Kanton Jura setzt auf Biogas aus der Region
Die Gastankstelle in Laufen auf dem Areal der Bieli AG besteht seit 16 Jahren. Nun schliesst diese wichtige Alternative zu Benzin- und Dieseltankstellen im Laufental. Eine Gastankstelle in Delémont wurde vor Kurzem renoviert.

Die Medienmitteilung im «Wochenblatt» vom 12. Februar hat für Aufsehen gesorgt. «GASAG schliesst Gastankstelle Laufen» titelte die Medienmitteilung der Primeo Energie, die zuständig ist für die Versorgung der Erdgas AG Laufental-Thierstein (GASAG). Grund für die Schliessung sei der kontinuierliche Rückgang der Betankungen in den letzten Monaten, erklärt Linde Meneghin. Bereits seit einigen Jahren seien in der Schweiz nur noch importierte Erdgasfahrzeuge erhältlich, sagt die Geschäftsführerin GASAG. «Aktuell werden durchschnittlich nur noch drei Fahrzeuge täglich an diesem Standort getankt», so Meneghin, die ihrem Bedauern Ausdruck gibt, da es sich doch beim Fahren mit Bio-Erdgas um eine nachhaltige Alternative zu Benzin und Diesel handle. Von den insgesamt 125 Gastankstellen in der Schweiz sind nach der Schliessung in Laufen die nächstgelegenen in Aesch, Arlesheim, Basel (Dreispitz) und Delémont erreichbar.
Bedauern über die Schliessung
Auf die negative Medienmitteilung meldete sich Enrico Riboni aus Delémont umgehend auf der Redaktion des «Wochenblatts». «Wir waren traurig, als wir in ihrer Zeitung von der Schliessung der Erdgastankstelle in Laufen gelesen haben», schrieb der Geschäftsführer von «Energie du Jura» (EDJ). Gleichzeitig informierte er über die Erdgastankstelle Delémont, die soeben renoviert wurde und auf dem Areal der Agrola-Tankstelle liegt. Zwar erwirtschafte EDJ auch keine grossen Gewinne mit der Gastankstelle, aber sie will doch umweltbewussten Autofahrerinnen und -fahrern die Möglichkeit bieten, lokales, nachhaltig erzeugtes Gas zu tanken. Mit Begeisterung zeigte Enrico Riboni «seine» erneuerte Tankstelle, die seit Anfang Jahr in Betrieb ist. Hier kann — nebst importiertem Erdgas — Biogas (Biomethan), das auf einem nur drei Kilometer entfernten Bauernhof produziert wird, getankt werden. Die Kundschaft kann ihren Treibstoffmix selbst wählen: ein Gemisch aus 80 Prozent Erdgas und 20 Prozent Biogas aus dem Jura; oder ein Gemisch aus 50 Prozent Biogas und 50 Prozent Erdgas. Wer es noch umweltfreundlicher und nachhaltiger mag, tankt in Delémont 100 Prozent Biogas von diesem nahegelegenen Bauernhof. Verständlich, dass letztere Variante allerdings auch die teuerste ist.
Ideale Bedingungen für Biogasanlagen
Der Kanton Jura mit seinen weiten Landschaften, den vielen Pferden und anderen Tieren der Landwirtschaft liefere ideale Bedingungen für die Produktion von Biomethan, das vorwiegend aus Pferde- oder Kuhmist, aber auch aus Kompost hergestellt wird, erklärt Enrico Riboni. Er zeigt eine Tabelle mit dem Faktor der Grossvieheinheiten in diversen Kantonen. «Der Kanton Jura mit dem Faktor 0,85 (Grossvieheinheiten pro Einwohner) ist dem Kanton Basel-Landschaft mit dem Faktor 0,10 haushoch überlegen», argumentiert Riboni. «Energie du Jura» macht sich seit Jahren stark für den Bau von Biogasanlagen im Kanton Jura. EDJ-Geschäftsleiter Riboni freut sich, dass in Bure, im Westen des Kantons Jura, eine bereits bestehende Anlage, die bisher Strom produzierte, auf die Produktion von Biomethan umgebaut wird. Mit biogasbetriebenen LKWs wird dieses Biogas zur bereits erwähnten Biogasanlage nähe Delémont gefahren, wo es in das Gasnetz eingespeist wird. Dieser Biomethantransport per LKW sei übrigens eine Premiere in der Schweiz, erklärt Enrico Riboni.


