Freude über Torpech
Ein sensationelles Guckloch in kriegerischen Zeiten. Laufens Obertor entpuppt sich als bedeutendes Juwel.
Eine Zeitinsel, in welcher die Geschichte überlebt hat», schwärmt Anita Springer, Leitung Bauforschung der Archäologie Baselland, und meint damit das Laufner Obertor. Sie hat soeben ihre Untersuchungen abgeschlossen. Hinter der etwas langweiligen und behäbigen Fassade verbirgt sich ein richtiges Juwel, das bisher viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Das Obertor, das Richtung Delsberg blickt, sei das allerschönste und grösste Tor des Kantons. Absolut faszinierend sei der Zustand des Gebäudeinneren, wo viel Ursprüngliches erhalten geblieben sei, sagt die Fachfrau.
Eines ihrer Lieblingsorte ist die Schiessscharte im dritten Stock. Hier ist noch immer das Pech zu sehen, das vom Pulverdampf stammt, als die Wächter und Soldaten mit ihren Feuerwaffen durch die Scharte schossen. Heute ist von der Vorstadt her nur eine kleine rechteckige Öffnung sichtbar. Doch ursprünglich handelte es sich um ein Rundbogenfenster. Es hatte ein Querholz, woran der Haken der Schiessbüchse eingehängt werden konnte. Damit fingen die Soldaten den enormen Rückstoss der Büchse auf.
Das zweite Lieblingsobjekt Springers ist die Turmkammer. Die Kammer aus dicken Brettern ist wie eine Schachtel im 3. Stock eingebaut. «Solche Kammern finden wir nur in Türmen und Burgen; sie sind sehr selten erhalten», erklärt Springer. Sie kann auch genau sagen, wann sie eingebaut wurde, nämlich im Winter 1437/38. Und wieso brauchte der Turm plötzlich so eine Kammer? Damals plünderten französische Söldnerheere, was immer sie konnten. Auch in unserem Gebiet verbreiteten die so genannten Armagnaken unsäglichen Schrecken, bis sie 1444 in der Schlacht von St. Jakob bei Basel grosse Verluste erlitten. Für Springer ist es wahrscheinlich, dass der damalige Fürstbischof von Basel, Friedrich zu Rhein, die Kammer im Obertor einbauen liess, um Laufen als militärische Basis gegen die Armagnaken auszubauen.
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Mehr über diese Entdeckung im aktuellen Wochenblatt Nr.4






