Heimat aus der Flasche

Wer vom eigenen Wein träumt, muss nicht in die Toscana ziehen. In Dittingen geht das bequemer. Und besser!

Profi: Rolf Bolliger in den Laufner Reben. Foto: Gini Minonzio
Profi: Rolf Bolliger in den Laufner Reben. Foto: Gini Minonzio

Wenn ich will, dass etwas immer gleich schmeckt, so trinke ich Cola», sagt Rolf Bolliger, Rebmeister des Museums-Rebberges in Laufen. Und drückt damit seine Meinung über amerikanischen Wein aus. Der immer gleiche Geschmack ist ein Makel, den man dem Museumswein nicht vorwerfen kann. Besonders der Jahrgang 2013 könnte etwas für treue Liebhaber werden, die auch einen schwierigen Wein zu schätzen wissen. Denn nach dem späten Frühling haben die Trauben noch immer eine Verspätung von zwei Wochen. «Bis zur zweiten Oktoberhälfte muss die Sonne noch ordentlich scheinen, sonst wirds kein guter Jahrgang», so Bolliger. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth Bolliger pflegt er in 110 Arbeitsstunden pro Jahr die 200 Rebstöcke Blauburgunder oberhalb des Spitals Laufen. Arbeiten können sie nur, wenn das Gras wirklich abgetrocknet ist, denn das Gelände ist steil, sehr steil. Den grössten Teil der 350 Flaschen Rotwein trinken die Mitglieder des Museumsvereines selber oder die Stadt Laufen schenkt ihn bei Apéros aus.

Ähnlich sieht es im Rebberg Chattel in Dittingen aus. Auch Franz Jermann, Präsident der Rebzunft zum Chattel, hofft noch auf sonnige Herbsttage, damit der Zuckergehalt der Trauben noch steigt. Der Rebberg Chattel ist ein Produkt der Jahrtausendwende. Damals war Jermann Dittingens Gemeindepräsident und hatte schon lange die Idee, dass Dittingen wieder einen Rebberg haben sollte. Es dauerte eine Weile, bis der Verein Rebzunft zum Chattel alle nötigen Bewilligungen hatten, erzählt Jermann. Als Auflage hat die Zunft einen Zaun ums Gelände aufgestellt, um die Rehe zu schützen, und ein Zaun um die Reben, damit sich im Herbst keine Igel im Vogelnetz verheddern können. 600 Stunden arbeiten die 35 Vereinsmitglieder, um den Winterschnitt zu machen, die 1700 Rebstöcke aufzubinden, die überzähligen Triebe auszubrechen, die Triebe zu entspitzen, die überzähligen Trauben und Blätter zu entfernen. Erst dann geht es ans Ernten. «Wir treffen uns im Sommer jeden Freitagabend für diese Arbeiten und suchen dafür neue Vereinsmitglieder», so Jermann.

Die Frage aller Fragen ist natürlich, wie der Wein schmeckt. Der Laufner Museumswein wird von Stephan Gschwind in Therwil gekeltert. Hingegen wird der Chattel-Wein von Tschäpperliweine aus Aesch gekeltert. Deshalb schmecken die beiden Blauburgunder recht verschieden. Und sie schmecken gut. Der 11er-Chattel sogar sehr, sehr gut. Das hätte man diesen beiden Lagen nicht zugetraut. Doch die Lage ist ja nur eine der drei Säulen für einen guten Wein. Dazu kommt die Pflege der Rebstöcke. Diese lässt das Herz strahlen. So sauber und liebevoll gepflegte Trauben sieht man nicht alle Tage! Und die dritte Säule ist der Keller. Die beiden Kellermeister verstehen ihre Sache offenbar gut. Das schätzt man auch am Weisswein Riesling-Sylvaner, den die Rebzunft zum Chattel produziert. Wer ihn kosten möchte, meldet sich am besten bei der Rebzunft und hilft bei der Produktion mit.

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