Geigen können mehr als geigen

Patricia Kopatchinskajas Auftritte mit der Camerata Bern in der St.Katharinenkirche sind nicht neu. So war auch das Gastspiel unter dem Titel «Radix – Wurzeln im Exil» trotz Sommerhitze sehr gut besucht. Absolut zurecht.

Eine grossartige Aufführung: Das Ensemble Camerata Bern mit Patricia Kopatchinskaja (2.v.l.) und Solist Thomas Kaufmann.Foto: Martin Staub

Die Geigerin mit moldawischen Wurzeln emigrierte mit ihrer Familie im Jahr 1989 nach Wien. Nach einem Studium an der dortigen Musikuniversität wechselte sie 1997 als 20-Jährige an die Berner Hochschule der Künste. Ihr Studium schloss sie im Jahr 2002 mit Auszeichnung ab.

Die Kammerkonzerte in der Laufner St. Katharinenkirche sind meistens gut besucht. Wenn der Name Patricia Kopatchinskaja auf dem Programm steht, kann mit vollen Rängen gerechnet werden. Am letzten Sonntag um 18 Uhr strömten die Freundinnen und Freunde der Camerata Bern – mit ihren 15 Solistinnen und Solisten, darunter Patricia Kopatchinskaja – zahlreich in die St. Katharinenkirche. Die Aufführung «Radix – Wurzeln im Exil» löste bei den Besucherinnen und Besuchern pure Begeisterung aus.

Die kurzen Stücke des polnischen Komponisten Andrzej Panufnik (1914–1991), die von den Interpretinnen und Interpreten alles forderten – weit mehr als streichen und zupfen –, liessen Zweige im Wind tanzen, riefen Seufzen, Schluchzen und Blätterrascheln hervor. Patricia Kopatchinskaja und der Cellist Thomas Kaufmann als Programmgestalter ergänzten die interessanten Tonfolgen mit moldawisch gesungener Folklore, mit harmonischer Wohlfühlmusik von Georg Philipp Telemann (1681–1767) und Franz Schubert (1797–1828). Schliesslich rundete der Schweizer Heinz Holliger (1939) mit «Tröpfli» und abschliessendem Vogelgezwitscher – beide Werke aus «Duöli», 24 Duette für Geigenschülerinnen und Schüler – das spannende Spiel der musikalischen Kontraste ab.

In diesem Konzert überliess die Geigenvirtuosin den Hauptsolistenpart diesmal Thomas Kaufmann. Der Cellist setzte sich denn ins Zentrum und spielte die Sonate für Cello und Klavier Nr. 1 von Alfred Schnittke (1934–1998) in einer modernen Bearbeitung für Cello, Streicher und Cembalo von Martin Merker. Die 20-minütige Spiellänge lotete die musikalische Kunst des Interpreten in ihrer gesamten Bandbreite aus. Das war kaum Schmeichelmusik, aber spektakulär und spannend. Der Solist erntete denn auch hochverdient anhaltenden Applaus.

Nebst dem abwechslungsreichen Programm – für eher harmoniebedürftige Ohren waren ziemlich abstrakte «Geräusche» dabei – setzte auch Fotokünstler Marco Borggreve markante Zeichen mit seinen Bildern auf grosser Leinwand und speziellen Lichteffekten. Die gesamte ­Inszenierung darf kurz und bündig mit «Hervorragend» beurteilt werden. Das Publikum würdigte das Konzert mit nicht enden wollender Akklamation.

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