotografien und Skulpturen. Im Marketinggebäude, von Herzog & de Meuron erbaut, ist sogar Kunst am Bau zu bewundern. So haben die bunten Vorhänge aus Wollensträngen nicht nur den Zweck, Einsicht zu verhindern, sondern können nach Belieben arrangiert werden. «Wir kaufen Werke aus der aktuellen Kunstszene, solche, die neue Positionen beziehen, Grenzen setzen, diskutiert werden», erklärt Kurator Roman Kurzmeyer. Erstmals wurde am 15. Januar von Ricola Sammlung ein Kunstpreis verliehen, und zwar an den in New York lebenden Schweizer Künstler Bruno Jakob für seinen Beitrag zur zeitgenössischen Malerei. Weitere Preise sollen folgen, aber auch Vorträge von Künstlern zu ihren Werken. So ist geplant, dass im Frühling Pipilotti Rist die Firma in Laufen besuchen kommt.


