Jungparteien debattierten am Gymnasium Laufental-Thierstein
Wie umgehen mit Social Media, Krieg, sexualisierter Gewalt oder gesellschaftlicher Polarisierung? Darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Baselbieter Jungparteien am Gymnasium Laufental-Thierstein in Laufen. Die Schülerinnen und Schüler bestimmten die Themen vorgängig selbst.
Laufen
Politische Bildung soll am Gymnasium Laufental-Thierstein nicht nur im Unterricht stattfinden. «Die Schule ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung», hielt Konrektorin Tiziana Radici zur Begrüssung eines Politpodiums vergangene Woche fest. Ebenso wichtig sei die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Entsprechend aufmerksam verfolgten die anwesenden MAR-Klassen die rund einstündige Diskussion mit anschliessender Fragerunde.
Auf dem Podium sassen Benji Hirt (Juso BL), Lorena Zanoni (Junge Grüne BL), Aaron Dec (Junge Mitte BL), Cyril Bleisch (Jungfreisinnige BL) und Sarah Regez (Junge SVP BL). Moderiert wurde der Anlass von Martina Inglin, Journalistin beim «Regionaljournal Basel Baselland». Das Setting erinnerte an eine TV-Diskussion: Jede Politikerin und jeder Politiker sass an einem eigenen kleinen Tisch mit Rednerpult.
Organisiert wurde die Veranstaltungsreihe von der Jungen Mitte Baselland. Sämtliche Baselbieter Gymnasien waren oder sind noch Gastgeber für ein Podium mit den Jungpolitikerinnen und Jungpolitikern. Co-Präsident Aaron Dec erklärte, dass die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld selbst Themenvorschläge einreichen konnten. Ausgewählt wurde aus insgesamt 16 Vorschlägen. Diskutiert wurde schliesslich über Social Media und mentale Gesundheit, Krieg und Solidarität mit Geflüchteten, sexualisierte Gewalt sowie gesellschaftliche Polarisierung. «Wir wollen Politik machen, die von einer Mehrheit getragen wird», sagte Dec einleitend. Gerade in Zeiten zunehmender Extreme brauche es seiner Meinung nach den Dialog.
Dass dieser Dialog nicht immer harmonisch verlief, zeigte sich rasch. Trotz Moderatorin Martina Inglins Appell zu Beginn, die Diskussion respektvoll zu führen und einander ausreden zu lassen, verlief die Debatte zeitweise spürbar gereizt. Die bereits 32-jährige Sarah Regez, im Vorstand der Jungen SVP Baselland und Strategiechefin der Jungen SVP Schweiz, verfügt bereits über mehr politische Erfahrung als die übrigen Podiumsteilnehmenden. Sie beanspruchte im Vergleich zu den anderen auffallend viel Redezeit für sich und scheute auch nicht davor zurück, ihre Mitdiskutierenden in ihren Voten zu unterbrechen.
Nicht nur beim Thema Krieg und Solidarität mit Geflüchteten prallten die Positionen frontal aufeinander. Lorena Zanoni sprach von einem «schönen Moment», als sich die Schweiz solidarisch mit der Ukraine gezeigt habe. Regez hingegen kritisierte den Schutzstatus S und pochte auf die Neutralität der Schweiz. Benji Hirt hielt dagegen: «Auch wenn man neutral ist, muss man den Aggressor benennen können.» Aaron Dec wiederum betonte, die Schweiz dürfe «kein Schlupfloch für Sanktionen» sein.
Auch bei der Diskussion über Social Media und mentale Gesundheit gingen die Meinungen auseinander. Hirt sprach sich gegen Verbote aus und forderte mehr Aufklärung an Schulen. «Social Media kann auch Bildung vermitteln», sagte er. Cyril Bleisch bezeichnete soziale Medien als «zweischneidiges Schwert» und warnte ebenfalls davor, Kompetenzen durch Verbote zu schwächen. Regez appellierte an die Vorbildfunktion der Erwachsenen: «Wenn diese den ganzen Tag am Handy hängen, wollen die Kinder das auch.» Dec wiederum forderte, auch die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen. Beim Thema sexualisierte Gewalt herrschte zwar Einigkeit darüber, dass Prävention wichtig sei, weitere Lösungsansätze unterschieden sich jedoch deutlich. Zanoni sprach von einem gesellschaftlichen Problem und forderte mehr Aufklärung über Konsens und Grenzen. Bleisch plädierte für härtere Strafen und kritisierte ein aus seiner Sicht zu lasches Justizsystem. Regez wiederum lehnte es ab, zu viel Ideologie in den Unterricht einfliessen zu lassen. «Man kann den ganzen Genderquark verräumen», erklärte sie und löste mit dieser provokanten Aussage bei den anderen Podiumsteilnehmenden Kopfschütteln aus.
In der anschliessenden Fragerunde zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler die Diskussion aufmerksam verfolgt hatten. Besonders Regez wurde mehrfach direkt herausgefordert – etwa zu ihren Aussagen über den Islam oder zur Religionsfreiheit. Trotz teils hitziger Wortwechsel zeigte das Podium eindrücklich, dass eine neue Generation Politikerinnen und Politiker bereitsteht. Oder wie Benji Hirt zum Abschluss sagte: «Wir Jungen müssen unsere Stimmen nutzen und mitgestalten.»


