Engelszart und teuflisch schnell
Virtuos, irrsinnig schnell und gefühlvoll zart, wie der Morgentau. Dies nur drei Begriffe, mit denen man das Kammerkonzert vom Dienstagabend in der Katharinenkirche beschreiben könnte.

Dabei verzauberten die fünf Musiker mit ihrem Programm die knappe Hundertschaft von Zuhörern mit weit mehr Nuancen, als Worte je beschreiben könnten. Allen voran Patricia Kopatchinskaja, die mit ihrer Violine den Hauptpart übernahm. Werke von Béla Bartòk, Georg Enescu, Maurice Ravel und György Kurtàg standen zur Aufführung. So gegensätzlich die Kompositionen sich auch anhörten, etwas war ihnen allen gemeinsam: Folklore aus Rumänien oder Moldawien. Von dort also, wo die Mehrheit der Musikerinnen und Musiker herkommen. Viktor Kopatchinsky, Vater von Patricia, spielte das Cymbalom (Hackbrett) und entlockte diesem Töne, die hierzulande kaum zu hören sind. «Mein Vater, ein Bauernsohn, beschloss, in der Hauptstadt Kischinau sein Glück als Musikschüler zu versuchen und wurde der berühmteste Cymbalvirtuose der alten Sowjetunion», schrieb Patricia in ihrer Konzertbeschreibung. Vor allem in «Doina si hora» für Cymbalon solo war dieses Attribut unverkennbar.
Traumhaft auch die Fingerfertikeit und Musikalität der rumänischen Pianistin Mihaela Ursuleasa. Ihr variantenreiches Tastenspiel – von samtweich bis knochenhart – kam vor allem in den drei rumänischen Tänzen von Bartòk zur Geltung. Patricia Kopatchinskaja hat diese aussergewöhnliche Musikerin während ihres Musikstudiums in Wien kennengelernt und erklärt: «Schon damals hatte Mihaela keinerlei technische Limite». So spielten die beiden denn auch in Laufen diese Sonate für Violine und Klavier von Georg Enescu, welche die beiden Musikerinnen damals zu Tränen rührte, als sie das Stück zum ersten Mal vom Blatt spielten. Dies war einer der Höhepunkte dieses Spitzenkonzertes, welches auch beim etwas spärlich erschienenen Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde. Kein Wunder also, wurden die drei Musikerinnen, mit dabei auch Patricias Mutter als Violinistin , und die beiden Musiker (nebst Viktor Kopatchinsky Martin Gjakonovsky, Kontrabass) nach ihrem abschliessenden Folklorestück Ciocarla keinesfalls entlassen, sondern mit einer stehenden Ovation zur Zugabe gefordert.


