Grosse Vorfreude auf den neuen Jahrgang

Der Rekordsommer 2026 mit Hitze, Trockenheit und einer ungewöhnlich frühen Reife beschert den Winzerinnen und Winzern im Laufental, Thierstein und Schwarzbubenland hervorragende Traubenqualität — allerdings bei teilweise deutlich kleineren Erträgen.

Hervorragende Qualität: Die Riesling-Sylvaner-Trauben versprechen einen guten Jahrgang. Foto: Simon Jermann
Hervorragende Qualität: Die Riesling-Sylvaner-Trauben versprechen einen guten Jahrgang. Foto: Simon Jermann

Gina Hänggi von Amphor in Nunningen bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Jan Reben in Laufen, Zwingen und Ormalingen. Sie ist Agronomin, er Chemiker. Am Firmen- und Wohnsitz in Nunningen wurde kräftig investiert: Eine neue Produktionsanlage ist inzwischen in Betrieb. Auch bei der Bewirtschaftung setzt Amphor auf moderne Technik. Eine Drohne bringt bis zu 60 Liter biologisches Spritzmittel aus und kommt dabei auch in fremden Rebbergen zum Einsatz, etwa in Liesberg.

Die Trockenheit machte vor allem den Jungreben zu schaffen. Bewässert wurden deshalb lediglich die jungen Pflanzen in Ormalingen. Bei älteren Reben sei eine Bewässerung kaum zu bewältigen und meist auch nicht erforderlich. Deren Wurzeln reichen teilweise bis zu 30 Meter tief und ermöglichen es den Pflanzen, längere Trockenperioden zu überstehen.

Auch Raphael Schmidlin-Biri von der Liesbergersonne berichtet von einer sehr hohen Qualität, allerdings mit rund 50 Prozent weniger Ertrag. Der Rebberg aus den 1990er-Jahren umfasst nach mehreren Neupflanzungen inzwischen rund 1400 Stöcke, eine erneute Erweiterung ist geplant. Schmidlins Tochter absolviert eine Winzerausbildung. Für Aufbruchstimmung sorgt zudem ein 2025 von seinen Helfern gegründeter Verein, der bereits 50 Mitglieder zählt. Fast die gesamte Produktion wird intern verkauft. Bei der Sortenwahl setzen die Liesberger bewusst auf neue Züchtungen wie Solaris, Divico, Cabernet Jura und Muscat bleu sowie auf die eigene Cuvée «Trio Herzblut».

In der Dittinger Rebzunft zum Chattel begann die Weinlese Anfang September, zwei bis vier Wochen früher als üblich. Die Bedingungen waren ideal. Die Erntemenge entsprach ungefähr dem Vorjahr, die Qualität war ebenfalls hervorragend. Weniger erfreulich präsentiert sich die langfristige Situation: Die 2000 gegründete Rebzunft kämpft mit einer alternden Infrastruktur und einer älter werdenden Mitgliederstruktur. Gleichzeitig wird der Absatz der traditionellen Sorten Riesling-Sylvaner und Pinot noir schwieriger. Neue Ideen und Kooperationen sind gefragt.

Einen solchen Weg geht offenbar die Burgerkorporation Zwingen. Im Vorstand kam es zu einem Umbruch. In der über 40 Jahre alten Anlage wurden im vergangenen Jahr 400 Rebstöcke ersetzt. Die wenig beliebte rote Sorte Regent wich dem weissen Chardonnay, dessen Bestand gleichzeitig erweitert wurde. Zudem konnten zehn neue Mitglieder für die Mitarbeit gewonnen werden.

In Röschenz bewirtschaftet Marco Karrer einen von seinem Vater übernommenen Rebberg mit 110 Johanniterstöcken direkt vor seiner Haustüre. Für den Jahrgang 2026 ist er vorsichtig optimistisch. Auch ältere Rebstöcke hätten unter den extremen Bedingungen gelitten; teilweise verloren sie bereits früh ihre Blätter.

Sinkender Weinkonsum verändert den Markt

Die Herausforderungen beschränken sich allerdings nicht nur auf Wetter und Ertrag. Gemäss Philipp Schwander, dem schweizweit bekannten Master of Wine, Weinunternehmer sowie Kolumnisten der «Sonntagszeitung», ist der Weinkonsum in der Schweiz seit 2003 um rund 50 Prozent auf 24 Liter pro Kopf zurückgegangen. Diese Entwicklung hinterlässt auch international Spuren. Selbst im traditionsreichen Bordeaux werden Rebflächen reduziert.

Betroffen ist auch der Rebberg in Laufen, der in den 1980er-Jahren angelegt und jahrelang vom Museumsverein Laufental bewirtschaftet wurde. Die Pacht läuft Ende 2028 aus; der private Grundeigentümer plant danach einen vollständigen Rückbau. Dass sich der Geschmack der Kundschaft verändert, zeigt sich auch hier. Museums-Präsidentin Lilli Kuonen Reber stellt fest, dass sich in den vergangenen Jahren ihr Rosé- und Schaumwein deutlich besser verkaufte als der klassische Blauburgunder.

Amphor beobachtet eine ähnliche Entwicklung. Die Kundschaft ist mehrheitlich zwischen 50 und 70 Jahre alt. Mit neuen Produkten wie Low Wine mit 8,5 Prozent Alkohol oder Pét-Nat, einem natürlich hergestellten Schaumwein, versucht das Unternehmen, auch jüngere Generationen zu erreichen. Selbst die Generation Z gerät zunehmend ins Visier.

Wohin die Entwicklung gehen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Wallis: Provins bietet Weisswein in Dosen unter dem Namen «Tasty Trip» an. Die Getränke werden mit natürlichen Aromen wie Pfirsich, Pineberry (Ananaserdbeeren) und Grapefruit sowie Mineralwasser ergänzt und kommen auf einen Alkoholgehalt von 4,1 Prozent.


Regionale Weine und Spirituosen sind unter anderem im Clublokal der Segelfluggruppe und im Bergmattenhof in Dittingen sowie im Bären, im Go In, im Milchhüsli, bei Bucher Gabele und bei Borer Getränke in Laufen erhältlich. 

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