Frauen ziehen schon seit Adam und Eva den Kürzeren

Frech, bitterböse und trotzdem durch und durch charmant: Bettina Dieterle überzeugte im Kulturzentrum Alts Schlacht­huus auf der ganzen Linie und zeigte dem Publikum die ganze Bandbreite ihres Könnens.

Die Apokalypse: Die Neuinterpretation von Bettina Dieterle ging unter die Haut. Foto: Melanie Brêchet

«Im Paradies war auch nicht alles perfekt» lautet der Untertitel von Bettina Dieterles jüngstem Bühnenprogramm «Apocalypso Blues». Und perfekt war es für die Frauen eigentlich nie: weder im Paradies, bei den Griechen, den Römern, im Mittelalter, noch heute. Nie. Schon zu Beginn der Vorstellung wurden die Männer im Publikum aus dem Off vorgewarnt, sie mögen sich doch bitte anschnallen. Zu Recht: Denn vor allem diese sollten an diesem Abend ihr Fett abbekommen. Aber nicht ausschliesslich. Freundlich wurde darauf hingewiesen, dass sich unter anderem Massvoll-Anhängerinnen und -Anhänger ob des «durchdachten Rechtenbashings» unwohl fühlen könnten. Hoffnung bestehe jedoch für alle, denn «der Kopf ist rund, damit sich die Denkrichtung ändern kann.» Ob sich diesbezüglich im Publikum etwas getan hat, beziehungsweise ob das überhaupt nötig war, lässt sich nicht sagen, jedenfalls hat die Basler Künstlerin, die mittlerweile in Zürich lebt, ihr Bestes dafür getan. Mit viel Wortwitz, bösen Spitzen und sprachlichem Feingefühl bewegt sich Dieterle souverän von den Flintstones in der Steinzeit («eine moderne Hippie-WG») über Xanthippe, Sokrates’ keifende Ehefrau bei den alten Griechen («an ihrer Stelle wäre ich auch hässig gewesen»), und wieder zurück ins Paradies zu Adam und Eva, deren Sündenfall im Alten Testament mal so ganz falsch erzählt worden sei — denn eigentlich sei es Adam gewesen, der den ganzen Schlamassel angerichtet habe. Bei allem Humor, den Dieterle bei ihrer rasanten und tempomässig stellenweise überfordernden Zusammenfassung des weiblichen Elends in der Weltgeschichte bot, blieb einem von Zeit zu Zeit auch das Lachen im Hals stecken, dann zum Beispiel, als sie die biblische Apokalypse neuinterpretierte, in der mächtige Männer wie Ermotti, Blocher, Trump und Co. und nicht zuletzt die Katholische Kirche Schaden anrichten, «bis die Demokratie zerschellt am Felsen der Dummheit». Auf der Bühne vortrefflich begleitet wurde Dieterle von der Pianistin und Sopranistin Ursula Oelke, welche die Kabarettistin sowohl am Flügel als auch gesanglich ausgezeichnet ergänzte.

Bettina Dieterle glänzt an diesem Abend mit ihrem breiten Können: Sowohl gesanglich als auch schauspielerisch überzeugt sie von Anfang bis Ende. Ihr komödiantisches Talent bewies die 59-Jährige bereits auf vielen Bühnen und im Fernsehen, und es kommt auch in ihrem neuen Programm zum Tragen. Ein einziges Mal schwächelt Dieterle ein wenig, dann nämlich, als sie sich über Frauen, die sich «nur für die Männer» Schönheitseingriffen unterzogen haben sollen, lustig macht. Solche Gags hätte sie nicht nötig.

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