Emanzipierter Klamauk

Wenn Frauen auf der Bühne stehen, spielen in der Begleitmusik meist auch die Erwartungen mit: Elegant sollen sie auftreten, oder doch erotisch, anmutig oder doch verrucht, engelsgleich oder doch verführerisch.

<em>Ziemlich abgefahren: </em>Die Exfreundinnen voll im Element.Foto: Georges H. Wolf

<em>Ziemlich abgefahren: </em>Die Exfreundinnen voll im Element.Foto: Georges H. Wolf

<em>Emanzipiert: </em>Die Exfreundinnen machen sogar die Männerwitze selber. Foto: Peter Walthard.

<em>Emanzipiert: </em>Die Exfreundinnen machen sogar die Männerwitze selber. Foto: Peter Walthard.

Die Exfreundinnen, bestehend aus Anikó Donáth, Martina Lory, Isabelle Flachsmann und Sonja Füchslin können das alles. Sie machen es nur nicht. Oder besser, immer nur zur Hälfte. Denn die Momente, in denen sie einfach nur schön sind und singen, sind da: Etwa, wenn Lory im verträumten Stil einer alten Volksballade eine Ode an den Geissenpeter singt, oder wenn Sonja Füchslin am Flügel klassisches Repertoire zum Besten gibt. Und auch das Erotische und leicht Verruchte könnten sie, allen voran Isabelle Flachsmann, die schon in grossen Musicals mitgespielt und den Soul in ihrer Stimme hat. Aber die Erwartungen, das durften die Besucher an ihrem Auftritt im Kulturzentrum alts Schlachthuus am Sonntag schnell feststellen, befriedigen die vier «Exfreundinnen» nicht gern: Kaum hat man sich in den schönen Klängen verloren, oder sich von einer Tanzeinlage Flachsmanns beeindrucken lassen, kommt der ironische Bruch: Ganz dem Klischee der hysterischen Frauenbande entsprechend, bricht auf der Bühne Chaos und Kakophonie aus, alle sprechen, singen, wirbeln durcheinander, und das Publikum ist dann entweder am Lachen oder aber leicht irritiert – beides konnte man in Laufen am Sonntag beobachten. Die Exfreundinnen, eine Art Schweizer «Sex and the City» für die Bühne, lieben es zu provozieren. Auf der Bühne kommt alles aufs Tapet, über das Frauen in der Öffentlichkeit lieber schweigen: PMS, Cellulitis, die ewige und erfolglose Suche nach dem Richtigen, die Angst, ihn in den besten Jahren (das währen in diesem Falle jene über 40) nicht mehr zu finden. Präsentiert wird das alles schrill und überdreht, und es rutscht schnell ab ins Klamaukhafte: Stünden auf der Bühne nicht vier Frauen, so denkt man sich manchmal, könnten die Pointen auch einem derben Schwank entstammen. Beim Laufner Publikum kam die Mischung aus Grosstadtklischees und Zoten gemischt an: Einige Herren zeigten sich irritiert, der grossen Mehrheit aber gefiel es, und so klatschten sich die Besucher eine Zugabe heraus: Ein Potpourri aus Oktoberfestliedern, ganz getreu dem von Anikó Donáth am Anfang ausgegebenen Motto: «Wir sind so emanzipiert, wir machen sogar die billigen Männerwitze selber». Besser kann man eigentlich nicht beschreiben, was die «Exfreundinnen» in Laufen zu besten gegeben haben.

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