Freude über Torpech

Ein sensationelles Guckloch in kriegerischen Zeiten. Laufens Obertor entpuppt sich als bedeutendes Juwel.

Seltener Fund: Turmkammer des Laufner Obertores, die im Winter 1437/38 eingebaut wurde. Fotos: ZVG

Seltener Fund: Turmkammer des Laufner Obertores, die im Winter 1437/38 eingebaut wurde. Fotos: ZVG

Frieden: Die Schiessscharte am Obertor wurde bis auf ein Lichtfensterchen zugemauert.

Frieden: Die Schiessscharte am Obertor wurde bis auf ein Lichtfensterchen zugemauert.

Eine Zeitinsel, in welcher die Geschichte überlebt hat», schwärmt Anita Springer, Leitung Bauforschung der Archäologie Baselland, und meint damit das Laufner Obertor. Sie hat soeben ihre Untersuchungen abgeschlossen. Hinter der etwas langweiligen und behäbigen Fassade verbirgt sich ein richtiges Juwel, das bisher viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Das Obertor, das Richtung Delsberg blickt, sei das allerschönste und grösste Tor des Kantons. Absolut faszinierend sei der Zustand des Gebäudeinneren, wo viel Ursprüngliches erhalten geblieben sei, sagt die Fachfrau.
Eines ihrer Lieblingsorte ist die Schiessscharte im dritten Stock. Hier ist noch immer das Pech zu sehen, das vom Pulverdampf stammt, als die Wächter und Soldaten mit ihren Feuerwaffen durch die Scharte schossen. Heute ist von der Vorstadt her nur eine kleine rechteckige Öffnung sichtbar. Doch ursprünglich handelte es sich um ein Rundbogenfenster. Es hatte ein Querholz, woran der Haken der Schiessbüchse eingehängt werden konnte. Damit fingen die Soldaten den enormen Rückstoss der Büchse auf.
Das zweite Lieblingsobjekt Springers ist die Turmkammer. Die Kammer aus dicken Brettern ist wie eine Schachtel im 3. Stock eingebaut. «Solche Kammern finden wir nur in Türmen und Burgen; sie sind sehr selten erhalten», erklärt Springer. Sie kann auch genau sagen, wann sie eingebaut wurde, nämlich im Winter 1437/38. Und wieso brauchte der Turm plötzlich so eine Kammer? Damals plünderten französische Söldnerheere, was immer sie konnten. Auch in unserem Gebiet verbreiteten die so genannten Armagnaken unsäglichen Schrecken, bis sie 1444 in der Schlacht von St. Jakob bei Basel grosse Verluste erlitten. Für Springer ist es wahrscheinlich, dass der damalige Fürstbischof von Basel, Friedrich zu Rhein, die Kammer im Obertor einbauen liess, um Laufen als militärische Basis gegen die Armagnaken auszubauen.

...

Mehr über diese Entdeckung im aktuellen Wochenblatt Nr.4

Weitere Artikel zu «Laufental», die sie interessieren könnten

Verheerend: Das Wohnhaus der Familie Odermatt ist vollständig abgebrannt.  Foto: Polizei Basel-Landschaft
Laufental14.10.2026

Beispiellose Solidaritätswelle

Nach dem verheerenden Brand eines Wohnhauses in Liesberg steht Familie Odermatt vor dem Nichts. Eine Spendenaktion löst nun weit über die Region hinaus grosse…
Gut genutzt: Die Sammelstelle für invasive Neophyten steht seit Ende August bei der Jost AG kostenlos zur Verfügung.  Foto: zVg
Laufental14.10.2026

Neophyten-Sammelstelle stösst auf Anklang

Wohin mit ausgerissenen Neophyten? Seit Ende August steht in Laufen eine kostenlose Sammelstelle für invasive Pflanzen zur Verfügung. Sie soll helfen, deren…
In der Werkstatt des Cellobauers: Die Decke eines alten italienischen Cellos wartet auf die Restauration. Foto: MARK RIKLIN
Laufental14.10.2026

Der Geigenbaumeister von Dittingen

In Dittingen trifft Jonas Lenz auf einen Geigenbauer, der mit 20 Jahren zum ersten Mal ein klassisches Live-Konzert erlebt. Was danach geschieht, ist die…