Gemeinsam im Rampenlicht

Die Baselbieter Politik ehrte im Schlachthuus ihre Künstler. Die Kulturpreisverleihung zeigte, wie vielfältig das kulturelle Leben im Kanton ist.

Lächeln für die Kamera: Politiker (Elisabeth Augstburger, Anton Lauber, Monica Gschwind) und Künstler (Johannes Willi) beim Fototermin. Foto: Peter Walthard
Lächeln für die Kamera: Politiker (Elisabeth Augstburger, Anton Lauber, Monica Gschwind) und Künstler (Johannes Willi) beim Fototermin. Foto: Peter Walthard

Ob man Kultur zum Leben brauche, fragte Dominique Mollet, Präsident des Baselbieter Kulturrats gleich zu Beginn. Im Publikum waren viele Politiker zu sehen, auf die Bühne traten Regierungsrätin Monica Gschwind, die scheidende Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger, und schliesslich, für das Gruppenfoto, Regierungsrat Anton Lauber. Eine Antwort auf Mollets Frage konnte der Abend nicht geben. Dafür einen Eindruck davon, was heute als Kultur verstanden werden kann. Denn klassische Kunst war an diesem Abend nur Intermezzo, bewegend vorgetragen von Paula de Piante Vicin am Flügel und Andreas Fleck am Cello.
Einen ganz anderen Bezug zur Kultur hat der Träger des mit 25 000 Franken dotierten kantonalen Kulturpreises, der vom Kulturrat einfach dafür ausgezeichnet wurde, dass er ist, wie er ist: das «Gesamtkunstwerk» Roland Buser. Ausserhalb seiner Rolle als kauziger Weiser, mit der er in seiner Heimatgemeinde Füllinsdorf als eine Art Dorforiginal angesehen wird, ist er ein angesehener Wissenschafter. Der Astronom war unter anderem an der Entwicklung des Hubble-Teleskops beteiligt. Er hat aber auch einen Hang zur Philosophie und liebt die freie Assoziation der Begriffe, wie er auf der Bühne gleich unter Beweis stellte: Über Kultur kam er über einen «Ur-Kult» auf den Urknall zu sprechen, darauf, dass Kultur eigentlich Pflege heisse und die Natur ebenso wie der Mensch der Pflege bedürfe, und er trug all dies so lebendig vor, dass man sich danach irgendwie ein bisschen gescheiter vorkam.

Batman aus dem Baselbiet
In einer ganz anderen Welt lebt Enrico Marini, der seine Werke in seiner Stube in Liestal erschafft, aber in Frankreich und neuerdings auch in den USA längst zum Star avanciert ist. Marini zeichnet Comics, bekannt geworden ist er mit seiner mit viel Liebe zum Detail gestalteten Serie «Die Adler Roms», in den Olymp der bunten Bilder hat er es letztes Jahr geschafft: Er wurde auserkoren, zwei Bände der Kultserie Batman zu zeichnen. Auf der Bühne gab er sich unaufgeregt und bescheiden. Seine wilden Jahre habe er hinter sich, versicherte der Zeichner, den – eigens für ihn geschaffenen– Spartenpreis Comic von 20 000 Franken werde er für eine Recherchereise verwenden.
Der Kunstförderpreis von 10 000 Franken ging an Johannes Willi aus Lausen, der sichtlich Wert auf sein Image als Künstler legte. Eigentlich hatte er keine Zeit, denn mittwochs ist bei ihm Fussball, da das Spiel aber in Laufen stattfand, kam er doch noch vorbei, lässig mit Bierflasche in der Hand, auf der Bühne sprach er von leeren Bankkonten und Planlosigkeit im Leben. Es war ein perfekter Auftritt.


Zukunft der Blasmusik
Willi hat Renommee. Für Aufmerksamkeit sorgte er, als er 2016 an der Lucerne Festival Academy ein gestandenes Orchester mit aus Baumarktmaterialien selbst gebastelten Instrumenten Beethovens Fünfte spielen liess. Natürlich gingen einige Instrumente alsbald zu Bruch, der Charakter des Werks soll aber bis zum Schluss erkennbar geblieben sein.
Der ebenfalls mit 10 000 Franken dotierte Preis ging an die Future Band, eine Brass-Gruppe für Jugendliche, die von verschiedenen Blasmusiken rund um den Wisenberg zur Nachwuchsförderung unterhalten wird. Die Jugendlichen eilen von Erfolg zu Erfolg, und entsprechend warm war auch der Applaus, der ihnen im Schlachthuus entgegenschlug. Denn die Jungmusiker wussten bis zur Preisverleihung nichts von ihrem Glück. Sie waren gekommen, um Musik zu machen, und sie gingen als die Helden des Abends.

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