Musiklager statt Schulferien
Das Regionale Jungmusikantenlager Thierstein-Laufental «Jumula» ist mehr als ein Ferienlager, aber weniger als ein Bootcamp und als solches ungebrochen beliebt.
Liesberg
Sina sitzt aufgeregt in der Seemättlihalle in Liesberg. Sie nimmt erst seit zwei Jahren Cornet-Unterricht und kennt noch nicht alle Noten. Dass sie noch nicht mit ins Jumula fahren konnte, findet sie nicht weiter schlimm. Sie ist stolz auf die beiden teilnehmenden älteren Schwestern, die auf der Bühne das Abschlusskonzert mitspielen.
Stolz waren am vergangenen Freitag auch die anderen Angehörigen in der gut gefüllten Halle. Ihre Kinder, Geschwister, Nichten und Neffen waren gleichentags von einer intensiven Jumula-Woche in Sörenberg zurückgekommen. Mit einem kurzweilig gespielten und unterhaltsam präsentierten Konzert zeigten die 10- bis 22-Jährigen, was sie unter den Direktionsstäben des achtköpfigen Leitungsteams erarbeitet hatten.
Geteilt wurden nicht nur Blasmusikhobby und Ferienwoche, auch das Ansagemikrofon wurde für jedes Stück unter den Jugendlichen weitergereicht. Im Stil einer Fernsehansage schauten sie auf die einzelnen Lagertage zurück und führten in die gespielten Stücke ein. Und mit diesen müssen sie sich keineswegs verstecken: Der «Rumisberger Marsch» von Walter Joseph, «Bliss» von Jacob de Haan und das wunderbar berührende «Il grond silenzi» von Flavio Bundi finden sich in den Repertoires von manch gestandenem Musikverein. Brillieren durfte Solist Aurel Kübler, der auf dem Cornet gefühlvoll den «Einsamen Hirten» von James Last so interpretierte, dass niemand die Panflöte des Originals vermisste. Der Lagerleitung ist es mit einem abwechslungsreichen Konzertprogramm gelungen, musikalische Akzente zu setzen und die 30 Jugendlichen zu fordern. Sie konnte auch davon profitieren, dass die Besetzung der Register in der 44. Ausgabe des Lagers ausgewogen war. Das gesamte Schlagwerk wurde von nur vier Jugendlichen gespielt, die in fliegendem Wechsel von Glockenspiel über Vibrafone und weiter zu den Röhrenglocken huschten und so vielfältige und partiturgetreue Klangakzente setzten.
Über die gesamte Konzertdauer zeichnete sich das ganze Ensemble durch Witz, Spielfreude, differenzierte Dynamiken, präzise Akzente und hohe Konzentration aus. Selbstverständlich war das nicht, denn hinter den Jugendlichen lag eine dichte Woche. Sie probten nicht nur Stücke, sondern kamen auch in den Genuss von Workshops und sogar einer Marschmusikprobe. Dass gerade diese engagiert und erfolgshungrig angegangen wurde, zeigte der überraschende Einmarsch zum zweiten Konzertteil: Auf Kommando von «Lagermami» Manuela Schaad wurde präzise abmarschiert und die Halle zu den Klängen von «Alli mini Äntli» mit Marsch und Kontermarsch durchschritten.
Um keinen Lagerkoller aufkommen zu lassen, wurden die Lagertage aber nicht nur mit Register-, Satz- und Gesamtproben ausgefüllt, auch Spiele und Wettbewerbe kamen nicht zu kurz. Dabei zeigte sich, dass Sina einen weiteren Grund zum Stolzsein hatte: Ihre ältere Schwester gewann nicht nur den lagereigenen Solistenwettbewerb, sondern auch das traditionelle Tschau-Sepp-Turnier. Bei dieser Disziplin wäre Sina heute schon lagerreif — das Notenlesen wird folgen.






