Blech ruft die nordischen Götter
Das gut besuchte Jahreskonzert des Musikvereins Brass Band Liesberg stand unter dem Motto «Nordische Mythen». Neben der Musik stand der Jubilar Josef Franz im Zentrum des abwechslungsreichen Abends.

Die nordischen Mythen sind bei uns erst durch Filme wie «Thor», «The Avengers» oder «Beowulf» populär geworden; vorher waren eher die Geschichten der griechischen Mythologie bekannt. Es war daher eine kluge Entscheidung der Musikkommission, diesen Themenkreis zu wählen. Dirigent Jérémie Favre stieg mit seinem Ensemble mit «Through the Flames» ein, einem kraftvollen, virtuosen Stück mit hohem technischem Anspruch. Auch die beiden nächsten Stücke gehörten der oberen Schwierigkeitsstufe an: die majestätische «A Nordic Trilogy: Hymn to Odin» von Darrol Barry und «The Saga of Tyrfing» von Jacob Vilhelm Larsen. Mit letzterem Stück über ein magisches, unheilbringendes Schwert wird der MVBB Liesberg beim Eidgenössischen Musikfest in Biel im Mai sicherlich Furore machen. Das rund zwölf Minuten dauernde symphonische Stück zeichnet sich durch viele Klangfarben, einen filmischen Klang und effektvolle Wechsel zwischen dramatischen und lyrischen Passagen aus, welch letztere im schwebenden Klang des Vibrafons zum Ausdruck kommen. Die Brass Band wartete mit einem vollen homogenen Klang und einer subtilen Dynamik auf. Zwischen den Stücken moderierte Josef Franz und verknüpfte geschickt die Geschichten der nordischen Mythologie mit jenen des Vereins und mit autobiografischen Anekdoten. Nach der tänzerischen «Nordic Polska» von Philip Harper endete der erste Teil mit Gareth Woods «Sosban Fach» («Der kleine Topf»), das auf einem walisischen Volkslied beruht und verspielt mit synkopischen Wendungen und ironischem Flair daherkommt.
Höchste Auszeichnung für 60 Jahre musizieren
Mit «Thor: The Dark World» von Brian Tyler startete man in den zweiten Teil. Die dynamische und heroische Filmmusik zielt auf emotionale Überwältigung ab und verströmt eine düstere Stimmung. «The Skye Boat Song» von Kenneth Downie basiert auf einem gälischen Lied von 1787. In diesem ruhigen und melancholischen Werk traten ein Cornett und ein Flügelhorn in einen Dialog. Nach dem klangmalerischen «Osterfjorden» wurde das festliche «Life! — Rejoicing» von Fabian Cali angestimmt. Gleichzeitig sah man auf einer Leinwand das Ehepaar Franz ins Auto steigen und zur Seemättli-Halle fahren. Danach begrüsste Bernhard Zollinger, Veteranenobmann des Musikverbands beider Basel, Josef «Sepp» Franz auf der Bühne. Dieser wurde für sein 60-jähriges aktives Musizieren geehrt.
Franz’ musikalischer Werdegang wurde in Interviewform nachgezeichnet. Präsidentin Ramona Hunziker steckte Franz die begehrte CISM-Medaille an, bei 60 Jahren die höchste Auszeichnung des Internationalen Musikbundes. Emotional wurde es, als Josefs Söhne Michael und Marco zusammen «Who Wants to Live Forever» von Queen anstimmten. Im jazzigen «Hercab» brillierte Jérémie Favre an der Posaune.
Ramona Hunziker dankte allen Beteiligten und gratulierte Fabian Kohler zum 40-Jährigen. Schliesslich gab es als Zugabe den schmissigen «General-Guisan-Marsch» und zwei weitere Kostproben aus dem Repertoire des MV Brass Band Liesberg. Damit ging der offizielle Teil des gehaltvollen Abends zu Ende.


