Gefangen in Blauen?

Das lassen sich die Blauner Fussgänger nicht gefallen! Noch weniger Postautos, das kommt nicht infrage. Dann hätten sie ja kaum noch Anschluss an die Aussenwelt. Um politischen Druck auszuüben, organisierten sie eine Demo.

Haben rebellisches Blut: Hedi Jeisy (l.) und Tilde Fuchs kämpfen fürs Postauto.
Haben rebellisches Blut: Hedi Jeisy (l.) und Tilde Fuchs kämpfen fürs Postauto.

Euer Vorhaben ist unsozial!» hat Tilde Fuchs mit sorgfältigen Lettern auf ein Plakat gemalt. Sie greift damit die Baselbieter Regierung und einen Grossteil der Landräte frontal an. Was trieb die 82-Jährige dazu an, in Blauen eine Demo zu organisieren, zu der am Montag 25 Personen erschienen? Der Regierungsrat hat beschlossen, dass die Blauner Fussgänger doch zu Hause bleiben sollen. Oder dann die Wirte in Laufen und Zwingen noch mehr unterstützen müssen. Denn der Regierungsrat will werktags am Vor- und Nachmittag fast
alle Postautokurse der Linie Laufen–Dittingen–Blauen–Nenzlingen–Zwingen streichen. Statt 23 Kurspaare sollen nur noch deren 15 fahren; am Wochenende will er die 7 Kurspaare auf 5 reduzieren.

Für die demonstrierenden Seniorinnen wäre das ein riesiger Verlust. Mit den jetzigen Kursen sind sie zufrieden, auch wenn sie sich vor der Heimkehr oft die Zeit im Restaurant vertreiben müssen, bis das nächste Postauto fährt. Doch der geplante radikale Abbau wäre eine Kata-strophe. «Vor 50 Jahren mussten wir alles zu Fuss von Laufen heimschleppen. Jetzt würden wir ja wieder in diese Zeit zurückfallen», erklärt Maria Fuchs. Für Familien hingegen ist das jetzige Angebot schon mühsam. Wie Maya Schaulin als Beispiel erklärt, kann sie mit ihren kleinen Kindern nie morgens zum Arzt. Sie käme gar nicht rechtzeitig wieder nach Hause, um das Essen für die grösseren Kinder zu richten. Und Noam Schaulin (14) läuft schon jetzt einmal die Woche von Zwingen nach Blauen, weil er sonst zwei Stunden warten müsste. Würden die Postauto-Kurse noch mehr ausgedünnt, würde sich die Situation deutlich verschärfen.
Solche und ähnliche Geschichten erzählen alle Demonstranten. Gerne hätte das Wochenblatt erfahren, was die Gemeinde gegen den Abbau der Postauto-kurse unternehmen will. Doch bei der Demo machte kein Gemeinderat mit. Immerhin liess Gemeindepräsident Dieter Wissler dem Wochenblatt ein Dossier überbringen. Darin macht er der Bevölkerung klar, dass ein solch massiver Abbau des öffentlichen Verkehrs die ganze Gemeinde hart treffen würde. Er befürchtet, dass die Gemeinde unattraktiv wird und Steuerzahler wegziehen könnten. Deshalb hat sich der Gemeinderat Blauen für die Volksinitiative «Gegen den Abbau beim öffentlichen Verkehr» engagiert, über die im Herbst abgestimmt wird. Zudem fordert Dissler die Blauner auf, die Laufentaler Landräte zu bearbeiten. Denn in Kürze wird der Landrat das zweite Mal über die Vorlage der Regierung zum öV-Abbau abstimmen.

Die Regierung scheint siegesgewiss zu sein. Denn laut den Unterlagen, die Dissler zur Verfügung stellt, erklärt das Tiefbauamt klar, dass der Abbau des Angebotes nicht rückgängig gemacht werden kann. Und dies, obwohl der Landrat und auch das Volk zum Thema noch gar nicht abgestimmt haben.
All diese Machtkämpfe scheinen der Organisatorin der Demo, Tilde Fuchs, nichts anzuhaben. Sie setzt sich unerschrocken für die Sache ein. Schliesslich stammt sie vom Südtiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer ab und sie weiss: «Ich habe rebellisches Blut in den Adern!»

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