Gotteslob im Steinbruch

Der Seelsorgeverband Zwingen Dittingen Blauen Nenzlingen lud für einmal nicht in der Kirche, sondern im Steinbruch zum Gottesdienst ein.

Natürliche Kulisse als Kirche: Christian Thomann (l.) und Markus Schöbi (3. v. l.) gestalteten einen interessanten und besinnlichen Gottesdienst.   Foto: Martin Staub
Natürliche Kulisse als Kirche: Christian Thomann (l.) und Markus Schöbi (3. v. l.) gestalteten einen interessanten und besinnlichen Gottesdienst. Foto: Martin Staub

Rund viereinhalb Milliarden Jahre alt ist unsere Erde. Zwischen 90 und 140 Millionen Jahre hat der Kalkstein, den wir hier abbauen, auf dem Buckel.» Mit diesen Worten begrüsste Christian Thomann, Mitinhaber des Steinwerks Gebr. Thomann AG, die zahlreichen Gäste. «Was bleibt denn wirklich …?» lautete die Frage zum Jugend-Gottesdienst im Steinbruch, die nicht nur viele Jugendliche sondern auch Erwachsene beantwortet haben wollten. Pfarrer Markus Schöbi durfte mit dem Aufmarsch aus seinen Pfarreien zufrieden sein. Zusammen mit Christian Thomann, der in Dittingen als Kirchenrat amtet, setzte er die Idee um. Auf drei Stationen brachte Thomann den Besuchern die Arbeiten im Steinbruch näher, während Schöbi die Ausführungen auf die religiöse Ebene transferierte. «Es geht hier um Steine, aus denen unsere Häuser gebaut sind. Um Schmutz, der uns im Leben immer wieder begegnet, um Individuelles, das jeden Menschen einzigartig macht, wie die Steine, die hier herumliegen.» Zwischen den Worten der beiden «Moderatoren» füllte die Sängerin Fabienne Jäggi, begleitet von Florian Kirchhofer am Keyboard, den Liesberger Steinbruch mit geistlichen Songs.

Nebst den religiösen, kirchlichen Aspekten eines üblichen Gottesdienstes, genossen die Anwesenden eine höchst interessante Führung durch den Betrieb eines Steinwerks, welches von der Röschenzer Familie Thomann bereits in der dritten Generation geführt wird. Während früher bis zu 25 Leute hier ihr Brot verdienten, seien heute noch 15 Mitarbeitende tätig. «Die moderne Technik machts möglich», erklärte er. Eine kreischende Kreissäge, die meterdicke Steinbrocken in millimetergenaue Stücke schneidet und auch am Wochenende computergesteuert ohne menschliches Dasein arbeitet, legte eindrücklich Zeugnis davon ab. «Gibt es auch etwas in Ihrem Lebensblock, das Sie gerne abschneiden, schleifen oder bearbeiten möchten?», fragte der Seelsorger. Nach der Halle, wo die rund 180 verschiedenen Steinsorten bearbeitet werden, lockten die Melodien des Musikduos anschliessend zur Schleiferei, der dritten und letzten Station des Rundgangs. Hier war unter anderem noch von Thomann zu erfahren, dass die Firma rund 60 Prozent ihrer Produktion aus eigenem Laufner (Liesberger) Kalkstein verarbeitet, während Schöbi die Besucher ermahnte, dass es bei allen Menschen, ob alt oder jung, immer etwas zu schleifen gibt.
Der Gottesdienst im Steinbruch, eine gelungene Idee, die zu weiteren Experimenten animieren dürfte.

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